Mallorca kann mehr als Tapas, Paella und Urlaubsbuffets. Das zeigt eine aktuelle Entscheidung des Michelin-Führers: Das Gericht „Ramallet y mahonés“ aus dem Restaurant Voro im Osten der Insel wurde 2025 zu einem der elf besten Gerichte der Welt gekürt. Eine Auszeichnung, die nicht an eine Küche insgesamt geht, sondern an einen einzelnen Teller – und damit an eine Idee.
Das Restaurant Voro liegt in Canyamel bei Capdepera und ist derzeit das einzige Haus auf den Balearen mit zwei Michelin-Sternen. Küchenchef Álvaro Salazar hat mit „Ramallet y mahonés“ zwei regionale Produkte ins Zentrum gestellt, die auf Mallorca und Menorca allgegenwärtig sind: die Ramallet-Tomate und Mahón-Käse. Keine Luxusimporte, kein Kaviar, sondern mediterrane Alltagszutaten – neu gedacht.
Ein Gericht, das hängen bleibt
Nach Angaben des Michelin-Führers basiert die Auswahl auf den Eindrücken eines ganzen Jahres. Die Inspektoren besuchen weltweit im Schnitt rund 270 Restaurants jährlich. Am Ende bleiben nur wenige Gerichte im Gedächtnis – elf insgesamt. Darunter sind lediglich zwei aus Spanien, eines davon von Mallorca. Für die Insel ist das mehr als eine Randnotiz.
„Ramallet y mahonés“ überzeugt laut Michelin nicht durch Effekthascherei, sondern durch Präzision und Tradition. Es geht um Geschmack, Textur und Herkunft – und darum, bekannte Aromen so zu kombinieren, dass sie neu wirken, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Genau das scheint den Nerv der Tester getroffen zu haben.
Mehr als nur Sternenglanz
Die Auszeichnung fällt in ein Jahr, das für Voro ohnehin bemerkenswert ist. Das Restaurant hat seine zwei Michelin-Sterne erneut verteidigt und ist zusätzlich das einzige in Spanien, das 2025 gleichzeitig unter den besten Gerichten und den besten Desserts des Guides vertreten ist. Eine doppelte Anerkennung, die selbst in der Spitzengastronomie selten ist.
Für Mallorca bedeutet das: Die Insel wird nicht mehr nur als Ferienziel wahrgenommen, sondern zunehmend als ernstzunehmender Standort für kulinarische Spitzenleistung. Gerade für deutsche Mallorca-Fans, die die Insel oft seit Jahrzehnten kennen, zeigt sich hier ein Wandel – weg vom Klischee, hin zu einer eigenständigen, selbstbewussten Küche.
Zwischen Luxus und Bodenhaftung
Voro ist im Cap Vermell Grand Hotel untergebracht, einem Luxusresort, das ebenfalls vom Michelin-Führer ausgezeichnet wurde. Trotzdem bleibt der Kern der prämierten Küche erstaunlich bodenständig. Statt internationaler Modeprodukte stehen regionale Zutaten im Fokus, allerdings verarbeitet mit hohem technischem Anspruch. Die Michelin-Auswahl macht damit auch deutlich: Mallorcas Gastronomie spielt längst auf internationalem Niveau mit. Und manchmal reicht dafür eine Tomate und ein Stück Käse.