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Gestrandete deutsche Luxus-Yacht vor Mallorca: Anteilseigner will nur einen Euro

Die Millionen-Yacht liegt noch immer vor Son Servera, währenddessen fetzen sich die Hintermänner um Zuständigkeiten, Kosten und Verantwortung – und die Behörden drängen auf die Bergung

Die "Acoa" liegt seit fast genau einem Monat in der Brandung vor Son Servera im Nordosten der Insel | Foto: Angie Britta Kirchhofer/www.fotohotshot.com

| Son Servera, Mallorca |

Sie liegt da wie ein Mahnmal aus Aluminium: die "Acoa", 27 Meter lang, gebaut für Weltumsegelungen, angeblich achtmal um den Globus, sogar Antarktis erprobt – und nun festgefahren im Sand der Playa de Sa Marjal bei Son Servera auf Mallorca.

Seit Mitte Januar ragt der Rumpf dieser Luxus-Yacht schief aus der Brandung. Wo sonst Spaziergänger Muscheln sammeln, steckt nun ein Schiff, das eher in den Südatlantik als in eine mallorquinische Badebucht gehört. Jetzt will ein deutscher Eigner seinen Anteil sogar schon für einen Euro verkaufen.

Ausgelöst wurde das Drama durch das orkanartige Sturmtief "Harry", das die Nordostküste der Insel in der Nacht zum 19. Januar traf. Wellen, Böen, Dunkelheit. An Bord: der 68-jährige deutsche Skipper Klaus Fietzeck. Er kämpfte gegen Wind und Wasser, verlor einen Anker, wurde von den Wellen von Bord gerissen, rettete sich schließlich verletzt und unterkühlt an Land. Am Morgen danach verbreiteten sich die Fotos der gestrandeten Luxus-Yacht rasend schnell – ein surrealer Anblick im ersten Licht des Tages. Doch was wie ein Naturdrama begann, ist längst zu einer juristisch-finanziellen Groteske geworden.

So liegt die Luxus-Yacht noch immer vor Son Servera. Foto: Angie Britta Kirchhofer

"Anteilseigner? Vielleicht. Partner ja. Also irgendwie."

Drei deutsche Männer sollen die Yacht einst gemeinsam erworben haben. Einer von ihnen: Franz Osthoff. Er sagt Sätze, die man sonst eher aus Impro-Theaterkursen kennt. "Anteilseigner bin ich nicht. Oder vielleicht doch. Ich könnte es werden. Partner ja. Also irgendwie schon." Klar ist nur: Die Eigentumsverhältnisse sind so diffus wie die Winterbrandung vor Son Servera.

Ein deutsches Bergungsunternehmen aus Palma legte einen Kostenvoranschlag vor: über 300.000 Euro für das Freischleppen nach Port d’Alcúdia. Enthalten sind darin zwei Schlepper, Entsorgungsarbeiten – und eine 100 Meter lange Ölbarriere, die vorsorglich ausgelegt werden soll. Denn im Rumpf der "Acoa" schlummern Treibstoff und Öle. Das maximale Tankvolumen beträgt rund 5000 Liter. Angeblich sollen derzeit "nur" etwa 500 Liter Diesel an Bord sein. Ein Detail, das beruhigen soll – aber in einer offenen Bucht mit Sandstrand klingt selbst ein Zehntel davon nicht gut. Das Umweltdezernat des Inselrats jedenfalls fordert entsprechend eine schnelle Bergung. Zuerst müsse abgepumpt werden, dann könne man über Schleppen sprechen. Zeit ist dabei kein Verbündeter.

Osthoff beteuert gegenüber MM, das Geld für die Bergung wäre grundsätzlich da. Zahlen wolle er jedoch erst, wenn geklärt sei, wer eigentlich wofür verantwortlich ist. Das Vertrauen unter den Partnern sei "etwas" erschüttert. Eine diplomatische Umschreibung für: Man redet zwar noch, aber vermutlich nur über Anwälte.

Ein Euro für die Freiheit

Skipper Klaus Fietzeck hat unterdessen offenbar kapituliert. "Ich habe keine Lust mehr und verkaufe meinen Anteil für einen Euro", sagt er. Ein symbolischer Preis für ein Schiff, dessen Rettung ein kleines Einfamilienhaus kosten dürfte. Gleichzeitig kursieren Berichte über eine dubiose Sammelaktion auf GoFundMe, mit der offenbar Geld für die Bergung eingeworben werden sollte. Wer sie initiiert hat, wer tatsächlich Zugriff auf die Mittel hätte – auch das bleibt im Nebel. Crowdfunding für eine Antarktis-yacht am mallorquinischen Strand: Die Geschichte wird nicht weniger bizarr.

Während Fietzeck von einem privaten Sicherheitsdienst spricht, der das Schiff vor Plünderern bewache, verweist Osthoff auf Kameras und Bewegungssensoren gegen "Strandpiraten". Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier weniger das Meer das Problem ist als das Misstrauen an Land. Die "Acoa" selbst schweigt. Ihr Aluminiumrumpf trotzt noch der Brandung, Gummireifen dämpfen die Schläge der Wellen. Ein Schiff, gebaut für extreme Breiten, ist ausgerechnet an einer Playa gestrandet, die im Sommer für Gedränge unterm Sonnenschirm steht.

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