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Ausgeballert

Das historische Foto zeigt den ersten Ballermann in Karlsruhe.

| Playa de Palma, Mallorca |

Wie auf Mallorca der Name "Ballermann", insbesondere der vom berüchtigten "Ballermann 6", entstanden ist, darüber gibt es eine Reihe von Theorien, die letztlich darauf warten, von einem Ethnologen bis ins letzte Detail erforscht und für wahr oder unwahr befunden zu werden. Möglicherweise rührt die Herkunft aber auch aus mehreren Ursprungsbiotopen her, die sich gegenseitig befruchtet haben. Auch das wäre ein interessanter Forschungsansatz.

Allgemein herrscht die Auffassung vor, dass die teutonische Zunge, noch dazu biergeschwängert, nicht in der Lage ist, das spanische Wort "Balneario" korrekt und ohne Laller zu artikulieren. Der gemeine Hispano wiederum benutzt das Wort weichlippig für etwas so Edles wie einen "Kurort", verhunzt es aber auch gerne, um damit einen schlichten Strandkiosk als solchen zu bezeichnen , wie er etwa in 15-facher Ausführung an der Playa de Palma zu finden ist. Von daher also die These: Trunkene Urlauber verballhornten das Wort Balneario zu Ballermann.

Es gibt jedoch eine Gegenthese, die auf den Karlsruher Gastronom Karlheinz Schmiedmeier zurückgeht. Dieser eröffnete im Jahre 1969 einen Imbiss im damaligen Rotlicht-Viertel seiner Heimatstadt und nannte das Etablissement "Ballermann". Ballermann wohlgemerkt im Sinne eines Revolverhelden, der mit seinem Colt (ebenfalls Ballermann) wild um sich schießt, also herumballert. Die Idee entnahm Schmiedmeier, wie er gegenüber MM sagte, den alten Westernfilmen. So zierte anfangs ein wie im Comic gezeichneter Cowboy den ersten Imbiss. Als Clou kamen aus den beiden Revolvern, in jeder Hand einer, Würstchen hervorgeschossen. Bekannt wurde das Lokal in der Baden-Metropole für seine Curry-Wurst. In guten Zeiten gingen bis zu 10.000 der würzigen Fleischgerichte am Tag über den Tresen.

Schmiedmeier hatte in den Pioniertagen der Curry-Wurst zudem enge Geschäftskontakte an die Playa de Palma. An der ersten Strandbude, die von 1972 an zum berühmten "Sechser" werden sollte, kopierte man das Konzept des Karlsruhers und übernahm neben der Geschäftsidee (Fast-Food-Verkauf bis spät in die Nacht) auch den Namen. Denn schließlich würde der neue Trend, der in Karlsruhe gut ankam, sicher auch bei deutschen Urlaubern an der Playa ziehen. So erzählte es zumindest Schmiedmeier, und so steht es selbst in Wikipedia.

Jener Imbiss, die Karlsruher Keimzelle des Playa-Ballermanns, hat nun Ende Februar nach fast einem halben Jahrhundert aufgehört zu existieren. Der Sohn des Gründers, der das Lokal vor einigen Jahren übernommen hatte, trennt sich von dem Geschäft und verlässt die Gastronomie. Die badischen Medien schrieben Nachrufe auf das Kult-Lokal; "wieder stirbt ein Stück Karlsruhe", so die Reaktion eines Lesers.

In die alten Räume wird den Berichten zufolge ein neuer Pächter einziehen, der zwar nach wie vor Curry-Wurst anbieten will, jedoch nicht mehr vom Schwein, sondern vom Rind. Auch alkoholische Getränke werden nicht mehr verkauft.

Die Trends der Zeit. Und wenn der Vormarsch der Veganer nicht vor Hunger einbricht, muss vielleicht eines Tages sogar die Rindswurst vegetarisch ersetzt werden. Curry-Tofu.

(Aus MM 10/2016)

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