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Meteorologen besorgt, Touristen eher gelassen: Heiß, heißer, Mallorca

Steigender Meeresspiegel, Erderwärmung, Extremwetter: Auch Mallorca bleibt vom Klimawandel nicht verschont

Mit weiteren Hitzewellen wird gerechnet. | Ultima Hora

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Steigender Meeresspiegel, Erderwärmung, Extremwetter: Auch Mallorca bleibt vom Klimawandel nicht verschont. So gab es während der kürzlich zu Ende gegangenen Hitzewelle mehrere Temperaturrekorde. In Sa Pobla stieg das Thermometer auf 43,9 Grad. So heiß war es dort noch nie. Bei Temperaturen von mehr als 42 Grad gilt auf Mallorca Alarmstufe Rot. Bereits Anfang Juli hatte es eine erste Hitzewelle gegeben.

María José Guerrero, Delegierte der balearischen Wetterbehörde Aemet, bestätigt im MM-Gespräch: „Bisher gab es in diesem Jahrhundert lediglich alle drei Jahre eine Hitzewelle auf Mallorca. Seit 2017 gibt es pro Jahr mindestens eine.” Häufungen von Hitzewellen wie derzeit seien also eher unüblich. Laut Guerrero spricht man auf Mallorca von einer Hitzewelle, sobald in weiten Teilen der Insel mindestens drei Tage lang Temperaturen von mehr als 36 Grad erreicht werden.

Die Meteorologin findet klare Worte: „Der Klimawandel ist Realität. Die Anzahl an heißen Tagen wird zunehmen, die Hitzewellen werden länger und es wird mehr tropische und schwüle Nächte geben.” Zu Beginn des Jahrhunderts dauerten die Hitzewellen noch drei bis fünf Tage an, erklärt sie – die Klimaprognosen deuteten darauf hin, dass sie Ende des Jahrhunderts 20 bis 25 Tage anhalten werden. Auch extreme Wetterphänomene häufen sich, so Guerrero. Extremtemperaturen, sintflutartige Regenfälle, tennisballgroße Hagelkörner und auch Wirbelstürme seien keine Seltenheit mehr. Der Anstieg des Meeresspiegels ist eine weitere Folge der Klimakrise, die Mallorca schwer treffen wird. In den nächsten Jahrzehnten wird das unter anderem für einen Rückgang der Strände sorgen.

Dass der Klimawandel Auswirkungen auf den Mallorca-Tourismus haben wird, bestätigt Wolfgang Günther, deutscher Tourismusforscher und Themenleiter Nachhaltigkeit im Tourismus am Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT). Derzeit sei noch kein Rückgang der Touristen in Mittelmeergebieten zu befürchten „Die Gäste sind genügsam. Das bedeutet: Es gibt also nicht direkt ab 2024 weniger Touristen, sondern das fängt eher langsam an zu bröckeln.” Ein weiteres Problem sind laut Günther die wegen des Klimawandels steigenden Treibstoffpreise, die zu teureren Flugtickets führen. Bereits jetzt könnten sich viele aus unteren Einkommensschichten die Flüge nicht mehr leisten: Die Kluft zwischen Arm und Reich werde somit immer größer. Auch wenn dem Tourismusexperten zufolge die Menschen als letztes beim Reisen sparen, werden es sich dann einige doch nochmal überlegen, sollten die Preise weiter in die Höhe schießen. Eine weitere mögliche Auswirkung der Klimakrise und den damit verbundenen hohen Temperaturen sei, dass die Touristen in Mittelmeerländern in der Zukunft auf die Nebensaison ausweichen könnten. Experte Günther erklärt: „Es kann gut sein, dass die Urlauber eher im Herbst oder Winter ans Mittelmeer fahren und dafür im Sommer in Deutschland bleiben oder nach Holland fahren.”

Dass die zunehmenden Temperaturen und Hitzewellen Folgen für den Tourismus haben, glaubt auch Dr. Pau De Vilchez Moragues. Er ist unter anderem stellvertretender Direktor des interdisziplinären Expertengremiums für Klimawandel an der Universität der Balearen. Die Konsequenz der Hitzewellen wird eine saisonale und geografische Verschiebung der Touristenströme sein, wie er kürzlich als Co-Autor in einer Studie darlegte. Das bedeutet, dass Touristen eher kühlere Regionen aufsuchen werden.

