Die Szene wirkt wie aus einem Abenteuerfilm: Ein historisches Segelschiff, auf Grund gelaufen vor der Küste von Palmanova im Südwesten von Mallorca, die Planken gezeichnet vom Sturm – und ein britischer Seemann, der zur Rettung eilt. Seit Montag (30.3.) laufen die Bergungsarbeiten für die mehr als 120 Jahre alte Yacht „Owl“, deren Zukunft noch vor wenigen Tagen ungewiss war.
Ein ungewöhnlich heftiger Sturm hatte das Schiff Anfang des Jahres von seinen Festmacherleinen gerissen. Die „Owl“ trieb ab und strandete schließlich am Strand von Palmanova. Mehrere Versuche des Besitzers, das Schiff aus eigener Kraft zu bergen, scheiterten. Zeitweise stand sogar im Raum, dass die Gemeinde Calvià das Wrack vor Ort verschrotten lassen könnte.
Retter mit Mission
Die Wende kam durch Zufall – und persönliche Betroffenheit. Der britische Seemann Jim Passmore, Betreiber einer Yachtmanagementfirma, entdeckte das havarierte Schiff bei einem Strandspaziergang. „Ich traute meinen Augen kaum“, sagt er. „Ich hatte die ‚Owl‘ jahrelang aus der Ferne bewundert. Es erschütterte mich, sie in diesem Zustand zu sehen.“
Passmore handelte schnell. „Nach mehreren schlaflosen Nächten habe ich ein Team engagierter Experten zusammengestellt“, berichtet er. Am Montagmorgen traf er mit acht Tauchern und umfangreicher Spezialausrüstung in Palmanova ein, darunter zwei Tauchboote. Das Ziel: das Schiff noch am selben Tag wieder flott zu bekommen.
Wettlauf gegen die Zeit
Die Bergung ist technisch anspruchsvoll und steht unter Zeitdruck. Wind, Strömung und die Lage des Schiffes im flachen Wasser erschweren die Arbeiten. Dennoch zeigt sich Passmore optimistisch: „Wir sind fest entschlossen, sie zu retten. Dieses Schiff hat zwei Weltkriege überstanden – wir werden nicht zulassen, dass es jetzt zerstört wird.“
Gelingt die Bergung, soll die „Owl“ zur Refit-Werft STP in Palma gebracht werden. Dort sind umfangreiche Reparaturen geplant. Für Passmore ist das mehr als nur ein Auftrag: „Das ist der Beginn einer neuen Ära für diese Yacht.“