Die Wahlversprechen der spanischen Regierung auch für Mallorca bestimmen in den vergangenen Monaten die politische Agenda am Regierungssitz in Madrid, Moncloa, und werden sich bis zum Jahresende noch weiter beschleunigen. Ziel der Sánchez-Administration ist es, die Legislaturperiode zu Ende zu bringen und die Parlamentswahlen 2027 mit erfüllten Versprechen zu erreichen, auch wenn dies etwa für den konservativen katalanischen Koalitionsjuniorpartner Junts nicht mehr ausreicht.
Die Infrastruktur, insbesondere ihre Flughäfen, ist im Rahmen dieser Verhandlungsdynamik zwischen Moncloa und den Autonomen Gemeinschaften mittlerweile zu deutlich mehr geworden, als es ein einfaches politisches "Aufteilen des Kuchens" sein könnte. Die Flughäfen im Lande stehen – ob es der spanischen staatlichen Betreibergesellschaft Aena gefällt oder nicht – im Zentrum der Debatte. Und der in einigen Regionalregierungen, darunter auch auf Mallorca und den Schwesterinseln, verwendete Begriff der angestrebten "Ko-Verwaltung" oder Mitbestimmung sorgt bei den Verantwortlichen des öffentlichen Unternehmens Aena regelrecht für Hautausschläge. Zum Hintergrund: Der spanische Staat hält an Aena beziehungsweise den Airports 51 Prozent der Anteile.
Das kürzlich Ende März unterzeichnete Abkommen zwischen Spaniens Ministerpräsident Sánchez und dem baskischen Ministerpräsidenten Pradales, wonach das Baskenland die Ko-Verwaltung der Flughäfen von Bilbao, Foronda und Hondarribia übernehmen wird, sind wie ein Startschuss für ähnlich lautende Forderungen aus Katalonien und Galicien sowie den Balearen und den Kanaren.
Aena-Präsident Maurici Lucena sowie der spanische Verkehrsminister Óscar Puente haben jede Form der Übertragung oder Ko-Verwaltung von Flughäfen entschieden eine Absage erteilt und klargestellt, dass das staatliche Netzsystem nicht gefährdet werden dürfe. Minister Puente betonte, das Aena-Netz "wird nicht angetastet".
Diese einseitige Haltung in Madrid und Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez steht im klaren Widerspruch zu den Grundsätzen von Aena, deren Eigentümerschaft an den Flughäfen durch das Gesetz 18/2014 abgesichert ist. Während alle Details geprüft werden, verfolgt Moncloa weiterhin seinen eigenen Kurs – ungeachtet der Meinung von Fachleuten.
Die katalanische Regierung wird laut ihrem Präsidenten Salvador Illa noch in diesem Jahr eine eigene Flughafengesellschaft, die "Autoritat Aeroportuària de Catalunya (AAC)" gründen, damit diese im Januar 2027 einsatzbereit und startklar ist. Die Kanaren verfolgen eine ähnliche Linie, und die Landesregierung von Galicien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel fordert - ebenso wie die Balearen und Mallorca - eine stärkere Koordination.
Kaum nachvollziehbare, persönliche Entscheidungen
Es wirkt, als hätten sich die Flughäfen spanienweit zu einem ganz eigenen politischen Streitpunkt entwickelt, ohne dass wirklich verstanden wird, was der Betrieb eines solchen Netzwerks bedeutet und was es heißt, an einer Ko-Verwaltung beziehungsweise Mitbestimmung beteiligt zu sein oder nicht. Das bestehende Gesetz selbst ist in dieser Sache eindeutig, und dennoch entsteht der Eindruck, als könnte dieses durch eher eigenwillige und kaum nachvollziehbare, persönliche Entscheidungen quasi ausgehebelt werden.
Unterdessen beobachten die Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Teile der Tourismusbranche diese Entwicklungen mit einer gewissen Unsicherheit und in Sorge, dass etwas, das bewährt funktioniert, plötzlich nicht mehr funktionieren könnte. Es ist eine Sache, eine Ko-Verwaltung zu fordern, und eine andere Sache, über die notwendigen Instrumente zu verfügen, um Verkehrs- und Passagierströme zu steuern – ganz zu schweigen von all den Dingen, die mit Management und Investitionsplänen zusammenhängen, um die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Infrastrukturen am Laufen zu halten. Fazit: Die Airports stehen vor schwierigen politischen, unternehmerischen und touristischen Herausforderung. Und das hat letztlich auch Auswirkungen auf die spanischen und ausländischen Konsumenten und Nutzer dieser Flughäfen.
Über den Autor
Juan Luis Ruiz Collado war jahrzehntelang Tourismusredakteur und Fremdenverkehrskorrespondent des balearischen Medienverlages Grup Serra, in dem auch das Mallorca Magazin erscheint. Er ist als Beobachter und Analytiker wie kein zweiter mit den Entscheidungsträgern in der Branche sowie mit den politischen Akteuren vernetzt. Aus dem (Un-)Ruhestand heraus veröffentlicht er die wöchentliche Kolumne "El Crisol" (Der Gral) in der Wirtschaftsbeilage "El Económico" der spanischen Tageszeitung "Ultima Hora".