Auf Mallorca haben sich Bewohner von Sozialwohnungen über massive Mängel in den Immobilien beschwert. Stellenweise seien die Fehler schon vor zwei Jahren bei der zuständigen Behörde gemeldet worden, doch nichts sei passiert. Dabei sprechen die Betroffenen von Baufehlern, experimentellen architektonischen Konzepten und grundlegenden Mängel in den Wohnungen. Der Zustand der Gebäude in Palma de Mallorca sowie im Süden der Insel sei so schlecht, dass rund die Hälfte der Menschen gar nicht erst ein- oder bald wieder ausziehe.
„Wir bitten Sie inständig, endlich etwas zu unternehmen! Wir wollen menschenwürdige Wohnungen – mit Ruhe und Lebensqualität.“ So fordert eine Bewohnerin einer Sozialwohnung, die in Palma de Mallorca kurz vor dem Ende der vergangenen Legislaturperiode übergeben wurde, Lösungen ein. In ihrem Schreiben listet sie sämtliche fortbestehenden Mängel auf: Wände, die Staub absondern und „gesundheitliche Probleme“ verursachen; Böden, die „überall Risse bekommen“ und aus einer „sandigen Schicht bestehen, die sich auflöst“; Arbeitsplatten, die so „rissig sind, dass sie irgendwann in zwei Teile brechen werden“; sowie Türen und Fenster, die „nicht schließen“. Diese grundlegenden Probleme – mangelhafte Wand- und Bodenoberflächen, Undichtigkeiten sowie Feuchtigkeitsschäden – treten immer wieder auf.
"So kann man nicht leben"
„Seit zwei Jahren leben wir in einer sehr unangenehmen und beklagenswerten Situation. Man kann nicht barfuß über den Boden gehen, die Wände verursachen Verletzungen, die Wandoberflächen sind eigentlich für den Außenbereich gedacht. Wir leben in Wohnungen, deren Qualität sehr zu wünschen übrig lässt; der Boden besteht aus Terrassenfliesen und verursacht Unbehagen bei den Bewohnern“, schreibt sie weiter an die zuständige Behörde und schließt: „So kann man nicht leben. Seit zwei Jahren leben wir mit Beschwerden, und so wollen wir nicht weitermachen. Wir zahlen Miete und erwarten Verbesserungen. Ich hoffe, Sie können sich hineinversetzen und sich fragen: Würden Sie in einer Wohnung leben wollen, in der alles, was gebaut wurde, Schmerzen und Unwohlsein verursacht?“
Wohnbauprojekte mit experimentellen Designs, die jedoch in vielen Fällen ihre eigentlichen Adressaten – Menschen, die Zugang zu sozialem Wohnraum erhalten haben – nicht überzeugen. Manche verzichten sogar auf die Wohnungen, noch bevor sie die Schlüssel erhalten. Die für Sozialbauten auf Mallorca zuständige Behörde IBAVI räumt ein, dass diese Politik eine Flut von Beschwerden ausgelöst hat: Die Begünstigten sprechen von „unwürdigen Wohnungen“ oder davon, dass „die Häuser nicht fertiggestellt sind“. Noch nie zuvor hat das "Institut Balear de l’Habitatge" so viele Beschwerden erhalten wie in den vergangenen Jahren – und ebenso wenig so viele Ablehnungen.
Halbfertige Wohnungen
Ein besonders auffälliger Fall betrifft die Wohnungen einer der zuletzt in Palma de Mallorca übergebenen Wohnanlagen. Es handelt sich um ein Wohnensemble im Viertel Son Oliva – Amanecer, einer sehr ruhigen Gegend mit einem angrenzenden Park, in dem 50 % der Begünstigten (15 von 30) aufgrund der besonderen Eigenschaften der Wohnungen auf diese verzichteten. Lehmwände und -böden, keine Einbauschränke und so kleine Räume, dasss es unmöglich ist, zugleich ein Bett und einen Schrank unterzubringen. Dieser hohe Anteil an Verzichtserklärungen unter den ersten ausgewählten Bewerbern stellt einen beispiellosen Fall in der Geschichte der Behörde IBAVI (Institut Balear de la Vivienda) dar.
In anderen Fällen, etwa bei einer Wohnanlage in einer Gemeinde der Part Forana im Süden Mallorcas, sind die Mieter aus anderen Gründen äußerst unzufrieden. Einer der am häufigsten geäußerten Sätze lautet: „Im Winter frieren wir, und im Sommer kommen wir um vor Hitze.“ Tatsächlich musste im vergangenen August eine Mieterin, die gerade Mutter geworden war, zu einem Familienmitglied ziehen, um ihr Neugeborenes vor den hohen Innentemperaturen zu schützen, da die Wohnungen über keinerlei Systeme zur Temperaturregulierung verfügen. In früheren Projekten wurden experimentelle Dämmungen eingesetzt, die sich als wirkungslos erwiesen haben.
Klimaanlagen verboten
Unter der vorherigen Landesregierung war es den Mietern untersagt, Klimaanlagen zu installieren; in der laufenden Legislaturperiode gilt dieses Verbot nicht mehr. Ebenso war es verboten, Löcher in die Wände zu bohren, um Bilder aufzuhängen oder Regale anzubringen – ebenso wie das Halten von Haustieren. Das IBAVI versucht, auf all diese Probleme zu reagieren, auf Mängel unterschiedlichster Art, einschließlich solcher, die die Einhaltung der technischen Bauvorschriften betreffen.
Die häufigsten Beschwerden beziehen sich auf die mangelhaften Wand- und Bodenoberflächen, auf Wassereintritte, die zu Feuchtigkeitsschäden führen, auf Schiebetüren, die nicht funktionieren und ständig beschädigt sind, auf Fenster, die häufig defekt sind, sowie auf Küchen und die empfindlichen Materialien der Arbeitsplatten. IBAVI steht für "Institut Balear de la Vivienda" und ist die balearische Wohnungsbaubehörde. Sie plant, baut, verwaltet und vermietet Sozialwohnungen.