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Wandern trifft Schlemmen: Wie dieser deutsche Auswanderer sich auf Mallorca neu erfindet

Jürgen Knapp, in der deutschen Community auch als "Wanderjürgen" bekannt, setzt jetzt auch auf kulinarische Erlebnisse. Er weiß: Selbst die schönste Route ist nur halb so gut ohne Essen

Viele Deutsche auf Mallorca kennen "Wanderjürgen" mit den auffälligen T-Shirts | Foto: privat

| Tramuntana-Gebirge, Mallorca |

Jürgen Knapp, 55 Jahre alt, stammt aus Baden-Württemberg und lebt seit mehr als einem Jahrzehnt auf Mallorca. Er wirkt wie jemand, der lieber geht als eilt. Im Gespräch mit ihm fallen Begriffe wie "Dankbarkeit", er spricht über seine Familie, über Zufälle und über das, was sich im Leben manchmal einfach fügt. Seit mittlerweile vier Jahren arbeitet Knapp als selbstständiger Wanderführer auf der Insel, vor allem an der Südwestküste rund um Peguera.

In seinen Anfangsjahren bot der "Naturbursche" vor allem klassische Wanderungen an: klar definierte Strecken, bestimmte Distanzen, verlässliche Routen. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert, wohl aber an seinem Ansatz. Für dieses Jahr erweitert er sein Programm. "Ich mache mir nach jeder Saison Gedanken, wie ich mich neu aufstelle", sagt Knapp im Gespräch. Ideen dafür entstehen oft in der Nachbetrachtung – oder durch Hinweise seiner Gäste. Einige von ihnen hätten ihm immer wieder gesagt, wie gern sie mit ihm unterwegs seien, manche Touren aber inzwischen mehrfach gelaufen wären.

Ein Halt in der Bodega Biniaraix ist seit 2025 Teil des Programms von "Wanderjürgen". Fotos: privat

Ein Schlüsselmoment ereignete sich im vergangenen Jahr bei einer Wanderung nach Fornalutx. Die Gruppe kam zufällig an der Bodega Biniaraix vorbei, deren Besitzerin Knapp von früher kannte. Spontan kehrte man ein. "Das war eigentlich gar nicht geplant", erinnert er sich. Der Zwischenstopp kam aber gut an, die Gruppe blieb länger als gedacht, und Knapp merkte, dass Wandern und Einkehren sich nicht ausschließen müssen. Der Bodega-Besuch wurde daraufhin Teil seines Programms. Rückblickend bezeichnet er ihn als einen der beliebtesten Bausteine der vergangenen Saison.

Für dieses Jahr hat sich "Wanderjürgen" weitere Ergänzungen überlegt. Schon länger trug er sich mit dem Gedanken, eine Tour rund um die Burg von Alaró anzubieten. Dort befindet sich das Restaurant Es Verger, das bei Einheimischen wie Urlaubern bekannt ist. "Viele Gäste hatten den Wunsch, die Wanderung mit einem gemeinsamen Essen zu verbinden", sagt Knapp. Obwohl er das Restaurant seit Jahren empfohlen habe, sei er erst kürzlich erstmals selbst mit einer Gruppe dort gewesen. "Manchmal braucht man einen kleinen Schubs. Ich nehme solche Anregungen gern auf, wenn sie sinnvoll sind." Darüber hinaus plant der Wandersmann auch eine Küstentour mit anschließendem Picknick. Gestartet wird bei Estellencs, zum Abschluss breitet die Gruppe an einem zuvor organisierten Platz eine Decke aus und isst gemeinsam. Anders als beim Restaurantbesuch ist die Verpflegung hier im Preis enthalten. Das Picknick soll etwa einmal im Monat stattfinden – abhängig von Wetter und Jahreszeit.

Ein weiteres neues Angebot richtet sich an eine andere Zielgruppe. Knapp bietet einen Halbtagesausflug an, der weniger auf lange Gehstrecken setzt. Von Peguera aus fährt er mit der Gruppe zu einem alten Wachturm hinter Andratx, anschließend geht es weiter nach Estellencs. Danach steht Valldemossa auf dem Programm, wo etwa eineinhalb Stunden Aufenthalt vorgesehen sind. Der Ausflug endet an der Felsformation Sa Foradada. Insgesamt dauert die Tour rund sechseinhalb Stunden. "Damit spreche ich Menschen an, die nicht mehr die großen Distanzen laufen wollen, aber trotzdem gern unterwegs sind", erklärt Knapp.

Bei einer Westküstentour um Estellencs wird gemeinsam gepicknickt.

Wichtig ist ihm dabei ein entspannter Ablauf. "Ich möchte kein Durchschleusen", sagt er. Das Tempo solle moderat sein, Pausen dazugehören. Niemand solle das Gefühl haben, nicht mithalten zu können. Seine Touren plant Knapp in der Regel sechs bis acht Wochen vor Saisonbeginn. Neben den neuen Ideen bleiben die bekannten Wanderungen im Programm, darunter Ausflüge zur Insel Dragonera, die Portals-Vells-Tour oder seine Mandelblütentouren. Hinzu kommen Optionen rund um Valldemossa, Sóller und den Hafen von Sóller, die Knapp derzeit prüft. "Ich schaue, welche Wege sich sinnvoll einbauen lassen."

Knapp kam 2014 nach Mallorca. Vor seiner Selbstständigkeit arbeitete der Odenwälder bis März 2020 als Reiseleiter, unter anderem für Schauinsland und Tui. Während der Pandemie begann er, private Führungen anzubieten. Sein damaliger Arbeitgeber ermöglichte ihm, dieses zweite Standbein aufzubauen, während er noch angestellt war. Dafür ist Knapp bis heute dankbar. Es passt zu seiner Grundhaltung, die er am Ende des Gesprächs so zusammenfasst: Er habe Freude an dem, was er tue – und blicke der kommenden Saison entsprechend gelassen entgegen.

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