Sechs Wochen nach der spektakulären Strandung der deutschen Hochseeyacht „Acoa“ vor der Küste von Son Servera im Nordosten von Mallorca kommt so langsam Bewegung in den Fall. Am Freitag (27.2.) sollen die Vorbereitungen für die Bergung des 27 Meter langen und rund 80 Tonnen schweren Luxus-Seglers beginnen, der seit dem Sturm im Januar im Sand festliegt.
Nach wochenlangen juristischen und finanziellen Verzögerungen haben die drei Eigner, Teilhaber und Partner nun das in Palma ansässige deutsche Bergungsunternehmen Sud-West Divers beauftragt. Die Firma hatte das Schiff bereits kurz nach der Havarie provisorisch mit Gummireifen gegen die Brandung gesichert. Skipper Klaus Fietzeck geht davon aus, dass sich die Arbeiten über mindestens zehn Tage erstrecken werden. Zunächst sollen Treibstoffreste vollständig abgepumpt und die Tanks gereinigt werden. Zusätzlich ist eine rund 100 Meter lange Ölsperre geplant, um Umweltschäden zu verhindern.
Technik, Taktik – und teure Aussichten
Erst danach beginnt die eigentliche Bergung: Mit Kränen und anderem schweren Arbeitsgerät soll die Yacht zunächst auf die Backbordseite gekippt werden, um Schäden auf der am Strand liegenden Steuerbordseite zu begutachten. Anschließend sollen Schlepper und aufblasbare Hebekissen das Schiff langsam zurück ins offene Wasser ziehen. Ziel ist der Hafen von Port d’Alcúdia, wo die Reparatur der havarierten Hochseeyacht erfolgen soll.
Die reinen Bergungskosten werden auf rund 300.000 Euro geschätzt. Angesichts dieser Summe hat Skipper Klaus Fietzeck eine Finanzierungsidee entwickelt, die selbst auf einer Insel mit Hang zur Inszenierung überrascht: Wer die Bergung aus nächster Nähe verfolgen möchte, kann dies tun – allerdings nicht kostenlos. Für eine „Spende“ von 20.000 Euro wird ein Platz in der ersten Reihe versprochen, inklusive Verpflegung durch den Skipper persönlich. Champagner und Delikatessen sollen den Blick auf Kräne, Stahlseile und den havarierten Luxussegler abrunden.
Exklusivität statt Katastrophentourismus
Weniger zahlungskräftige Schaulustige sollen dagegen außen vor bleiben. Der Bereich rund um die Bergungsstelle soll abgesperrt werden. Wer nicht zahlt, schaut – wenn überhaupt – aus der Ferne zu. Ein Unglück wird damit zum exklusiven Event, Eintritt streng limitiert. Als zusätzlicher Anreiz wird den zahlenden Gästen sogar ein Platz auf der künftigen Jungfernfahrt der Yacht in Aussicht gestellt – vorausgesetzt, die Reparaturen verlaufen planmäßig und sind bis zum Sommer abgeschlossen.
Ausgelöst wurde das Drama durch das Sturmtief „Harry“, das Mitte Januar die Nordostküste von Mallorca traf. In der Nacht zum 19. Januar kämpfte der 68-jährige Fietzeck mit der vor Anker liegenden Yacht gegen Wind und Wellen, wurde zeitweise über Bord gespült und rettete sich schließlich verletzt an Land. Was als Naturereignis begann, entwickelte sich rasch zu einer juristisch-finanziellen Dauerposse.
Nun also der Neustart – mit schwerem Gerät, strengen Umweltauflagen und einer Prise bizarrer Exklusivität. Dass ausgerechnet ein gestrandeter Luxussegler zur Bühne für zahlende Zuschauer wird, passt dabei ins Bild eines Falls, der längst mehr ist als nur ein Schiffsunglück.