Die Tische sind gedeckt, das Personal bereit, die Sonne scheint über der Hauptstadt von Mallorca– doch viele Wirte im von Urlauber Zentrum warten vergeblich auf Gäste. Was auf den ersten Blick nach Hochsaison aussieht, entpuppt sich für viele Gastronomen als stiller Niedergang. „Dies ist eine neue Krise“, warnt Miquel Carrió, Vorsitzender des Restaurantverbands am Paseo Mallorca. „2007 war es die Immobilienkrise – diesmal trifft es das Gastgewerbe.“
Der Alarmruf kommt nicht überraschend. Schon vor Wochen hatte Juanmi Ferrer, Präsident des regionalen Gaststättenverbandes, auf erste Anzeichen hingewiesen: weniger Reservierungen, kürzere Verweildauern, geringere Umsätze. Jetzt ist aus der Sorge bittere Realität geworden – und Carrió spricht aus, was viele denken, aber wenige öffentlich sagen.
Volle Hotels, leere Tische
Gleichzeitig platzt der Flughafen Son Sant Joan aus allen Nähten, Kreuzfahrtschiffe laden Tausende Touristen in Palma ab – doch in den Bars und Restaurants bleibt es erschreckend ruhig. „Palma ist voll“, sagt Carrió, „aber die Leute geben kein Geld aus.“ Stattdessen: Fertigpizza aus dem Supermarkt, die auf dem Hotelzimmer gegessen wird. Oder ein Sandwich, das mitgebracht und am Strand verzehrt wird – Tupperware inklusive.
„Manche Gäste fragen sogar in der Bar nach Besteck für ihr mitgebrachtes Essen“, erzählt Carrió fassungslos. Die Urlaubskasse sei längst aufgebraucht, bevor man überhaupt an eine Restaurantrechnung denke: „Wenn der Flug 1000 Euro kostet und das Hotel 200 Euro pro Nacht, wer kann sich da noch ein Abendessen für vier Personen leisten, das 200 Euro kostet?“
Ein Sommer wie vor Corona – nur schlimmer
Besonders bitter: Viele hatten nach den Pandemiejahren auf ein Comeback gehofft. Doch laut Ferrer war es „der schlechteste Sommer seit Covid“. Zwar habe es in der zweiten Julihälfte eine leichte Erholung gegeben – aber im Vergleich zum Vorjahr ist die Lage weiterhin angespannt. Die Ausgaben steigen, die Einnahmen sinken. Für kleine Betriebe ist das toxisch.
„Die Inflation bei Lebensmitteln wie Eiern und Öl trifft uns hart“, erklärt Carrió. Dazu kämen gestiegene Steuern für Selbstständige – bei gleichzeitig unsicherer Altersvorsorge. „Und dann noch die Lohnerhöhungen im Gastgewerbe, die im Durchschnitt 180 Euro mehr im Monat kosten – das kann ein kleines Café kaum noch stemmen.“
Wer kann, macht dicht
Die Folge: Immer mehr Betriebe stehen zum Verkauf, noch bevor der Sommer zu Ende ist. „Viele werden den Winter nicht überstehen“, prophezeit Carrió. Besonders bedroht seien kleine Läden: das Ehepaar mit dem Café, der Mann mit dem Imbisswagen. „Sie haben keine Rücklagen, keine Sicherheit – nur Mut. Aber Mut zahlt keine Miete.“