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Lebensgefährliche Mutproben: Die Felsen an der Ostküste werden immer häufiger zur Falle

Immer mehr Urlauber springen trotz Verboten von den steilen Klippen an der Ostküste ins Meer – mit oft verheerenden Folgen. Experten schlagen Alarm über ein falsches Sicherheitsgefühl in den idyllischen Buchten

Kann tödlich enden: Klippensprung ins Meer auf Mallorca | Foto: Archiv UH

Mallorca |

Die Badebuchten im Osten von Mallorca gelten als Postkartenidylle – türkisfarbenes Wasser, von steilen Felsen eingerahmt. Doch genau diese Felsen werden in diesem Sommer zur Falle: Über zwei Dutzend Urlauber verletzten sich seit Saisonbeginn schwer bei waghalsigen Sprüngen von Klippen ins Meer, zwei davon erlagen ihren Verletzungen. Trotz Verbotsschildern und Warnungen lassen sich vor allem junge Touristen vom Nervenkitzel – und von der Aussicht auf spektakuläre Videos für soziale Netzwerke – zu riskanten Stunts verleiten.

Falsche Sicherheit in idyllischer Kulisse

Rettungskräfte berichten von immer neuen Einsätzen an schwer zugänglichen Küstenabschnitten. "Die größte Gefahr liegt nicht auf dem Meeresgrund, sondern beim Aufprall auf die Wasseroberfläche, die aus einigen Metern Höhe wie Asphalt wirkt", warnt Javier Server vom Roten Kreuz. Knochenbrüche, Schulterverletzungen und Schäden an inneren Organen gehören zu den häufigsten Folgen. Besonders dramatisch: Ein Sprung aus zehn Metern Höhe kann Kräfte entfalten, die fast dem Zehnfachen des Körpergewichts entsprechen.

Das Problem: Während Bergregionen traditionell mit Vorsicht und Respekt betreten werden, vermittelt die malerische Küstenlandschaft nach Einschätzung von Experten eine trügerische Sicherheit. Urlauber unterschätzen die Gefahr – auch weil die Sprünge häufig von Einheimischen oder erfahrenen Sportlern vorgemacht werden. Rettungsschwimmer warnen zudem ausdrücklich vor Kopfsprüngen: Die riskanteste Verletzung sei die an der Halswirbelsäule – oft mit lebenslangen Folgen.

Instagram statt Instinkt

Das typische Profil der Verunglückten: junge Erwachsene zwischen 16 und 30 Jahren, viele aus dem Ausland, oft mit Alkohol oder Drogen im Blut. "Das Bedürfnis, sich mit spektakulären Videos im Netz zu präsentieren, führt zu immer riskanterem Verhalten", erklärt Psychologin María Fernández. "Gruppendruck und der Traum von Likes auf TikTok und Instagram haben längst die Vernunft verdrängt."

Die Zahlen sprechen für sich: In Spanien werden jedes Jahr mehr als 400 schwere Unfälle durch Sprünge aus großer Höhe registriert – 15 Prozent davon enden mit bleibenden Schäden oder dem Tod. Rund zwei Drittel aller Vorfälle ereignen sich an der Mittelmeerküste, ein Hotspot ist dabei Mallorcas zerklüftete Ostküste.

Strafen, Kameras, Aufklärung

Die Behörden reagieren inzwischen härter: Wer gegen das Sprungverbot verstößt, riskiert Geldstrafen bis zu 3000 Euro. In einigen Küstengemeinden sind Kameras installiert, zusätzlich patrouilliert mehr Polizei. Parallel setzt das Rote Kreuz auf Aufklärung – mit Slogans wie "Mit Köpfchen statt kopfüber" und Kampagnen, die Urlauber an Stränden und über Social Media erreichen sollen.

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