Es gab einmal eine Zeit, da traf man im und am Fährterminal von Palma tagaus tagein auf Migranten aus Afrika, die auf Booten aus Algerien kommend das Mittelmeer überquert hatten. Oft waren sie von spanischen Hilfskräften umringt, die sich um sie kümmerten, Polizisten bewachten sie. Die Menschen wirkten in der Regel erschöpft und schlecht ernährt.
Ein ganz anderes Bild bietet sich heutzutage: Die Flüchtlinge sind mittlerweile in einer aufgeräumt wirkenden weißen Mini-Zeltstadt kaserniert, die sich seit Anfang Dezember im Fährhafen Porto Pí unauffällig neben dem erst kürzlich fertig gewordenen neu errichteten feinen Yachthafen Club de Mar befindet. In der Nähe des in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebrachten Uferboulevards Paseo Marítimo bemerkt man nur an einigen Hinweisschildern, dass gleich hinter der Ausweiskontrolle für die Autofahrer das neu eingerichtete Migrantenzentrum liegt.
Oft verliert sich ihre Spur auf dem Festland
"Die meisten von ihnen wollen in französischsprachige EU-Länder weiterreisen", so die für die Einrichtung zuständige Vertretung der spanischen Zentralregierung auf den Balearen gegenüber MM . "Sie werden hier auf Fähren verteilt und zum spanischen Festland gebracht." Dort verliert sich nicht selten die Spur der Migranten.
Nach weiteren Angaben der von Calviàs Ex-Bürgermeister Alfonso Rodríguez Badal geleiteten Behörde verfügt die auf 600 Quadratmetern befindliche weiße Mini-Siedlung über zwei Übernachtungszelte. In einem stehen 28 Doppelbetten, in dem anderen 40. 136 Leute können hier unterkommen, es handelt sich den Angaben zufolge samt und sonders um Männer. Um Frauen und Kinder kümmert man sich in einem separaten Zentrum nahe der allseits bekannten Porciúncula-Kirche an der Playa de Palma.
Der Rekord am Fährhafen betrug im Dezember 102 belegte Betten, vor allem Algerier und Schwarzafrikaner aus Ländern wie Mali, Senegal oder Guinea wurden hier registriert. Die Flüchtlinge werden in einem speziellen Bereich an Tischen verköstigt, zudem stehen ihnen sechs Duschen zur Verfügung. Auf Schildern steht auf Arabisch, Französisch und Englisch, dass das Rauchen strengstens verboten ist. Mitarbeiter eines Wachdienstes sorgen für Ruhe und Ordnung, die Guardia Civil verhindert, dass die Personen einfach verschwinden.
Errichtung der Zeltstadt war notwendig geworden
Die Errichtung der Mini-Zeltstadt war dringend nötig geworden, da die Route ab Algerien in den vergangenen Jahren immer stärker frequentiert wird – sogar mehr noch als die Strecke zwischen Afrika und den Kanarischen Inseln. Sage und schreibe über 7135 Migranten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des spanischen Innenministeriums nach Absolvierung der Mittelmeerroute Richtung Balearen aufgespürt, und dies in 400 sogenannten "Pateras". Dabei handelt es sich um meist kleine Boote.
Hinzu kommen Personen, die unbemerkt durch das Bewachungsnetz der Grenze schlüpfen, von Polizisten also nicht erwischt werden, und Migranten, die kentern und ertrinken. Besonders viele Flüchtlinge erreichten im vergangenen August den Archipel, im Schnitt den Angaben zufolge alle zweieinhalb Stunden in einer „Patera”. Unter den Personen befanden sich 267 Minderjährige. Das alles entspricht einer starken Zunahme von immerhin 24 Prozent verglichen mit dem Jahr davor.
Besonders oft werden die Migranten in der Nähe der Mallorca vorgelagerten Insel Cabrera von der Guardia Civil aufgebracht. Aber auch vor Ibiza, Formentera und an der Südost- und Südküste Mallorcas gehen die Flüchtlinge den Ermittlern ins Netz. Im vergangenen Sommer erreichten Migranten sogar mitunter inmitten von Badegästen Mallorca, etwa am vergangenen 20. Juli am Strand von Portals Vells im Südwesten.