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Umweltschützer fahren schweres Geschütz gegen neuen Kreuzfahrten-Boom auf

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Palma von Palma. | Gabriel Alomar

| | Mallorca |

In diesem April wird Palma dank Ostern zum wichtigsten Basishafen für die Abfahrten deutscher Kreuzfahrtschiffe, so die Prognosen der Reedereien und der Hafenbehörde der Balearen (APB). Die für diesen Monat prognostizierte Zahl von 43 Anläufen wird die der Jahre 2022 und 2019, dem Jahr vor der Pandemie, übertreffen. Bei einem Großteil der Kreuzfahrttouristen soll es sich um deutsche Urlauber handeln.

Beatriz Orejudo, Vorsitzende des Ausschusses der Empfänger der Vereinigung der Arbeitgeber für maritime Aktivitäten auf den Balearen (APEAM), betonte, dass die Reedereien die zwischen der Balearen-Regierung und dem spanischen Reedereiverband CLIA getroffene Vereinbarung buchstabengetreu einhalten werden: Beide Seiten hatten sich darauf geeinigt, dass nicht mehr als drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig pro Tag im Hafen von Palma anlegen sollen. Weiter verwies Orejudo darauf, dass die Kreuzfahrtschiffe, die in Palma anlegen, einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft der Balearen-Metropole und den Rest der Insel haben. Nach ihren Worten nutzen ein Viertel der Schiffe Palma als Basishafen, das heißt, die Fahrten starten und enden auf Mallorca.

Schweres Geschütz gegen den anstehenden neuen Kreuzfahrten-Boom fahren unterdessen Umweltschützer auf. Unter Berufung auf Daten der Hafenbehörde der Balearen und der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs hat die Beobachtungsstelle für nachhaltigen Tourismus des Inselrates eine Liste erstellt, die den Schadstoffausstoß der rund um Mallorca operierenden Schiffe aufzählt. Nach dieser Liste soll die von der deutschen Reederei Aida betriebene „Aidabella“ die „größte Umweltverschmutzerin“ sein, berichtete die spanische MM-Schwesterzeitung am Karsamstag.

Das genannte Kreuzfahrtschiff mit einer Kapazität für 2050 Passagiere stoße 4931 Kilogramm Kohlendioxid pro Seemeile aus, so die Kritiker von der Beobachtungsstelle für nachhaltigen Tourismus des Inselrates. Jedes Mal, wenn dieses Kreuzfahrtschiff im Hafen von Palma anlege, setze es auf der Hin- und Rückfahrt 118,3 Tonnen CO2 frei. Bei dieser Berechnung wurde die Strecke berücksichtigt, die das Schiff beim Ein- und Auslaufen in balearischen Gewässern, also in der 12 Seemeilen-Zone vor der Küste zurücklegt. Um Mallorca zu besuchen, sei das Schiff demnach 44,4 Kilometer in diesem Bereich unterwegs, was 24 Seemeilen entspreche.

Weiter rechnete die Kreuzfahrt-kritische Beobachtungsstelle vor: Benzinbetriebene Fahrzeuge mit einem durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von sechs Litern pro hundert Kilometer stoßen im Durchschnitt 140 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer aus. Ein Auto stößt also auf der gleichen Strecke, die das Kreuzfahrtschiff bei seinem Besuch auf Mallorca zurücklegt, 6,2 Kilogramm Kohlendioxid aus. Teilt man die Kilo-Emissionen des Schiffes durch die eines Fahrzeugs, so entspricht dies der Umweltbelastung von 19.000 Autos durch das Schiff.

Nach der „Aidabella“ sei das Schiff mit der zweithöchsten Umweltbelastung die „MSC Preziosa“, die pro Seemeile 2657 Kilo CO2 ausstoße. Nach der gleichen Berechnung entspreche dies dem Ausstoß von 10.200 Autos. Das drittschädlichste Schiff sei das Kreuzfahrtschiff „MSC Fantasia“, die 2513 Kilogramm ausstoße.

