Mallorca ist für viele Touristen ein beliebtes Reiseziel, doch für Menschen mit Autismus kann ein Flug dorthin schnell zu einer emotionalen und sensorischen Herausforderung werden. Der Flughafen Son Sant Joan verfügt aktuell nicht über spezielle Sinnesräume für autistische Passagiere, wie sie an anderen spanischen Flughäfen, etwa in Elche (Alicante), eingerichtet sind. Für viele Betroffene verwandelt sich der übliche Flughafenalltag – Lärm, Hektik, lange Warteschlangen – in eine enorme Belastung.
Die spanische MM-Schwesterzeitung Ultima Hora sprach mit Rosalía Rodríguez, Psychologin und Expertin für Luftfahrtpsychologie, die betont, dass autistische Menschen, Personen mit Flugangst oder ADHS zu den sogenannten Passagieren mit unsichtbaren Behinderungen gehören. "Es gibt internationale Hilfsmittel wie das Sonnenblumen-Symbol, das Passagiere als Menschen mit besonderen Bedürfnissen kennzeichnet. Es hilft dem Personal, auf emotionale Überlastung zu reagieren und Unterstützung anzubieten", erklärt Rodríguez. In Spanien muss zusätzlich ein Ausweis bei AENA für die Bodenabfertigung beantragt werden, und die Anmeldung sollte spätestens 48 Stunden vor Abflug erfolgen.
Beste Plätze für Autisten: Mitte nahe der Tragflächen
Während Menschen mit körperlichen Behinderungen durch klare Vorschriften am Boden und während des Fluges unterstützt werden, sind die Protokolle für autistische Passagiere noch weitgehend unbekannt. Rodríguez erläutert, dass autistische Menschen bei Beantragung Vorrang bei Check-in, Passkontrolle und Zugang zu den Flugsteigen erhalten. Längere Wartezeiten und Lärm werden so weit wie möglich vermieden. Auch die Sitzplatzwahl kann angepasst werden: optimal sind Plätze in der Mitte in der Nähe der Tragflächen, die Ruhe und Sichtschutz bieten.
Am Flughafen Palma de Mallorca wurden laut Rodríguez bereits lautstarke Durchsagen reduziert, um die Belastung für autistische Passagiere zu verringern. Zusätzlich gilt die europäische Verordnung CE1107/2006, die Menschen mit Behinderungen im europäischen Luftraum kostenfreie Unterstützung garantiert. Fluggesellschaften wie Ryanair müssen sicherstellen, dass Familien mit autistischen Angehörigen zusammen sitzen, sofern dies rechtzeitig angemeldet wird.
Rodríguez gibt praktische Tipps, wie Familien das Fliegen erleichtern können: visuelle Leitfäden, erklärende Videos oder Serien, die den Ablauf eines Fluges zeigen, sowie persönliche "Köderobjekte" wie Decken oder Spielsachen, die Sicherheit vermitteln. Sollte es während des Fluges zu einer Krise kommen, ist die Besatzung geschult, Reize zu reduzieren, den Passagier in einen ruhigeren Bereich zu bringen und gegebenenfalls umzusetzen.Für autistische Reisende gilt: Stoßzeiten vermeiden, Abläufe vorher erklären und frühzeitig die vorhandenen Unterstützungsangebote beantragen. Nur so kann die Reise nach Mallorca, trotz der unsichtbaren Barrieren, für alle Beteiligten möglichst stressfrei verlaufen.