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Haut verbrüht: Schmerz-Drama im Ryanair-Jet nach Mallorca

Eine Tasse Kaffee, kein Deckel und ein wackeliges Tablett: Auf dem Weg nach Mallorca wurde aus einem harmlosen Bordservice ein monatelanges Leiden – und für Ryanair eine teure Lektion

Vorsicht! Ryanair-Flugbegleiter können mitunter gefährlich werden, sobald sie die Kaffeekanne in die Hand bekommen | Foto: Ryanair

| Mallorca |

Eigentlich wollte Denise Elliot nur eines: wach auf Mallorca ankommen. Die 63-jährige Britin war auf dem Flug von Bournemouth Richtung Insel unterwegs, als sie sich einen Kaffee bestellte – ein Routinegriff, der in diesem Fall schmerzhaft endete. Wenige Minuten später war nicht nur der Becher leer, sondern auch ihr Schoß verbrüht. Acht Monate Heilungszeit später überwies Ryanair 5000 Euro Schmerzensgeld.

Kein Deckel, keine Kontrolle

Der Kaffee kam ohne Deckel. Die Stewardess habe ihr erklärt, es gebe schlicht keine mehr an Bord, berichtet Elliot der britischen Daily Mail. Kurz darauf rutschte die Tasse vom Tablett – nicht seitlich, sondern direkt auf ihre Oberschenkel. „Ich habe den Becher nicht umgeworfen“, sagt Elliot. „Sonst wäre er weggeflogen, nicht auf meinem Schoß gelandet.“

Was folgte, war heiß, schmerzhaft – und überraschend langwierig. Die Verbrennungen heilten erst nach acht Monaten vollständig ab. Besonders ärgerlich fand Elliot dabei die Bordausstattung selbst: die bekannten Ryanair-Klapptische mit ihren schmalen Rillen, die Becher eigentlich fixieren sollen. „Die sind eher gefährlich als hilfreich“, sagt sie. Eine echte Überraschung – allerdings keine angenehme.

Erschwerend kam aus Sicht der Betroffenen hinzu, dass sie sich von der Crew allein gelassen fühlte. Elliot ist ausgebildete Krankenschwester und wusste, was sie gebraucht hätte: Kälte. Ein feuchtes Tuch. Schnelle Hilfe. Stattdessen bekam sie zunächst trockenes Papier angeboten. Handtücher? Fehlanzeige.

Später kehrte das Bordpersonal mit Tüchern zurück – allerdings mit solchen, die Alkohol enthielten. Für frische Verbrennungen ungefähr so hilfreich wie Sonnencreme bei Schneesturm, erklärte die Britin sarkastisch im Interview. „Ich bin davon ausgegangen, dass Flugbegleiter in Erster Hilfe geschult sind“, sagte Elliot später. Diese Annahme erwies sich offenbar als zu optimistisch.

Vom Billigflug zum Gerichtstermin

Nach dem Flug war für Elliot klar: Das bleibt nicht folgenlos. Sie brachte den Fall vor Gericht. Ryanair wies jede Verantwortung zurück – zumindest offiziell. Kurz vor der Verhandlung einigte man sich dann doch außergerichtlich. 4350 Pfund Sterling, umgerechnet rund 5000 Euro, wechselten den Besitzer.

Einen Skandal habe sie nie gewollt, betont Elliot. Was sie gestört habe, sei die fehlende Dringlichkeit gewesen. Nicht der Kaffee an sich, sondern der Umgang damit. Für Ryanair bleibt die Sache eine Randnotiz. Für Mallorca-Flieger eine Erinnerung daran, dass auf 10.000 Metern Höhe selbst ein Kaffee mehr Risiko bergen kann als gedacht. Und vielleicht auch ein stiller Hinweis: Manchmal ist das gefährlichste am Flug nicht die Landung – sondern der Bordservice.

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