Auf Mallorca wird einmal wieder um die Zukunft des Kreuzfahrttourismus gerungen. Während die Zahl der Passagiere im Hafen von Palma 2025 erneut gestiegen ist, klagen Händler und Dienstleister über einen "drastischen Rückgang" dieser schwimmenden Hotelanlagen in den Wintermonaten. Mehr als 40 Wirtschaftsverbände und Unternehmen fordern nun Planungssicherheit – Umweltinitiativen halten dagegen und verlangen schärfere Beschränkungen.
Nach Angaben der balearischen Hafenbehörde legte die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 1,93 Millionen zu. Das entspricht einem Zuwachs von vier Prozent bei den Anläufen – doppelt so viel wie im balearischen Durchschnitt.
Grundlage der Regulierung ist das sogenannte Hamburger Abkommen von 2021, ein Memorandum of Understanding zwischen der balearischen Regierung und den Reedereien. Es sieht vor, dass in Palma zeitgleich höchstens ein Megakreuzfahrtschiff mit mehr als 5000 Passagieren sowie zwei kleinere Schiffe anlegen dürfen. Zudem wurde ein Tageslimit von 8500 Passagieren vereinbart, wobei Schiffe mit weniger als 500 Plätzen nicht mitgezählt werden.
Kritiker bezweifeln jedoch die Wirksamkeit der Vereinbarung. Anfang August vergangenen Jahres lagen an einem Tag vier Kreuzfahrtschiffe im Hafen – eines mehr als vorgesehen. Die Regionalregierung erklärte daraufhin, das Memorandum habe "keine bindende Wirkung", sondern sei eine Absichtserklärung. Sanktionen gegen Reedereien seien nicht vorgesehen.
Gleichzeitig verzeichnet der Sektor im Winter deutliche Einbrüche. Für das erste Quartal 2026 sind lediglich 27 Anläufe geplant, im Vorjahreszeitraum waren es 45. Im vergangenen November sank die Zahl der Schiffe laut Hafenstatistik um knapp 47 Prozent, im Dezember um 37,5 Prozent. Händler sprechen von "enormen Sorgen", die sie umtrieben. Die Präsidentin des Einzelhandelsverbands Pimeco, Carolina Domingo, erklärte, die Beschränkungen hätten dem Handel im Winter die notwendige Unterstützung entzogen. Manche Geschäftsinhaber erwögen inzwischen, in den kälteren Monaten ganz zu schließen.
Unterstützung erhält die Branche von Verbänden wie Pimem, Pimeco und der branchenfreundlichen Plattform Sí als Creuers. Deren Sprecherin Alex Fraile sagte, es gehe "nicht um Politik, sondern um das wirtschaftliche Überleben". Die Reedereien hätten in Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung investiert, zudem seien die Anläufe seit 2019 bereits um 25 Prozent reduziert worden.
Demgegenüber fordert deren Gegenspieler, die Plataforma contra els Megacreuers, gegen Megakreuzfahrten strengere ökologische und soziale Kriterien. Bereits 2019 sammelte sie rund 11.000 Unterschriften für eine Begrenzung des Kreuzfahrtgeschäfts.
Die balearische Regierung spricht von "laufenden Verhandlungen" mit den Reedereien und gibt sich zurückhaltend. Man befinde sich "auf einem guten Weg", heißt es aus dem Tourismusressort. Konkrete Details sollen erst nach Abschluss der Gespräche folgen.