Weiter berichtet Ultima Hora unter Berufung auf die Beobachterstelle, dass die Daten alle Schiffstypen berücksichtigen, die in den Hafen von Palma ein- und auslaufen würden. Dadurch zeige sich, dass die umweltschädlichsten Schiffe die Kreuzfahrtschiffe seien. Tatsächlich sind die ersten 15 Schiffe in den Daten Kreuzfahrtschiffe. Fähren sowie Frachtschiffe, die Getreide, Zement, Gas oder Öl transportierten, stießen nach denselben Daten nicht mehr als 773,73 Kilogramm CO2 aus. Dies zeige den großen Unterschied zu den Kreuzfahrtschiffen.

Unterdessen betonten gegenüber Ultima Hora Wirtschaftsverbände die große Bedeutung des Kreuzfahrttourismus für Palma. Der Präsident der Hotelvereinigung Palma-Stadt, Javier Vich, sagte: "Die Kreuzfahrten wirken sich positiv auf die Aktivität der Hotels in der Stadt aus, weshalb wir in diesem Jahr zu Ostern eine durchschnittliche Auslastung der Stadt- und Boutique-Hotels von 85 Prozent gegenüber den 80 Prozent im Jahr 2019 verzeichnen werden. Viele Kreuzfahrtpassagiere reisen bereits einige Tage vor der Abfahrt an, um die Insel und Palma zu genießen, was den Anstieg der Aktivitäten um 3 Prozent erklärt, der durch die steigende Nachfrage nach spanischen und europäischen Urlaubsreisen ergänzt wird."

Die Arbeitgeberverbände des Gaststättengewerbes und des Handels weisen darauf hin, dass sich die Ankunft eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen wirtschaftlich positiv auswirkt, "da der zwei- oder dreitägige Aufenthalt in den städtischen Hotels von Palma, je nach den begünstigten Unternehmen, die Einnahmen in den Bars, Cafés, Restaurants, Kaufhäusern und in den Modegeschäften im Zentrum von Palma erhöht".

Der Arbeitgeberverband für touristische Bustransporte FEBT bestätigte, dass die Aktivität der Kreuzfahrtschiffe, da sie nicht saisonabhängig ist, das ganze Jahr bei den Busfahrern für Arbeit sorgt, die die Urlauber zu den Schiffen beförderten, oder zum Flughafen, oder zu den gebuchten Ausflügen zu den wichtigsten touristischen Enklaven Mallorcas wie Deià oder Valldemossa.

Der spanische Verband der Kreuzfahrtunternehmen (CLIA) geht davon aus, dass die Reedereien ihr Engagement für Palma als Basishafen weiter verstärken werden. Der Grund: Der der deutsche und der britische Quellmarkt habe positiv auf die Bemühungen der Reedereien reagiert, die kombinierten Buchungen zu erleichtern für die Reisen, Hotels, Transfers vom Flughafen zu den Unterkünften und zum Hafen selbst. In diesem Sinne stehe Palma in direktem Wettbewerb mit anderen Basishäfen im Mittelmeerraum, wie den wichtigsten italienischen und griechischen Häfen.

Kreuzfahrtgegner organisieren Veranstaltungswoche

Unterdessen haben neun Anti-Kreuzfahrt-Organisationen aus verschiedenen Regionen des Mittelmeers, darunter Barcelona, Venedig, Marseille, Korsika, Palma und Valencia, Aktionen geplant. Sie veranstalten vom 12. bis 15. April ein "Woche gegen Kreuzfahrtschiffe". Dazu werden sie zwei Kundgebungen, eine in Barcelona und eine in Tarragona an der spanischen Ostküste, abhalten. Dazu wird die Sprecherin der mallorquinischen Naturschutzorganisation GOB, Margalida Ramis, bei der Abschlussveranstaltung einen Vortrag mit dem Titel "Ein mit der Klimakrise unvereinbares Modell" halten. Die Kreuzfahrtgegner fordern ein Aus für diese Reiseindustrie.

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