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Apokalyptische Zukunftsprognose: So sieht Mallorca mit 1,5 Millionen Einwohnern, Verkehrschaos und Wohnungsmisere aus

Gewarnt wird vor einer Insel am Limit: mehr Bevölkerung, mehr Traffic, mehr Armut – und keine politische Antwort auf die Eskalation

So verheerend wie auf diesem von KI erstelltem Foto wird Palma de Mallorca in Zukunft nicht aussehen. Dennoch stehen der Insel düstere Zeiten bevor, glaubt man den Prognosen des regionalen Forums der Zivilgesellschaft | Foto: KI / Google Gemini

| | Mallorca |

Es beginnt nicht mit Sirenen, sondern mit Stillstand. Mit Fahrzeugkolonnen, die sich jeden Morgen in Zeitlupe bewegen. Mit Wohnungssuchen, die ins Leere laufen. Und mit Zahlen, die wie eine kalte Dusche wirken. Mallorca steuert auf eine Zukunft mit 1,5 Millionen Einwohnern zu – und auf einen sommerlichen Bevölkerungsdruck von bis zu zwei Millionen Menschen gleichzeitig. Das ist keine zugespitzte Meinung, sondern die zentrale Warnung des Indikatorenberichts 2025 des Forums der Zivilgesellschaft.

Der notwendige Übergang zu einem ausgewogeneren, gerechteren und nachhaltigeren Modell findet praktisch nicht statt“, sagt Jaume Garau, einer der Autoren des Berichts. Selbst einschneidende Krisen hätten nichts verändert: „Wir hatten mit Covid eine Ausnahmesituation – doch das bestehende Modell hat sich erholt und wächst weiter.“ Die Insel, so die Diagnose, habe aus dem Stillstand nichts gelernt.

Bereits heute gehört Mallorca zu den am stärksten belasteten Regionen europaweit. 29 Touristen pro Einwohner wurden 2024 gezählt – ein Verhältnis, das global kaum übertroffen wird. Bis 2050 rechnen die Autoren mit 56 Millionen Passagieren im Luft- und Seeverkehr. „Es wird viel über Ökosteuer, Nachhaltigkeit und Eindämmung gesprochen, sagt Garau, aber diese Debatten treffen nicht den Kern des Problems – und es gibt keinen politischen Konsens.“

Wohnraum unbezahlbar, Alltag im Dauerstau

Besonders drastisch zeige sich die Entwicklung beim Wohnen. Auf den Balearen müssen Haushalte im Schnitt 56,4 Prozent ihres Einkommens für Hypothekenzahlungen aufbringen – 24 Prozent mehr als im spanischen Durchschnitt. Sieben Prozent der Haushalte leben in extremer Armut, bei Familien mit Kindern sind es sogar über acht Prozent. Der Bericht beschreibt eine Gesellschaft, in der Arbeit nicht mehr vor Verdrängung schützt.

Gleichzeitig ersticke die Insel, so der Bericht, im Verkehr. Zwar ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gestiegen, begünstigt durch Kostenfreiheit und erneuerbare Energien. Doch das Auto bleibt dominant. Die Folge: Mallorca liegt landesweit auf Platz zwei bei Zeitverlusten durch Staus. Im Schnitt verlieren die Menschen 17 Minuten täglich auf nur zehn Kilometern. Eine Zahl, die mehr ist als Statistik – sie steht für eine Insel, die sich selbst im Wege steht.

Ressourcenverbrauch steigt – trotz Warnsignalen

Der Wasserverbrauch wächst weiter, obwohl weniger Wasser verfügbar ist. Das Abfallaufkommen steigt. Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt voran – aber zu langsam. Effizienzgewinne werden vom Wachstum sofort neutralisiert. Nachhaltigkeit existiert auf dem Papier, nicht im Ergebnis.

Auch wirtschaftlich bleibe Mallorca nach Ansicht des Forums gefährlich einseitig aufgestellt. 70 Prozent der Unternehmen sind im Dienstleistungs- und Gastgewerbe tätig. Andere Sektoren haben kaum Gewicht. Besonders alarmierend ist die Lage der Landwirtschaft. „Es gibt bereits Landwirte, die ihre Flächen lieber für Photovoltaikparks verpachten, statt sie weiter zu bewirtschaften“, sagt Lluïsa Dubon. Obwohl Alternativen auf Industrie- oder Stadtflächen existierten. Landwirtschaft verliere nicht nur wirtschaftlich an Bedeutung: „Sie ist zentral für Landschaft, Brandschutz und ökologische Stabilität – wird aber zunehmend wie ein Hobby behandelt.“

Eine Insel ohne Korrekturmechanismus

Über allem steht die Unsicherheit des Klimawandels. Wie er sich auf die wirtschaftliche Basis der Insel auswirkt, ist offen. Sicher ist für Garau nur eines: „Wenn es keinen Übergang zu einem anderen Modell gibt, wird unsere Gesellschaft überfüllter, angespannter und fragmentierter sein.“ Mehr Konflikte, mehr Umweltprobleme, mehr soziale Brüche.

Mallorca bewegt sich Richtung 2050 wie ein Zug ohne Bremse. Die Warnungen liegen auf dem Tisch, die Zahlen sind bekannt. Doch echte Korrekturen bleiben aus. Die Überbevölkerung ist keine ferne Bedrohung mehr – sie ist ein Prozess, der längst läuft. Und der das Gesicht der Insel unwiderruflich verändern wird.

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