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Mit 1600 PS über die Insel: Die teuersten Luxus-Sportwagen der Welt treffen sich aktuell auf Mallorca

Einige Autos kosten mehrere Millionen Euro. In diesen Tagen überrollen hunderte rasend schnelle Gefährte die Insel, weil zum ersten Mal das exklusive Event "Ghost Squadron Tour 2026" ausgerichtet wird

Ein neues internationales Event rund um Luxus-Sportwagen auf Mallorca: die "Ghost Squadron Tour". | Foto: Instagram @koenigsegg

| Mallorca |

Mallorca brummt. Aber es ist nicht das vertraute, monotone Summen der Billigflieger-Turbinen oder das verzweifelte Röcheln überladener Mietwagen-Fiats. Es ist das Brüllen der „Ghost Squadron Tour 2026“. Die schwedische Auto-Edelschmiede Koenigsegg hat die Baleareninsel erstmals als Kulisse für ihr jährliches Klassentreffen der Superreichen auserkoren. Wer braucht schon Ruhe und Naturschutz im Tramuntana-Gebirge, wenn man stattdessen den Gegenwert eines mittelgroßen Villa in Son Vida in Form von Hochleistungskohlefaser durch die Haarnadelkurven jagen kann? Es ist die ultimative Machtdemonstration eines Herstellers, dessen Geschäftsmodell darauf basiert, Autos zu bauen, die so schnell sind, dass man sie eigentlich nirgendwo legal fahren darf.

Die Geschichte hinter diesem Wahnsinn ist fast so absurd wie die Preisliste. Christian von Koenigsegg, ein Mann mit dem sanften Lächeln eines Bond-Bösewichts, benannte sein Flaggschiff „Jesko“ nach seinem Vater. Der Clou: Er belog den alten Herrn monatelang mit gefälschten Pressemitteilungen, nur um ihn bei der Premiere 2019 medienwirksam zu überraschen. Ein rührendes Familiendrama, finanziert durch den Verkauf von Spielzeugen für Menschen, die bereits alles besitzen, außer vielleicht einem Parkplatz in der ersten Reihe von Port de Sóller.

Ein „Ghost Dragon“ zum Mitnehmen, bitte!

Der absolute Star der diesjährigen Inselfliege-Show ist ein nagelneuer „Jesko Attack“, liebevoll personalisiert in einem Perlgelb, das so hell leuchtet, dass es wahrscheinlich von der Internationalen Raumstation aus mit einer Supernova verwechselt wird. Während der durchschnittliche Mallorca-Besucher schon froh ist, wenn sein Koffer unbeschädigt ankommt, ließ sich ein glücklicher Besitzer sein Drei-Millionen-Euro-Präsent direkt unter der spanischen Sonne übergeben. Das Auto wird nun ein paar Tage lang die Serpentinen der Tramuntana unsicher machen, bevor es – ganz bescheiden – in die USA verschifft wird. Man gönnt sich ja sonst nichts, außer vielleicht einem schwarzen Lederinterieur mit gelben Alcantara-Akzenten, das sicher ganz hervorragend zum Teint eines sonnengebrannten Hedgefonds-Managers passt.

1600 PS und 3 Millionen Euro teuer: Der neue "Jesko Attack" auf der Insel. Fotos: Instagram @koenigsegg

Technisch gesehen ist der Jesko eine Beleidigung für alles, was wir in der Fahrschule gelernt haben. Sein „Light Speed Transmission“ (LST) Getriebe verfügt über sieben Kupplungen und wechselt die Gänge schneller, als ein Tourist „Una cerveza, por favor“ sagen kann. Mit Hochleistungs-Sprit leistet der V8-Biturbo 1600 PS. Das reicht theoretisch für über 480 km/h – eine Geschwindigkeit, die auf mallorquinischen Landstraßen besonders sinnvoll ist, wenn man vorhat, die gesamte Insel in exakt vier Minuten zu umrunden oder direkt im Mittelmeer zu landen.

Dass diese rollenden Raketen ausgerechnet vor dem Restaurant „Lume & Co“ in Palma für Dreharbeiten gesichtet wurden, ist nur folgerichtig. Wo sonst als beim Networking unter Gleichgesinnten lässt es sich besser über die Unzulänglichkeiten eines Regera-Hybridantriebs philosophieren. Denn der „Reggera“ ist mit dabei im Tross, ein technisches Monstrum mit drei Elektromotoren und so viel Drehmoment, dass er beim Anfahren vermutlich die Erdrotation kurzzeitig verlangsamt.

Die Insel als Premium-Laufsteg für den 100-Millionen-Konvoi

Man muss den Zynismus der Veranstalter fast bewundern: „Mallorca, hier kommt das Ghost Squadron: Ihr könnt uns auf den Bergstraßen brüllen hören“, verkündete das Unternehmen stolz. Es ist die akustische Entsprechung eines ausgestreckten Mittelfingers in Richtung Ruhebedürfnis. Die Wahl der Serra de Tramuntana – UNESCO-Welterbe, wohlgemerkt – als „privilegierte Kulisse“ zeigt deutlich, wohin die Reise geht: Mallorca will weg vom Eimersaufen, hin zum Hypercar-Networking. Dass dabei ein Konvoi mit einem Gesamtwert von über 100 Millionen Euro durch die Dörfer rollt, festigt den Status der Insel als „Premium-Reiseziel“.

Die exklusive Sportwagen-Tour führt durch das Tramuntana-Gebirge auf Mallorca.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Koenigsegg Jesko ist das perfekte Auto für Mallorca. Er ist laut, unverschämt teuer, technisch völlig überzüchtet und auf den hiesigen Straßen in etwa so nützlich wie ein Pelzmantel am Strand von Es Trenc. Aber genau darum geht es ja beim „Ghost Squadron“. Es geht nicht um den Sinn, es geht um den Geist – den Geist des ungezügelten Kapitalismus, der in perlgelbem Lack und mit 1600 PS unter der Haube.

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