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Golf auf Mallorca: Immer mehr private Anlagen in Fincagärten!

Die Umweltschützer der Organisation Terraferida sind alles andere als erbaut. Die Rede ist von "Kolonialisierung des öffentlichen Raums"

Ein privater Golfplatz mit vier Löchern in der Gemeinde Llucmajor | Foto: Terraferida

| Mallorca |

Auf Mallorca gibt es offiziell 22 öffentlich bespielbare Golfplätze, alle betrieben von privaten Gesellschaften, alle genehmigt, alle durstig. Damit gehört die Insel zu den golfplatzdichtesten Regionen Europas. Rund 300.000 Hobbygolfer aus Nord- und Zentraleuropa reisen jedes Jahr an, um zwischen Palma und Pollença Holz und Eisen zu schwingen – gern kombiniert mit eigenem Feriendomizil.

Und wer schon Haus, Pool und Meerblick besitzt, kommt früher oder später auf eine naheliegende Idee: Warum eigentlich nicht gleich ein paar Löcher auf der eigenen Finca? Genau diesen Gedanken hat die Umweltschutzorganisation Terraferida jüngst aus der Luft entdeckt – buchstäblich. Beim Abgleich aktueller und älterer Luftaufnahmen stießen die Aktivisten auf private Grundstücke, auf denen nicht nur Rasen wächst, sondern Abschläge, Fairways, Bunker und Wasserhindernisse professionell angelegt wurden. Einer dieser Plätze liegt in der Gemeinde Llucmajor. Die entscheidende Frage lautet nun: Darf man das?

"Kolonialisierung des ländlichen Raums"

Der Geologe Mateu Vic, Mitglied von Terraferida, antwortet darauf erstaunlich eindeutig. Die entdeckten privaten Golfanlagen seien zwar Einzelfälle, sagt er, aber sie stünden exemplarisch für ein Extrem der Entwicklung auf Mallorca. „Es geht nicht um Quantität, sondern um ein Symptom“, erklärt Vic. Ein Symptom für eine schleichende Kolonialisierung des ländlichen Raums, bei der immer neue Nutzungen Einzug halten, die mit Landwirtschaft oder Naturschutz wenig zu tun haben.

Rechtlich bewegt sich das Ganze seiner Einschätzung nach mindestens in einer Grauzone, eher aber im Bereich der Umgehung bestehender Gesetze. Zwar seien auf ländlichem Grund Grünanlagen erlaubt, doch Golfplätze gehörten kaum zur klassischen Definition von Garten oder Zufahrtsweg.

Besonders heikel wird es dort, wo der Golfplatz mehr ist als grüne Wiese. Rasenflächen mögen sich noch irgendwie als Garten verkaufen lassen. Teiche, Bunker und andere Hindernisse hingegen erfordern Abdichtungen, Versiegelungen und massive Eingriffe in den Untergrund.

Kaum verbindliche Obergrenzen

Genau diese Elemente machen den privaten Platz in Llucmajor so auffällig. Hinzu kommt das Thema Wasser. Zuständig sind zwar die Gemeinden, doch verbindliche Obergrenzen gibt es kaum. Einige Rathäuser arbeiten mit progressiven Tarifen, doch für wohlhabende Eigentümer stellt auch das kein ernsthaftes Hindernis dar. Selbst Dürreperioden führen meist nur zu temporären Einschränkungen. Dass Wasser grundsätzlich ein knappes Gut ist, bleibt im Privatparadies oft eine theoretische Debatte.

Als Ausweichlösung wird gelegentlich Kunstrasen ins Feld geführt. Für Vic ist das keine Alternative, sondern eine Absurdität. "Das Land mit künstlichen Teppichen zu bedecken, verändert Nutzung und Erscheinungsbild fundamental", sagt er. Auch ohne Wasserverbrauch bleibe der Eingriff massiv. Ländlicher Boden müsse land- oder forstwirtschaftlich genutzt oder in seinem natürlichen Zustand erhalten werden. Alles andere sei ein schleichender Funktionswandel – vom Acker zur Kulisse.

Genau darin liegt die Sprengkraft der privaten Golfplätze. Sie sind nicht das Hauptproblem, sondern das Symbol. Wo Geld, Platz und rechtliche Unschärfe zusammenkommen, wird ausprobiert, was möglich ist. Solange niemand genau hinschaut, ist fast alles möglich – sogar der Abschlag hinterm eigenen Haus.

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