Folgen Sie uns F Y T I R

Erfundene Mietangebote online inseriert: Immobilien-Betrügerin vor Mallorca-Gericht

Eine vorbestrafte Frau soll in Palma gezielt Menschen in Not getäuscht haben – die Staatsanwaltschaft fordert nun fünf Jahre Haft

Die Wohnungsnot in Palma und anderen Orten auf Mallorca ruft immer mehr Betrüger auf den Plan. (Symbolbild) | Foto: Ultima Hora

| Palma, Mallorca |

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen schweren Betrugs eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten für eine 60 Jahre alte Frau aus Palma de Mallorca. Sie soll Anfang 2025 über Online-Immobilienportale Wohnungen zur Miete angeboten haben, die entweder nicht existierten oder nicht in ihrem Besitz waren. Mehrere Betroffene zahlten daraufhin Kautionen und Reservierungsgebühren, ohne jemals eine Wohnung zu erhalten. Nach Einschätzung der Anklage nutzte die Frau gezielt die angespannte Wohnungsmarktlage auf der Insel aus, um sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen.

Scheinbare Seriosität als Masche

Um Vertrauen zu schaffen, lud die Angeklagte die Interessenten nach Angaben der Staatsanwaltschaft in ein Schreibwarengeschäft ein, in dem sie angeblich arbeitete. Dort nahm sie Bargeld oder Überweisungen entgegen und stellte unterschriebene Quittungen aus. Auf diese Weise habe sie den Eindruck eines legalen Mietgeschäfts erweckt, heißt es in der Anklageschrift. Die betrügerischen Anzeigen waren währenddessen weiterhin auf digitalen Plattformen abrufbar.

Besonders schwer wiegt aus Sicht der Anklage der Fall einer Migrantin, einer Witwe mit geringem Einkommen und einem minderjährigen Kind. Die Frau zahlte der Angeklagten zunächst 1600 Euro – erst als Reservierungsgebühr, später als angebliche Miete. Bei einem weiteren Treffen legte die Beschuldigte sogar einen vermeintlichen Mietvertrag vor. Später bot sie der Geschädigten an, die Wohnung zu außergewöhnlich günstigen Konditionen zu kaufen, gegen eine Anzahlung von 5000 Euro. In Chatnachrichten, die Teil der Anklage sind, schilderte das Opfer seine Verzweiflung und finanzielle Notlage.

Weitere Opfer und Vorstrafen

Der Betrug flog auf, als die Witwe im Internet recherchierte und feststellte, dass die verwendeten Fotos zu einer Wohnung im andalusischen Córdoba gehörten. Ein weiterer Fall ereignete sich ebenfalls am 11. Januar 2025: Ein Paar überwies 800 Euro als Reservierungsgebühr für eine angebliche Mietwohnung in der Calle 31 de Diciembre in Palma. Misstrauisch wurden die Betroffenen, weil die Anzeige trotz Zahlung weiter online blieb und die Bilder nicht zum Gebäude passten. Der tatsächliche Mieter bestätigte ihnen später, dass bereits andere Personen wegen desselben Angebots nachgefragt hatten.

Ermittlungen ergaben zudem, dass die Angeklagte keinerlei Immobilieneigentum in Palma besitzt. Insgesamt wurden laut Staatsanwaltschaft fünf Menschen geschädigt. Die Frau ist bereits wegen zweier Betrugsdelikte in den Jahren 2021 und 2022 vorbestraft, wobei die damaligen Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt worden waren. Nach den aktuellen Anzeigen kam sie in Untersuchungshaft.

Neben der Haftstrafe fordert die Staatsanwaltschaft, dass die Angeklagte den Opfern insgesamt 2400 Euro Schadenersatz zahlt. Eine für vergangenen Montag (12.1.) angesetzte Vorverhandlung vor dem Landgericht Palma endete ohne Einigung. Ein Termin für den Hauptprozess steht noch aus.

Zum Thema
Meistgelesen