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Ende einer Ära: Darum will sich ein deutscher Fußballclubbesitzer auf Mallorca von seinem Verein trennen

Der Berliner Unternehmer Ingo Volckmann mit Wohnsitz auf der Insel ist seit elf Jahren Hauptanteilseigner und Präsident von Atlético Baleares. Im MM-Interview erklärt er, warum er nicht mehr Vereinsboss sein will

Ingo Volckmann will nach elf Jahren Platz für einen Nachfolger machen | Foto: Archiv

| Palma, Mallorca |

Mallorca Magazin: Ihr Verein steht nach 16 Spielen mit 28 Punkten auf dem zweiten Platz der Regionalliga Segunda RFEF Grupo III. Was ist das Fazit nach der Hinrunde?

Ingo Volckmann:Ich bin mit der Leistung der Mannschaft rundum zufrieden. Wir gerieten nach einem hervorragenden Saisonstart im Sommer wegen Verletzungsproblemen unter Druck, haben uns dann aber wieder gefangen und mischen jetzt ganz oben mit. Dazu kommt die erstklassige Leistung im spanischen Pokalwettbewerb, das war wirklich klasse.

MM: Hätten Sie als krasser Außenseiter mit dem Weiterkommen ins Achtelfinale gerechnet?

Volckmann:Gerechnet vielleicht nicht, gehofft schon. Wir haben wirklich traumhaft gespielt und waren bis zu dem Ausscheiden gegen Atlético Madrid die Mannschaft im gesamten Wettbewerb, die die meisten Torchancen generierte. Darauf bin ich mehr als stolz. Insbesondere, dass wir gegen einen Erstliga-Club wie Espanyol Barcelona so überzeugend mithielten, um am Ende verdient 1:0 zu gewinnen.

MM: Und gegen Atlético Madrid sah es über weite Strecken auch so aus, als ob ihre Mannschaft nicht gerade in der Regionalliga spielt.

Volckmann:Ja, mit ein bisschen Glück hätten wir gewinnen können. Mit der 3:4-Niederlage gegen eine Weltklasse-Mannschaft am Ende vom Platz zu gehen, ist dennoch eine fantastische Leistung.

MM: Wurden Sie von Madrid als Underdog behandelt?

Volckmann:Überhaupt nicht. Ich bin mehr denn je „Atléti”-Fan, die Clubführung und das Team haben uns echt freundschaftlich, geradezu herzlich behandelt. Das war mehr als nur respektvoll. Dafür bin ich Madrid wirklich dankbar. Wir haben dort echte Freunde gefunden. Auch darauf bin ich stolz.

MM: Wie werden Sie die zweite Saisonhälfte angehen?

Volckmann:Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle gleich mehrerer Spieler werden wir uns in den kommenden Wochen nach Verstärkung umsehen. Im Angriff müssen wir auf alle Fälle einen weiteren Spieler verpflichten. Wie und wer entscheidet natürlich vor allem der Trainer und die sportliche Leitung des Club. Ich werde aber hinter dieser Entscheidung stehen.

MM:Wie sieht das Saisonziel von Atlético Baleares aus?

Volckmann:Da muss ich nicht lange überlegen. Mit dieser Mannschaft ist der Wiederaufstieg in die dritte Liga fast schon Pflicht, auf jeden Fall ganz klar angepeilt. Das haben die ausgezeichneten Ergebnisse in der Hinrunde gezeigt.

MM:Wie ist die Stimmung im Team?

Volckmann:Sehr gut. Nicht nur die einzelnen Spieler harmonieren miteinander auf dem Platz, auch die Beziehung zwischen Mannschaft und dem Trainerstab und der Clubleitung ist eng. Alles passt sehr gut zusammen. Es macht allen irgendwie Spaß, und das ist sehr wichtig.

MM: Gab es Momente, die Sie dennoch geärgert haben?

Volckmann::Das letzte Spiel vor der Weihnachtspause gegen Barcelona Atlétic nach einer 3:0-Führung noch aus der Hand zu geben, um am Ende 4:4 zu spielen, das war mehr als ärgerlich und hätte einfach nicht passieren dürfen. Mit einem Sieg wären wir über Weihnachten Tabellenführer geworden.

MM: In der Vergangenheit tauchten immer wieder Gerüchte auf, dass Sie den Club verkaufen wollen. Wie ernst ist es Ihnen damit?

Volckmann:Tatsächlich bin ich mehr als zuvor daran interessiert, den Club zu verkaufen oder zumindest einen finanzstarken, passenden Partner mit ins Boot zu holen.

MM: Warum?

Volckmann:Alleine ist Atlético Baleares als ein auch in der Zukunft prosperierendes Projekt einfach nicht mehr zu stemmen. Ich stehe bereits seit über elf Jahren am Ruder und habe dabei mehrere Millionen Euro investiert. Das ist genug. Außerdem glaube ich, dass ein frischer Wind dem Verein gut tun würde.

MM: Gibt es schon konkrete Pläne für Ihren Ausstieg?

Volckmann::Nein, aber ich stehe bereits in Gesprächen mit interessierten Partnern. Wenn es klappt, ist das gut, wenn nicht, ist es auch gut. Ich habe keine Eile. Finanziell steht der Verein auf stabilen Füßen, das Budget für diese und auch die nächste Saison ist gesichert, dennoch bleibt meine Absicht bestehen, mich von Atlético ganz oder teilweise zu trennen, sobald ein interessantes und für den Club geeignetes Angebot zur Übernahme besteht.

MM: Wie sieht es mit Ihrem Privatleben auf der Insel aus?

Volckmann:Es nimmt immer mehr von meiner Zeit in Besitz. Ich habe viele meiner beruflichen Unternehmungen in andere Hände gegeben, auch mein Hotel auf Mallorca vermietet, um einfach mehr Zeit für meine Frau und die Familie zu haben. Wir reisen gerne und genießen das Leben miteinander.

MM: Boxen ist nach wie vor Ihr großes Hobby?

Volckmann:Ja, ich trainiere vier bis fünfmal in der Woche. In den Sandsack zu hauen, ist für mich pure Entspannung, auch wenn ich nicht mehr an Wettbewerben teilnehme, da bin ich mit fast 60 Jahren doch schon zu alt.

Die Fragen stellte Andreas John

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