Lucas Froese stellt sich als genau der Richtige für einen geführten Rundgang durch Felanitx heraus. Der 34-Jährige, als Kind mit seiner Familie aus Deutschland nach Mallorca ausgewandert und in dem Dorf im Südosten der Insel aufgewachsen, wird bei dem Termin mit MM häufig von Passanten gegrüßt und angesprochen. Die teils biografisch gefärbten Ausführungen Froeses über den Ort lassen Felanitx zugänglich kennenlernen.
„Das Zusammenleben in Felanitx ist sehr familiär. Jeder kennt jeden. Ich fühle mich hier zu Hause”, sagt Froese, der außerdem mehrmals erwähnt, zu bestimmten Menschen in dem Ort eine Verbindung zu haben. Der Fischhandel in der Markthalle wird zum Beispiel von einem Schulfreund von Froeses Bruder geführt, dem Vater eines Freundes von Froese gehört das Tierfuttergeschäft auf dem Weg zum Sportplatz und der Leiter eines örtlichen Versicherungsbüros war früher sein Tennislehrer.
Auch zur Bar Ca n’Usola an der zentralen Plaça d’Espanya hat Froese ein persönliches Verhältnis: „Als meine Mutter hier saß und die katalanischen Zettel von Elternsprechtagen nicht verstand, bot ihr die Besitzerin Magdalena Hilfe an. Seitdem haben wir sehr gute Beziehungen mit der Familie.” Das Ca n’Usola sei wie ein schwarzes Brett und habe sich auch nach seiner Renovierung die Essenz bewahrt. In dem urigen Lokal gebe es authentische Hausmannskost und sehr gute Tapas, so Froese.
Vor der Kirche Sant Miquel mit ihrer breiten Treppe am Brunnen von Santa Margalida erklärt Froese: „Einer Legende zufolge kratzte während einer Wassernot ein Pferd mit dem Huf an der Stelle, wo später die Quelle gefunden wurde. Deswegen ist der Treppenabgang hufeisenförmig. Es war der Tag der heiligen Margalida, die aus diesem Grund zur Schutzheiligen von Felanitx ernannt wurde.” Auf dem gleichnamigen Platz findet jedes Jahr zu Ostern ein großes Theaterstück statt. „In der anliegenden Apotheke arbeitete früher meine Freundin und wir durften das Spektakel aus dem Obergeschoss verfolgen”, erinnert sich der Einheimische.
Auch Julio Iglesias war hier
Froese, der als Immobilienmakler arbeitet, zeigt MM ein Bauprojekt, bei dem ein Haus um eine alte Mühle neu aufgebaut wird. „Felanitx hat das Potenzial, so etwas zu machen.” Dennoch: Während Wohnungen gebraucht würden, so Froese, sei die Finanzierung für junge Menschen schwierig, gleichzeitig aber gebe es „sehr viel Leerstand”. Grundsätzlich habe sich der lokale Markt aber sehr entwickelt, die Verkaufszahlen seien innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen.
Im kommunalen Park Sa Torre im Nordosten von Felanitx denkt Lucas Froese an seine Kindheit zurück: „Es gab damals einen großen Baum, an dem wir uns immer getroffen haben, um Pläne zu schmieden.” Am Vormittag des MM -Besuchs erkennt Froese das Exemplar auf dem Gelände wieder, wo früher „einige der bedeutendsten Sommerfeste Mallorcas” stattfanden. Bekannte Künstler wie Julio Iglesias seien vor mehreren Jahren aufgetreten, so Froese, die sogar Besucher vom spanischen Festland angezogen hätten. Zu dem Park gehören ein Spielplatz und ein Fußballfeld.
Auf dem Weg zur Sportanlage am Westrand von Felanitx erzählt Froese, wie er als 14-Jähriger mit seinen Freunden auf ihren Motorrollern zum Turnunterricht gefahren ist: „Wenn wir davor inklusive der Schulpause noch 20 Minuten Zeit hatten, hingen wir immer vor dem Supermarkt herum.” Der Komplex umfasst heute eine Leichtathletik-Bahn, ein Basketball- sowie ein Fußballfeld, Tennis- sowie Padelplätze. Daneben können Mitglieder ein Schwimmbad nutzen. Ein Fitnessstudio, ein Sauna-Bereich sowie eine Calisthenics-Zone runden das Angebot ab.
Im zurückliegenden Jahr führte das Rathaus von Felanitx eine Online-Umfrage unter den rund 10.000 Bürgern nach möglichen Verbesserungen in dem Dorf durch. „Ich habe das Gefühl, dass viele dieser Dinge umgesetzt werden”, so Froese. Aktuell entsteht ein Krankenhaus im Ort. Vor wenigen Tagen legte Balearen-Präsidentin Marga Prohens außerdem den Grundstein für eine neue Schule. „Wenn ein Dorf wächst, muss man weise Entscheidungen treffen”, findet Froese, „und hier geht es in eine gute Richtung.”