Trotz optischer Aufwertung und diversen verkehrspolitischen Maßnahmen kommt Palma de Mallorcas Flaniermeile Paseo de Marítimo nicht zur Ruhe. Und zwar sprichwörtlich. Nur wenige Wochen nach der offiziellen Einweihung der umfassenden Umgestaltung flammt die Debatte über Sinn und Folgen des Projekts erneut auf – befeuert durch gegensätzliche Bewertungen von Anwohnern, Unternehmern und nun auch eines Bürgers, der sich direkt an König Felipe VI. gewandt hat.
Während Geschäftsleute entlang der Promenade über teils drastische Umsatzeinbußen klagen und diese vor allem auf den Wegfall von Parkplätzen zurückführen, widerspricht der Anwohnerverband Asociación de Vecinos del Paseo Marítimo dieser Darstellung entschieden. Nach dessen Ansicht liegt die Ursache der wirtschaftlichen Abwärtstrends nicht in der Verkehrspolitik, sondern im "bisherigen Geschäftsmodell".
Das Angebot aus Minimärkten, Kebab-Läden und stark auf nächtlichen Konsum ausgerichteten Lokalen habe die Nachfrage nicht nachhaltig belebt. "Der Ursprung des Problems liegt nicht in der Zahl der Parkplätze, sondern in der Art des angebotenen Produkts", zitiert die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" sinngemäß aus einer Stellungnahme der Anwohner.
Zugleich warnen diese vor "überstürzten Lösungsansätzen bei der Infrastruktur". Unterirdische Parkhäuser oder "improvisierte Maßnahmen" lehne man ab, solange keine fundierten Studien, institutioneller Konsens und ein langfristiges Konzept vorlägen. Positiv bewerten sie hingegen Schritte wie neue Buslinien der Stadt Palma sowie Pläne der Hafenbehörde Autoritat Portuària de Balears (APB) für einen maritimen Shuttlebus. Die Anwohner regen eine grundsätzliche Debatte über Nutzung, Angebotsvielfalt, Öffnungszeiten und die soziale wie kulturelle Ausrichtung der Promenade an.
Gleichzeitig wird auf die lange Vorgeschichte der Flaniermeile verwiesen. Jahrzehntelang habe der Paseo Marítimo unter "Vernachlässigung und fehlenden Investitionen" gelitten, argumentiert der Anwohnerverband. Die nun abgeschlossene Umgestaltung bedeute eine klare städtebauliche Aufwertung und markiere das Ende einer "Phase des Niedergangs".
Konträr dazu positioniert sich der Palmesaner Albert Ricart Roca, der in einem Brief an König Felipe VI. um Unterstützung für eine Rückkehr zum Zustand vor dem Umbau bittet. Die baulichen Eingriffe hätten einen "zentralen sozialen und kulturellen Raum der Stadt massiv verändert" und viele bisherige Nutzungsmöglichkeiten beseitigt. Ricart regt eine Bürgerbefragung an, um die Bevölkerung über eine mögliche Rückabwicklung entscheiden zu lassen.