Das Orangental rund um Sóller auf Mallorca macht in diesen Tagen seinem Namen alle Ehre. Wer derzeit durch das nordwestliche Gebirge schlendert, wird von einem fruchtigen, dezenten Duft der gedeihenden Zitrusfrüchte begleitet. Aufgrund der warmen Temperaturen im November und der darauffolgenden, ausgiebigen Regenfälle im Dezember, hängen schon jetzt viele Bäume voller Früchte.
Die Reifezeit der Orangen ist für mich eine ganz besondere Zeit. Denn: obwohl es noch Winter ist, bekommt man irgendwie doch schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Frühling. Bei meinen wöchentlichen Wanderungen hebe ich die schon vom Baum gefallen Früchte oft auf und bereite mir am Wochenende frisch gepressten Orangensaft zu. Zugegeben: etwas sauer sind die Früchtchen schon noch.
Diese Orangen-Sorten gedeihen auf Mallorca
Obwohl einige Sorten nun Saison haben, werden die meisten Orangen allerdings erst im März geernet. „Zu einer der ersten Sorten gehört die sogenannte ,Navelina’. Sie ist eine Navel-Orange, süß, fruchtig im Geschmack und mit wenig Kernen”, erklärt mir Miguel Gual, Präsident der Bauern-Kooperative in Sóller. Also der ideale Snack während einer Wanderung.
Später im Frühjahr, meist im Februar und März, hat dann die „Canoneta” Erntezeit. Diese Orange hat eine besondere Bedeutung für Sóller und das Tal. Denn sie repräsentiert die landwirtschaftliche Kultur und Qualität der Region und wurde auf Initiative des Gründers der Delikatessenfirma Fet a Sóller, Franz Kraus, namentlich geschützt. Aufgrund ihres intensiven und süßen Geschmacks wird die kleine aber feine Orangensorte insbesondere für Säfte und Marmeladen verwendet.
„Die letzte Orangensorte, die geerntet wird, ist die ,Valencia Late’”, weiß Gual. Diese Frucht brauche immer etwas länger und ist in der Regel erst zwischen Mai und Juli reif. „Ihre Besonderheit ist, dass sie erst durch die stärkere Sommersonne nachreift.”
Interessanter Fakt nebenbei: Die Geschichte des Orangenbooms im Sóller-Tal begann im 19. Jahrhundert mit dem zunehmenden Export nach Europa. Allerdings waren es die Mauren gewesen, die die Bitterorange nach Sóller gebracht und ihren Anbau mithilfe eines speziellen Bewässerungssystems perfektioniert hatten.
Die Orange hat ihr eigenes Fest
Der Höhepunkt der Zitrusernte Ende März/Anfang April wird in Sóller und Umgebung übrigens mt der „Fira de Sa Taronja” gefeiert, also der Orangenmesse. Dann wird der Marktplatz im Ortskern aufwendig mit Früchten dekoriert. Außerdem bieten diverse teilnehmende Restaurants und Lokale spezielle Orangenmenüs an. Mit der „Fira” wird in Sóller damit inoffiziell der Frühling begrüßt. Die Autorin ist Yogalehrerin und lebt in Port de Sóller.