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Explodierende Mieten und fehlende Parkplätze: Diese Kult-Feiermeile auf Mallorca stirbt aus

Das Nachtleben an der Hafenpromenade leidet extrem, meinen ortsansässigen Gastronomen. Einige von ihnen seien gar schon insolvent

Totentanz am Paseo Marítimo in Palma de Mallorca | Foto: Miquel Àngel Cañellas

| | Palma, Mallorca | |

Drei Jahre lang ist sie aufwändig umgestaltet, erneuert und erst vor Kurzem wiedereröffnet worden, schon legt sich ein dunkler Schatten über die neue Hafenpromenade in Palma de Mallorca. Weil die Ladenmieten weiterhin explodieren und durch die Baumaßnahmen viele Parkflächen weggefallen sind, sterbe nun das Nachtleben vor Ort langsam aber sicher aus. Das berichten ortsansässige Gastronomen im Gespräch mit der MM-Schwesterzeitung Ultima Hora. Wie es vor Ort nach rund drei Jahren Bausstelle aussieht, können Sie hier nachlesen.

„Was nützt uns eine schön gestaltete Hafenpromenade, wenn sie am Ende leer bleibt?“, fragt Valerio Petrillo. Er ist Inhaber der Gruppe Palma Emotions World mit Lokalen wie Made in Brasil und Quentins American Bar sowie zwei weiteren Betrieben in Santa Catalina. Früher betrieb er auch ein Restaurant am Paseo Marítimo, Best Pizza Palma, musste dieses jedoch wegen des drastischen Rückgangs der Kundschaft schließen. Erst am Anfang dieser Woche war zudem bekannt geworden, dass eine weitere Kult-Bar direkt am Hafen bereits geschlossen ist, ihr war die Zulassung entzogen worden.

Viele Insolvenzverfahren

„Viele Unternehmer hier befinden sich im Insolvenzverfahren“, räumt Petrillo ein. Die Corona-Jahre in Kombination mit den dreijährigen Bauarbeiten hätten der Branche schwer zugesetzt. Und obwohl der neue Paseo Marítimo in Palma de Mallorca inzwischen eröffnet sei, komme das Geschäft nicht wirklich in Gang, erklärt der Unternehmer, der auch Vorstandsmitglied des balearischen Verbandes für Nachtleben (ABONE) ist.

Auch wenn der Gastronom versucht, optimistisch zu bleiben, bezeichnet er die Schließung der Luxus-Diskothek Lío als “schweren Schlag”. Der Paseo hat sich über die Jahre verändert, es gibt keine Parkplätze, und das Nachtleben verlagert sich ins Trendviertel Santa Catalina und in die um die Hauptstadt liegenden Industriegebiete wie etwa Son Castelló – eine Folge der jahrelangen Bauarbeiten.

Früher beliebte Feiermeile

An der einst so beliebten Hafenpromenade von Palma de Mallorca seien die Ladenmieten mittlerweile kaum bezahlbar – und das, obwohl die Umsätze eingebrochen sind, berichtet Valerio Petrillo. „Vielleicht stellt man von Bars auf Cafés um, weil sich die Gewohnheiten ändern, aber dann macht man höchstens 300 Euro Umsatz. Und im Sommer kommt wegen der Hitze kaum jemand. Trotzdem steigen die Mieten weiter – das ist einfach nicht nachvollziehbar.“

All diese Probleme bestätigt auch der Geschäftsführer von CAEB Restauración, Tomeu Mas. Er weist darauf hin, dass nun viele Mietverträge erneuert werden, die vor zehn Jahren abgeschlossen wurden: „Die Preise werden sich verdoppeln. Die ganze unternehmerische Leistung geht inzwischen für Miete drauf, und die Gewinnmargen sind extrem geschrumpft.“

Mit ausreichend Parkplätzen und deutlich niedrigeren Mieten haben sich die Industriegebiete rund um Palma de Mallorca zu einem neuen Hotspot für Gastronomie und Nachtleben entwickelt. Da es sich um Nicht-Wohngebiete handelt, ist es dort einfacher, Lizenzen für Musikbars oder Diskotheken zu bekommen. Restaurants finden dort günstigere Lokale, die ihnen etwas Luft zum Atmen verschaffen, erklärt Mas. Hinzu komme die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung, die einer ohnehin stark angeschlagenen Branche zusätzlich zusetzt.

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