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NEUE BESETZERMASCHE

"Inquiokupas" auf Mallorca: Wenn Mieter Luxusimmobilien blockieren

Die klassische Hausbesetzung ist out, es lebe die De-luxe-Besetzung mit Mietvertrag. Eigentümer legen nicht selten 150.000 Euro und mehr auf den Tisch, um die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden.

Auch Luxuswohnanlagen wie Son Vida in Palma sind vor Besetzern nicht gefeit.

| | Palma de Mallorca |

Auf Mallorca geraten Eigentümer von Luxusimmobilien zunehmend ins Visier einer neuen Spezies von Hausbesetzern: Nach Angaben der MM-Schwesterzeitung "Última Hora" sind seit dem vergangenen Sommer mehr als 200 hochwertige Villen und Ferienhäuser von Mietern blockiert, die zunächst "legal einzogen, nach kurzer Zeit jedoch keine Miete mehr zahlten und die Immobilien nicht freiwillig räumen". Besonders betroffen seien exklusive Wohnlagen wie Son Vida in Palma, Portals, Santa Ponça, Costa de los Pinos oder Port de Pollença.

Nach Informationen aus Polizei- und Justizkreisen geht es dabei häufig nicht mehr um klassische Hausbesetzungen. Stattdessen würden Luxusvillen zunächst regulär für Wochen, Monate oder über langfristige Mietverträge angemietet. Kurz nach dem Einzug stellten die Bewohner dann die Mietzahlungen ein und signalisierten den Eigentümern, dass sie "nur gegen hohe Geldsummen" wieder ausziehen würden.

Ein namentlich nicht genanter Ermittler sagte der Zeitung, viele Betroffene entschieden sich letztlich für außergerichtliche Einigungen. "Niemand hat Interesse daran zuzugeben, dass er 150.000 Euro oder mehr schwarz bezahlt hat, damit ein Inquiokupa seine Luxusvilla verlässt", wird der Beamte zitiert. Diese Summen seien demnach "keine Ausnahme". Eigentümer millionenschwerer Ferienimmobilien seien oft bereit, exorbitante Beträge auf den Tisch zu legen, um langwierige Gerichtsverfahren und weitere Schäden zu vermeiden.

Der Guardia Civil zufolge sind sich viele Eigentümer bewusst, dass sich Räumungsverfahren über "Monate oder gar Jahre hinziehen" könnten. Deshalb würden manche versuchen, ihre besetzte Immobilie durch finanzielle Vereinbarungen möglichst schnell und geräuschlos zurückzubekommen. Der mallorquinische Immobilienanwalt Fausto Oviedo soll für diese Praxis den Begriff "Entführung von Wohnraum" geprägt haben.

Klassische Besetzungen leerstehender Luxusimmobilien gebe es zwar weiterhin, sie seien inzwischen jedoch seltener. Als Beispiel nennt die Zeitung einen Fall in Son Servera: Dort sei ein südamerikanisches Ehepaar gemeinsam mit seinem erwachsenen Sohn wegen der monatelangen Besetzung einer Villa einer niederländischen Eigentümerin zu Geldstrafen von jeweils 700 Euro verurteilt worden. Deren Anwalt soll eine vergleichsweise schnelle Räumung erreicht haben. Mit dem Auszug der Südamerikaner verschwanden allerdings zwei große Fernseher und mehrere Gemälde aus dem Haus. Immerhin: Die Familie soll vor dem Abzug noch das Gebäude gereinigt und den Pool gesäubert haben.

Juristen beobachten nach Angaben der Zeitung inzwischen einen "regelrechten Nachahmungseffekt". Demnach operierten spezialisierte Gruppen zwischen dem spanischen Festland und den Balearen und nutzten gezielt die langen Verfahrensdauern sowie rechtliche Grauzonen aus. Das Profil der Besetzer habe sich verändert: Statt ausschließlich sozial schwacher Familien träten zunehmend organisierte Personen auf, die genau wüssten, "wie sie Eigentümer unter Druck setzen können".

"In manchen Fällen verlangen sie sogar immer höhere Summen, je länger sie in der Immobilie bleiben", zitierte die Zeitung Quellen der Justiz. Besonders groß sei der Druck auf Besitzer von Ferienhäusern und Villen, die mit der Immobilie Einnahmen aus der touristischen Vermietung erzielen oder sie selbst zeitweise nutzen wollen.

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