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Fast wie Monopoly: Wie mehrere Firmen um Konzessionen auf Palmas Werftmole streiten

Auf Palmas Werftmole wollen derzeit viele ein Stück vom Kuchen abbekommen. | Archiv UH

| Hafen Palma, Mallorca |

Wäre die gesamte Yachtbranche auf Mallorca ein Monopoly-Spiel, hieße die zwei Kilometer lange Werftmole in Palmas Hafen gegenüber der Kathedrale zweifellos Schlossallee. Denn hier wird das ganz dicke Geschäft im Bereich der Reparatur, Instandsetzung und Wartung, kurz Refit, für einige der größten und teuersten Privatyachten der Welt gemacht. Mehr als 400 Firmen mit über 1700 Angestellten arbeiten auf der knapp 220.000 Quadratmeter großen Werftanlage ganzjährig. Dazu zählen neben diversen Schiffsbauunternehmen und Lackierereien auch Unternehmen und Selbständige im Bereich Ausstattung, Motor- und Elektrotechnik, Stahl- und Aluminiumverarbeitung sowie unzählige Zulieferfirmen für Schiffszubehör.

Gemanagt wird die Werftmole seit Jahren im Konzessionsauftrag der balearischen Hafenbehörde APB von den beiden Werftunternehmen Serveis Tècnics Portuaris (STP) sowie Astilleros de Mallorca, welche sowohl Nutzungsflächen als auch Installationen für die Wartung von Yachten an deren Besitzer oder aber kleineren Firmen gegen entsprechende Bezahlung für den Zeitraum der jeweiligen Arbeiten zur Verfügung stellen. Beispiel: Um eine mehrere hundert Tonnen schwere Superyacht aus dem Wasser an Land zu hieven, bedarf es mobiler Spezialkräne, sogenannten Travellifts, die bei STP stundenweise gemietet werden können.

So weit, so gut. Doch seit einigen Wochen herrscht dicke Luft im Hafen. Grund ist die anstehende Vergabe für die Konzession einer 150.000 Quadratmeter großen Nutzungsfläche auf der Mole, die 2027 ausläuft. Neben den beiden derzeitigen Konzessionsnehmern STP und Astilleros de Mallorca hat sich erstmals auch ein Werftunternehmen aus Valencia beworben, das wiederum um zwei Ecken mit STP verbandelt ist. Bei Astilleros de Mallorca fürchtet man daher ein Komplott. Der Verdacht: STP und die Werft aus Valencia wollen gemeinsame Sache machen, um Astilleros de Mallorca von der Mole zu schubsen. In diesem Fall müsste das Unternehmen jeden Quadratmeter Nutzungsfläche und jede Serviceleistung für die jeweilige, in den seltensten Fällen vorhersehbare Auftragsdauer anmieten, was aufgrund der hohen Auftragslage der Werft ein sehr viel kostspieligeres Unterfangen wäre, als wenn man selbst Teil-Konzessionär der Werftanlage ist.

Billig ist das auch nicht. So legte die balearische Hafenbehörde bei der Ausschreibung den Konzessionsminimumbetrag für die Dauer von 50 Jahren auf 50 Millionen Euro fest. Weitere Konzessionsbedingung ist die Installation „moderner, zeitgemäßer und nachhaltiger” Serviceeinrichtungen wie beispielsweise für die Entsorgung und dem Recycling von Sonderabfällen, Lacken, Ölen und Giftstoffen, die bei der Arbeit auf der Werft anfallen.

Zu Diskrepanzen und gegenseitigen Vorwürfen zwischen STP und Astilleros führten in den vergangenen Wochen auch die jüngst bekannt gewordenen und vollkommen unterschiedlichen Management-Konzepte der beiden Hauptbewerber. Denn während STP nur regional ansässige Schiffsbau- und Refitunternehmen den Zugang zur Mole erlauben will, setzt Astilleros de Mallorca auf ein internationales Publikum. Das würde bedeuten, dass in Zukunft auch preiswerte Refit-Anbieter aus Osteuropa oder Asien gegenüber Palmas Kathedrale mit Lackpistolen und Schweißgeräten fuchteln könnten.

Ein Szenarium, das bereits den regionalen Verband kleinerer Unternehmer und Selbstständiger im Bereich Yachtwartung auf die Barrikaden steigen ließ. „Es kann ja wohl nicht sein, dass hiesige Firmen von der Werftmole verdrängt werden, um ausländischen Anbietern Platz zu schaffen”, hieß es in einem Brandbrief an die Hafenbehörde. Die reagierte wie immer, wenn es kritisch wird. Nämlich gar nicht. Sowohl bei STP als auch bei Astilleros de Mallorca vermutet man hinter dem wochenlangen Schweigen der APB eine Verzögerungstaktik, um auf weitere Bewerber für die Konzession zu spekulieren. Grund: Ent-scheidet sich die Hafenbehörde nicht in den kommenden Wochen, muss sie die Konzession neu ausschreiben. Und dieses Mal auf europäischer Ebene.

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