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Nadelstiche der Enten-Guerilla

Eigentlich auch mit Gummitieren ein Riesenspaß: das Entenwerfen von Can Picafort. | Jaume Morey

| Can Picafort, Mallorca |

Der Küstenort hat den Widerstand noch immer nicht aufgegeben: Beim traditionellen Entenwerfen anlässlich der Fiesta Mare de Déu in Can Picafort sind neben den mit Nummern versehenen Gummienten erneut lebende Tiere aufgetaucht. Diesmal nicht bei der "Suelta de patos", sondern als Prämie bei der anschließenden Ziehung der Glücksnummern.

154 Preise wurden unter den meist jugendlichen Entenfängern verlost: Hotelaufenthalte, Spa- und Friseurbesuche, Restaurant-Gutscheine ... und vier lebende Enten.

Damit haben die Befürworter der Suelta mit lebenden Enten den Tierschützern wieder mal einen Nadelstich verpasst. Die "Asociación Animalista" reagierte auch prompt und kündigte an, das Rathaus von Santa Margalida anzuzeigen.

Der Kampf um das Entenwerfen von Can Picafort dauert nun schon mehr als 20 Jahre. Schon Mitte der 1990er Jahre wurde das Spektakel mit echten Tieren verboten. Es erfüllte nicht die Vorgabe einer mehr als 100-jährigen Tradition, die eine Ausnahme vom Tierschutzgesetz zulässt (etwa beim Stierkampf). Doch die Gemeinde setzte sich über das Verbot einfach hinweg. Und sie konnte sich sicher sein, dass sie damit im Namen der Mehrheit der "Can Picaforters" handelt.

So wurden weiterhin, jeweils am 15. August, lebende und kaum flugfähige Enten von Booten aus ins Meer geworfen, auf dass die Dorfjugend sie einfange. Zimperlich wurde mit den Tieren dabei nicht umgegangen. Einige überlebten das Fest mit gebrochenen Flügeln - oder gar nicht. In früheren Jahren landeten die "Patos" übrigens meist in Kochtöpfen, in den letzten Jahren war es eher Brauch, die Vögel, sofern noch intakt, in einem Feuchtgebiet auszusetzen.

Irgendwann bekam die Gemeinde Bußgelder wegen der Tierquälerei aufgebrummt, was aber auch niemanden zum Umdenken bewegte. Die Gemeinde zahlte halt. Erst als strafrechtliche Konsequenzen gegen die Verantwortlichen angedroht wurden, knickten die Organisatoren ein: Seit 2006 werden Plastikenten geworfen.

Aber der Widerstand der Enten-Guerilla ging weiter. Mehrfach mischten Unbekannte echte Enten unter die Gummitiere. Das Volk, gerne in Bekenner-T-Shirts mit der Aufschrift "Si volem patos" (Wir wollen Enten), johlte. Man sagt, dass die Einwohner bis heute mehrheitlich für die Suelta mit echten Tieren stimmen würden, dürfen sie denn entscheiden.

Bleibt die Frage, wer die vier Enten vom vergangenen Montag ins Spiel gebracht hat. Die Offiziellen haben angeblich keine Ahnung. Bedeutsam könnte sein, dass sich die Vögel in einem Karton mit dem Logo der valencianischen Regierung befanden. Denn in der Provinz Valencia befindet sich die Stadt Sagunt, und die streitet ebenfalls um den Fortbestand des quälerischen Brauchtums. War es möglicherweise Schützenhilfe von Kampfgenossen?

Die Enten-Mafia mag weiter Nadelstiche setzen - das Rad der Zeit kann sie nicht mehr anhalten.

(aus MM 34/2016)

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