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KATASTERZAHLEN

Wohnungsmisere auf Mallorca: Ausländischer Besitz heizt die Krise weiter an

In manchen Gemeinden der Insel ist fast die Hälfte des Wohnungsbestand in Hand von Nichtspaniern. Eine Expertin fordert kooperative Modelle von Staat und Privatinvestoren.

Bezahlbarer Wohnraum auf Mallorca und ganz speziell in Palma wird zunehmend knapp | Foto: Ultima Hora

| Palma, Mallorca |

Der Wohnungsmarkt auf Mallorca gerät zunehmend unter Druck, auch von außerhalb. In mehreren Gemeinden der Insel befindet sich mittlerweile ein hoher Anteil der Immobilien in ausländischer Hand. Nach aktuellen Daten des spanischen Katasters gehören in einigen Orten mehr als 40 Prozent des Wohnungsbestands Eigentümern ohne spanische Staatsangehörigkeit – mit erheblichen Folgen für Preise und Verfügbarkeit.

Besonders betroffen ist der Südwesten der Insel. In Andratx befinden sich demnach rund 45 Prozent aller Wohnungen und Häuser in ausländischem Besitz, in Deià sind es gut 44 Prozent. Auch in Calvià, einer der größten Gemeinden Mallorcas, liegt der Anteil mit mehr als 42 Prozent auf sehr hohem Niveau. Weitere Orte wie Fornalutx, Capdepera und Santanyí überschreiten nach offiziellen Zahlen ebenfalls deutlich die Marke von einem Drittel. Insgesamt besitzen Ausländer auf den Balearen rund 92.000 Wohnungen, was einem Anteil von gut 16 Prozent entspricht – mehr als im spanischen Durchschnitt.

Die Entwicklung ist allerdings kein rein mallorquinisches Phänomen. Auch auf Ibiza und Formentera ist der Anteil ausländischer Eigentümer hoch. Auf Ibiza befinden sich knapp 19 Prozent der Wohnungen in ausländischer Hand, in einzelnen Gemeinden sogar rund jede vierte. Mallorca gilt aufgrund seiner Attraktivität und guten Anbindung als besonders exponiert.

Rechtlich sind den Behörden enge Grenzen gesetzt. Der balearische Vize-Regierungschef Antoni Costa (Volkspartei, PP) sagte jüngst, ein Verbot von Immobilienkäufen durch Ausländer sei innerhalb der Europäischen Union "nicht möglich". Stattdessen wolle man Einheimische bevorzugen, etwa indem beim Zugang zu öffentlich gefördertem Wohnraum Mindestaufenthaltszeiten auf den Inseln festgelegt werden.

Die Ursachen der Wohnungsnot reichen jedoch weit über die Nachfrage aus dem Ausland hinaus. Darauf verweist die Ökonomin Montserrat Pareja-Eastaway, Präsidentin der European Network for Housing Research. Die Balearen litten wie viele Regionen Europas unter einem generellen Problem der Bezahlbarkeit, das durch Insellage, Tourismus und begrenztes Bauland verschärft werde. Haushalte müssten häufig deutlich mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aufbringen; rechnerisch seien auf den Balearen rund 19 Jahresgehälter nötig, um eine Wohnung zu kaufen.

Pareja-Eastaway sieht den Staat in der Verantwortung, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. Öffentliche Mittel seien begrenzt, deshalb brauche es "neue, kooperative Modelle unter Einbeziehung privater und gemeinnütziger Akteure". Kritisch bewertet sie zudem, dass öffentliche geförderte Wohnungen vielfach ihre Preisbindung verloren hätten. Dadurch sei "dauerhaft bezahlbarer Wohnraum verloren gegangen" – ein Versäumnis, dessen Folgen auf Mallorca heute besonders deutlich zu spüren seien.

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