Die Bilder wirken beinahe surreal – und doch gehören sie mittlerweile zur Realität in Palma de Mallorca und anderen Teilen der Insel. Am Stadtstrand von Can Pere Antoni, nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, zeigt sich mal wieder ein eindringliches Zeugnis der wachsenden Wohnungsnot auf der Insel.
Während sich Badegäste bei frühsommerlichen Temperaturen in der Sonne entspannen und das Meer genießen, stehen nur wenige Meter entfernt zwei unscheinbare Zelte im Sand. Leicht abseits des Ufers, nahe dem Radweg. Sie ziehen unweigerlich die Blicke auf sich. Hier leben Menschen, die sich keine Wohnung leisten können.
Erst seit wenigen Tagen dort aufgebaut
Nach Angaben von Angestellten der Stadt und den Rettungsschwimmern sind die Zelte erst seit wenigen Tagen dort aufgebaut. Die Polizei habe die Situation bereits im Blick, eine Räumung könnte bevorstehen. Drei Menschen sollen aktuell dort leben – zwei Männer und eine Frau. Einer von ihnen nutzt das kleinere der beiden Zelte allein, während sich beim größeren persönliche Gegenstände wie Schuhe, Plastiktüten und Flaschen sammeln.
Spaziergänger, Radfahrer und Badegäste werfen immer wieder verstohlene Blicke in Richtung der Zelte. Gerade in diesen Tagen, in denen auch Veranstaltungen im nahegelegenen Kongresspalast stattfinden, ist der Strand gut besucht – und das ungewohnte Bild fällt umso stärker ins Auge.
Can Pere Antoni ist kein Einzelfall
Can Pere Antoni ist längst kein Einzelfall mehr. In immer mehr Teilen Palmas entstehen provisorische Siedlungen. Rund um das ehemalige Gesa-Gebäude, im Viertel Nou Llevant, am nördlichen Ende des Sa-Riera-Parks, entlang der Flughafenautobahn oder an der Zufahrtsstraße aus Manacor haben sich Menschen in Zelten niedergelassen oder notdürftig Baracken errichtet. Andernorts wachsen Ansammlungen von Wohnwagen heran.
Was sich hier zeigt, ist Ausdruck einer Entwicklung, die viele auf der Insel längst mit Sorge beobachten: Die Wohnungsnot auf Mallorca verschärft sich spürbar. Der freie Markt bietet zwar weiterhin Immobilien – doch die Preise liegen oft bei mehreren tausend Euro im Monat. Für viele ist das schlicht unerschwinglich.
Denn ein großer Teil der Bevölkerung gehört zu den sogenannten mileuristas, also Menschen, die mit rund 1000 Euro netto im Monat auskommen müssen. Eine Summe, die in keinem Verhältnis mehr zu den steigenden Mietkosten auf Mallorca steht – und immer mehr Menschen an den Rand drängt oder bereits darüber hinaus.