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STADTRUNDFAHRTEN

Von der Kritik zermürbt: Pferdekutscher lenken ein und wollen freiwillig auf E-Droschken umsteigen

Man sei der ständigen Anfeindungen auf der Straße müde. Die 28 verbliebenen Kutscher wollen künftig auf luxuriöse E-Galereen setzen. Finanzielle Unterstützung beim Wandel lehnen sie ab.

Gehören wohl bald der Vergangenheit an: von leibhaftigen Pferden gezogenen Urlauberkutschen | Foto: J. Morey

| Palma de Mallorca | |

Vor Urlauberkutschen gespannte Pferde sind auf Mallorca ein Auslaufmodell. Die verbliebenen 28 Kutscher in Palma haben nach eigenen Angaben einstimmig beschlossen, künftig auf elektrisch betriebene Fahrzeuge umzusteigen. Bei einem Treffen mit Vertretern der Stadtverwaltung teilten sie am Donnerstag mit, man wolle die traditionellen Pferdekutschen durch sogenannte "elektrische Galeren" ersetzen.

"Die Zeiten haben sich geändert", sagte ein Vertreter der Kutscher gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Man sei es leid, zunehmend Anfeindungen ausgesetzt zu sein. "Wir sind ein bisschen müde davon, dass die Leute uns ständig beschimpfen. Deshalb haben wir beschlossen, den Übergang von Tier auf Strom einzuleiten“, hieß es. Die neuen E-Droschken sollen möglichst schon im kommenden Jahr in Betrieb gehen.

Nach Angaben der Kutscher wollen sie die Investition selbst tragen. Geplant seien jedoch "keine schlichten Modelle" wie in anderen Orten der Insel, sondern "elegante Galeeren" mit einem Stückpreis von rund 40.000 Euro. Die Umstellung markiert das Ende einer jahrzehntelangen Tradition im Stadtbild von Palma, das bislang stark von den Pferdekutschen geprägt war.

Der Sprecher des Berufsstands räumte ein, dass sich die gesellschaftlichen Erwartungen verändert hätten. "Die Gesellschaft wandelt sich, und jetzt liegt es an uns, uns entsprechend weiterzuentwicklen." Zugleich brach er eine Lanze für die bisherige Praxis: Man verstehe sich als touristische Stadtführer, biete Rundfahrten an und spreche mehrere Sprachen. "Wir kümmern uns um unsere Pferde, wir lieben sie wie unsere Familie – aber wir sind der Kritik auch müde geworden."

Die Stadtverwaltung bestätigte am Donnerstag den Eingang eines formellen Vorschlags der Kutscher. Deren Bereitschaft zum Wechsel sei "Ergebnis eines Dialogprozesses", der bereits zu Beginn der laufenden Legislaturperiode angestoßen worden sei.

Ein früherer Versuch, den Wandel zu fördern, war jedoch gescheitert: In der vergangenen Legislaturperiode war ein Pilotprogramm mit einem Budget von 500.000 Euro aufgelegt worden, um den Umstieg von Pferde- auf Elektrobetrieb finanziell zu begleiten. Die damals neu gewählte Stadtregierung stellte die Finanzierung der zweiten Tranche in gleicher Höhe jedoch infrage, sodass das Vorhaben letztlich nicht umgesetzt wurde.

Gänzlich frei Fahrt haben die Kutscher aber längst nicht mehr. Zu den verschärften Auflagen gehört unter anderem, dass sie bei offiziellen Hitzewarnungen (Gelb, Orange oder Rot) ihre Tiere zwischen 12 Uhr mittags und 19 Uhr abends von der Straße fernhalten. Ferner müssen sich die Pferde einem regelmäßigen Tier-TÜV unterziehen, der von Veterinären der Stadt durchgeführt wird.

Bereits im vergangenen Jahr hatten mehrere Parteien im Stadtrat eine Lösung gefordert, um den Kutschern eine Alternative zu bieten. Für die politischen Initiativen fand sich jedoch letztlich kein Konsens. Nun treiben die Kutscher den Wandel aus eigener Initiative voran – und besiegeln damit das absehbare Ende der Pferdekutschen in Palma.

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