Staatlich geförderter Wohnraum muss nicht zwangsweise entbehrungsreich sein – zumindest nicht auf Mallorca. Dass sich auch in Wohnungen mit Mietpreisdeckelung ein gewisser Lebensstandard bewahren lässt, soll das Bauprojekt Xojay im Palmas Stadtviertel Jonquet unter Beweis stellen.
Das Vorhaben des Bauträgers sieht vor, auf einem Grundstück insgesamt 53 Wohnungen zu errichten – sieben davon als gesetzlich vorgeschriebenen Sozialwohnraum, der Rest als frei vermarktbare Einheiten. Das Besondere: Die gesamte Anlage ist als gehobene Wohnanlage konzipiert, mit Annehmlichkeiten wie einem privaten Küchenchef, einem Gemeinschaftsboot, Spa, Weinkeller und einem 24/7-Fahrdienst.
Die sieben Sozialwohnungen sollen laut der balearischen Regionalregierung zu Mieten zwischen 676 und 897 Euro pro Monat vermietet werden – an Bewerber auf den öffentlichen Wartelisten der staatlichen Wohnungsbehörde Ibavi, die nach sozialen Bedürftigkeitskriterien ausgewählt werden.
Der zuständige Wohnungsbauminister José Luis Mateo wies gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" Berichte zurück, wonach der Bauträger die Sozialwohnungspflicht zu umgehen versuche. Die sieben Apartments hätten bereits eine Fördergenehmigung erhalten und würden nach Fertigstellung regulär über das Ibavi-Register vergeben – "auf Lebenszeit", wie Mateo betonte.
Anlass der Debatte war öffentliche Kritik der sozialdemokratischen Oppositionspartei PSIB, die den Fall im balearischen Regionalparlament vortrug. Darin beanstandeten sie, dass der Bauträger das Projekt auf Immobilienplattformen bereits zu Preisen zwischen 2,2 und 6,7 Millionen Euro bewerbe – ohne dabei auf die sieben preisgebundenen Einheiten hinzuweisen, obwohl das Gesetz für Sozialwohnungen ausdrücklich Transparenz- und Werbepflichten vorsehe.
Aus den Bauplänen geht zudem hervor, dass die sieben Sozialwohnungen – die noch nicht gebaut sind – in einem separaten Block zur Carrer de Monsenyor Palmer hin untergebracht werden sollen. Die drei Blöcke mit den frei verkäuflichen Wohnungen hingegen werden zum Paseo Marítimo ausgerichtet sein und verfügen damit über die begehrteren, freieren Ausblicke. Die Sozialwohnungen sollen mit rund 66 Quadratmetern deutlich kleiner ausfallen als die Luxuseinheiten.
Die PSIB zeigt sich skeptisch, ob ein privater Bauträger tatsächlich bereit ist, Teile einer hochpreisigen Luxusanlage dauerhaft für einkommensschwache Mieter bereitzustellen. Denn die gesetzlich vorgesehenen Sanktionen dürften im Verhältnis zum möglichen Gewinn kaum abschreckend wirken: Ein Verstoß gegen die Sozialwohnungspflicht gilt laus Sozis zwar als schwerwiegende Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeldern zwischen 30.000 und 90.000 Euro je Wohnung geahndet werden.
Angesichts eines Gesamtvolumens im dreistelligen Millionenbereich sei dies jedoch ein "überschaubares Risiko". Die Sozialisten argwöhnen daher offen, dass sich das Zahlen der Strafe für den Bauträger "schlicht rechnen" könnte.