Mit einer überraschenden Aussage wartete die ehemalige konservative Spitzenpolitikerin Pilar Bonet vor Gericht auf Mallorca auf: Die ehemalige Inselratsdezernentin der Volkspartei PP gab an, unter einer schweren Kaufsucht zu leiden. Bonet leitete bis Februar 2024 das Dezernat für Finanzen, aus "persönlichen Gründen" trat sie dann vom Amt zurück. Damit reagierte sie auf Vorwürfe, während ihrer Tätigkeit als Controllerin beim Touristikunternehmen Globalia schätzungsweise 2,7 Millionen Euro veruntreut zu haben.
Bonet erklärte am Donnerstag vor dem zuständigen Gericht in Palma, dass sie sich in psychiatrischer Behandlung befinde und regelmäßig die Suchthilfeeinrichtung Projecte Home aufsuche. Laut ihrer Aussage hätten Persönlichkeitsstörungen sie zu täglichen Zwangskäufen getrieben. Die Beschuldigte legte zudem eine Liste von Personen vor, denen sie Geschenke wie Markenhandtaschen und Modeaccessoires gemacht haben will.
Bei einer früheren Anhörung im April hatte Bonet zu den Vorwürfen noch geschwiegen und lediglich behauptet, Opfer einer politischen Verfolgung zu sein. Am Donnerstag folgte nun der große Strategiewechsel. Ihre Verteidigung, geführt von Anwalt Antonio Martínez, reichte medizinische Unterlagen ein, die ihre psychischen Störungen belegen und möglicherweise ihre strafrechtliche Verantwortung mindern könnten. Darüber berichtet zunächst die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".
Die Ermittlungen gegen Bonet waren eingeleitet worden, nachdem Globalia Unregelmäßigkeiten in den Büchern entdeckt hatte. Eine anschließende Prüfung ergab, dass über mehrere Jahre hinweg ein Millionenbetrag abgezweigt worden war. Laut Strafanzeige sollen die mutmaßlichen Straftaten bis ins Jahr 2011 zurückreichen.
Der Politikerin werden Veruntreuung, Betrug, untreue Geschäftsführung sowie Fälschung von Geschäfts- und Privatdokumenten vorgeworfen. Bonet war über 25 Jahre bei Globalia tätig und wechselte später in die Politik, zunächst als Stadträtin in Llucmajor und anschließend als Mitglied des Inselrats von Mallorca.