Diese Aussagen decken sich mit denen des Tourismusexperten Günther. Dieser ist überzeugt, dass der Umschwung nicht über Nacht stattfinden wird. „Wenn es jetzt allerdings nicht mehr angenehm ist und es den Akteuren vor Ort, wie zum Beispiel den Hotels, nicht mehr gelingt, dass sich die Leute wohlfühlen, dann ist es angebracht, Befürchtungen zu haben.” Er erklärt, dass die Verlagerung der Angebote in die Morgen- und Abendstunden wichtig sei, da es dann für alle angenehmer ist. „Touristen sollten nicht aushalten müssen, dass es heiß ist. Viele Urlauber bleiben daher eher in ihren klimatisierten Zimmern.”

Extremtemperaturen gibt es derzeit jedoch nicht nur in Spanien, sondern auch in vielen weiteren Ländern wie Griechenland oder Italien. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) twitterte erst kürzlich im Italien-Urlaub, dass er aufgrund des Klimawandels das Land in der Zukunft nicht mehr als Reisedestination sehe. Er schrieb: „Die Hitzewelle ist spektakulär hier. Wenn es so weiter geht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft haben. Der Klimawandel zerstört den Süden Europas. Eine Ära geht zu Ende.”

Ganz so drastisch sehen das die Touristinnen Denise Wachsmuth und Emmily Kappei aus Braunschweig nicht. Sie genießen derzeit ihre Zeit auf der Insel und halten sich an der Playa de Palma in einem Hotel auf. „Wir kommen trotzdem immer wieder gerne, selbst bei noch höheren Temperaturen. Das Meer kühlt einen ja zum Glück ab. Die Hitze macht uns nichts aus, das ist noch aushaltbar.”

Die beiden Urlauberinnen Elisabeth Ninaus und Monika Fuchs sind aus der Steiermark in Österreich angereist und bemerken einen deutlichen Unterschied in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit: „Die Hitze beziehungsweise die hohen Temperaturen sind an sich noch erträglich aber die Schwüle macht uns zu schaffen. Die Luftfeuchtigkeit hier ist schon anders. Wiederkommen würden wir aber trotzdem.”

Familie Lilie stammt aus Dalldorf bei Hamburg und sagt: „Ja, der Gesundheitsminister hatte ja jetzt auch etwas dazu geschrieben – aber wir würden trotzdem weiterhin nach Mallorca kommen. Die Klimaanlage im Hotel hilft definitiv dabei, es erträglicher zu machen. Und wir haben immer Fächer dabei.”

Dass die Extremtemperaturen auch gesundheitliche Folgen für die Menschen haben, gibt Klimaforscher Daniel Argüeso zu bedenken. Er arbeitet an der Universität der Balearen und hat sich auf die Auswirkungen von Klimaextremen spezialisiert. Im MM-Gespräch erklärt er, dass besonders hohe Temperaturen in der Nacht verhindern, dass sich der Körper von dem tagsüber erlittenen Hitzestress erholen kann. Laut Argüeso beeinflusst das die Erholung und Produktivität der Menschen: Besonders Leute mit Vorerkrankungen seien hiervon betroffen.

Für etwas Abkühlung sorgte auf Mallorca in den vergangenen Tagen nach dem Ende der zweiten Hitzewelle des Jahres ein vorübergehender Temperatursturz. Während am Montag stellenweise noch 37 Grad erreicht wurden, lagen am Dienstag die Höchstwerte laut der Meteorologin Guerrero um bis zu acht Grad unter jenen des Vortages.

Doch die kühle Verschnaufpause soll nicht lange andauern: Ab Donnerstag, 27. Juli, rechnen die Meteorologen wieder mit leicht ansteigenden Tageshöchstwerten. Nach Guerreros Angaben deuten die Prognosen darauf hin, dass es im August und September wärmer als normal sein wird. Die durchschnittlichen sommerlichen Höchstwerte betragen auf Mallorca 28 bis 31 Grad. Unklar sei noch, ob es eine dritte Hitzewelle auf der Insel geben wird.

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