Die spanische Zentralregierung hat Klage gegen ein balearisches Dekret eingereicht, das die touristische Vermietung von Privatbooten auf Mallorca und den Nachbarinseln – oft als „nautisches Airbnb“ bezeichnet – begrenzt oder ganz verbietet. Madrid sieht darin einen Eingriff in staatliche Kompetenzen, während die Balearen-Regierung auf eigenen Regeln beharrt. Der Konflikt betrifft besonders Mallorca, wo Freizeitboote, Chartertourismus und knappe Liegeplätze ohnehin für Spannungen sorgen.
Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt ein staatliches Gesetz Bootseignern in ganz Spanien, ihre Freizeitboote bis zu drei Monate im Jahr touristisch zu vermieten. Die Maßnahme war im Juli angekündigt worden und trat zum Jahreswechsel in Kraft. Parallel verschärfte die staatliche Seefahrtbehörde die Führerscheinpflichten für kleinere Boote. Bisher durften auch auf Mallorca kleine Schlauchboote mit einer Motorleistung von bis zu 15 PS ohne jeglichen Befähigungsnachweis an Urlauber vermietet werden. Das ist ab 1. Oktober dieses Jahres vorbei.
Balearen pochen auf eigene Regeln
Die balearische Landesregierung setzt weiterhin auf ihr eigenes Dekret zur Ordnung der Charterbranche– solange kein Gericht eine einstweilige Verfügung erlässt. Dieses verlangt unter anderem eine sogenannte „verantwortliche Erklärung“ bei den Behörden sowie festgelegte Orte für das Ein- und Aussteigen von Chartergästen. Zudem warnt die Landesregierung private Vermieter: Wer sein Boot an Urlauber ohne entsprechende Genehmigung und Lizenz vermietet, riskiert den Verlust seines Liegeplatzes in öffentlichen Häfen.
Allerdings ist genau das juristisch umstritten. Viele Marinas und Yachtclubs auf Mallorca unterstehen nicht der Landes-, sondern der staatlichen Hafenbehörde oder privaten Konzessionären. Zudem werden die Chartergenehmigungen von der Zentralregierung ausgestellt. Madrid argumentiert daher, die Balearen überschritten ihre Zuständigkeiten.
Vorwurf der Spekulation
Der balearische Dezernent für Freizeitschiffahrt Toni Mercant wirft der Zentralregierung vor, private Geschäftsinteressen zu begünstigen. Konkret nennt er die Plattform „listaseptima.com“, Spaniens führenden Anbieter für „nautisches Airbnb“. Das Modell übertrage die Ferienvermietung von Wohnungen auf das Meer und öffne der Spekulation mit öffentlichem Raum Tür und Tor. Auf den Balearen gebe es keinen Bedarf für zusätzliche Mietboote, so Mercant.
Auch Sicherheits- und Umweltaspekte spielen eine zentrale Rolle. Die Landesregierung befürchtet mehr Verkehr auf See, höhere Unfallrisiken und stärkeren Druck auf sensible Küsten- und Ankergebiete rund um den Archipel.
Charterbranche warnt vor Chaos
Rückendeckung erhält die Landesregierung von der professionellen Charterbranche. Verbandspräsident Pedro Gil warnt vor täglichen Massenbewegungen auf dem Wasser: Viele Boote würden morgens gleichzeitig auslaufen und abends zurückkehren. Das führe zu Chaos in Häfen, beim Ankern und an Tankstellen. Zudem beklagt der Verband unlauteren Wettbewerb durch unerfahrene Anbieter.
Gil fordert ein verpflichtendes professionelles Zertifikat für alle Vermieter und warnt vor steigenden Liegeplatzpreisen bei gleichzeitig sinkenden Chartertarifen. Langfristig schade das dem gesamten Sektor.
Neben der Klage der Zentralregierung liegt auch eine separate Klage von „listaseptima.com“ gegen das balearische Dekret vor. Ein Gericht hat bislang keine einstweilige Verfügung erlassen. Die Balearen-Regierung kündigte an, ihre Position zu verteidigen – bis ein Richter etwas anderes entscheidet.