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"Mallorca ist wie ein Sechser im Lotto": Diese Eurowings-Pilotin liebt ihr Insel-Leben

Die 58-jährige Amalia Moser ist Kapitänin bei Eurowings und auf Mallorca stationiert. Warum Gleichberechtigung für sie selbstverständlich ist und Konkurrenzkämpfe im Cockpit keinen Platz haben

Amalia Moser blickt auf mehr als 30 Jahre Erfahrung als Pilotin und Kapitänin zurück, seit drei Jahren ist sie für Eurowings auf Mallorca stationiert | Foto: Eurowings/privat

| Mallorca | |

Ein kurzes Raunen geht durch den Flieger, als sich eine weibliche Stimme aus dem Cockpit meldet. Mit sanftem osteuropäischem Akzent begrüßt Eurowings-Kapitänin Amalia Moser ihre Fluggäste auf dem Weg von Hannover nach Palma. Was für die 58-Jährige selbstverständlich ist, ist für viele Reisende an Bord eine Seltenheit oder gar eine Premiere. „Ich fliege zum ersten Mal mit einer Frau”, kommentiert eine Passagierin. Auch die MM-Redakteurin, die sich ebenfalls in der Maschine befindet, ist überrascht und beeindruckt – und weiß sofort: Diese Frau will sie interviewen.

Amalia Moser blickt auf mehr als 30 Jahre Erfahrung als Pilotin und Kapitänin zurück. Ihre Karriere begann in den 1990er Jahren in Rumänien, sie war die erste Pilotin bei der nationalen Fluggesellschaft Tarom. Vier Jahre später, mit nur 28 Jahren, stieg sie zur jüngsten Flugkapitänin in der Geschichte der Airline auf. Danach ging es in Deutschland weiter, wo sie als erste weibliche Kapitänin für Team Lufthansa tätig war, dem Verbund regionaler Partner-Airlines der Lufthansa. Befördert hat sie mehr als eine Million Passagiere bei über 11.000 Starts und Landungen. Seit rund drei Jahren fliegt sie nun für Eurowings und ist seit zwei Jahren auf Mallorca stationiert.

Elf Jahre war die Deutsche als Kapitänin bei Air Berlin im Einsatz und flog oft mit ihrem Ehemann. Alle Fotos: Eurowings/privat

Als Amalia Moser ihre Karriere in der Luftfahrt begann, war sie es gewohnt, die einzige Frau unter vielen Männern zu sein. „Ich war oft alleine mit 15 Kollegen in einem Raum”, erinnert sie sich. Mittlerweile hat sich die Branche verändert – zumindest ein wenig. Obwohl 2021 weltweit nur 5,8 Prozent der Piloten in der kommerziellen Luftfahrt weiblich waren, liegt der durchschnittliche Frauenanteil bei der Airline Eurowings mit über acht Prozent etwas höher. „Wir werden immer mehr”, kommentiert die Kapitänin mit einem Lächeln.

Frauen und Männer im Cockpit: Die Idealbesetzung

Frauen und Männer gemeinsam im Cockpit, das sei auch ein Vorteil im Arbeitsalltag: „Weil unterschiedliche Fähigkeiten zusammenkommen, kann so eine optimale Lösung entstehen. Die Balance zwischen den Geschlechtern kann auch ein Gewinn sein.” Nicht das Ego des Einzelnen, sondern die Sicherheit der Fluggäste stehe im Vordergrund. „Über den Wolken sind alle gleich”, meint Moser und unterstreicht damit ihre Überzeugung: Beim Fliegen zählt nicht das Geschlecht, sondern Kompetenz und Teamgeist. „Im Cockpit gibt es keine Konkurrenz.” Dafür seien die Abläufe an Bord zu komplex und von zu großer Bedeutung, erklärt sie.

Wie gut Männer und Frauen im Arbeitsalltag harmonieren können, weiß Amalia Moser sehr gut. Denn gemeinsam mit ihrem Mann, der auch Pilot ist, arbeitete sie elf Jahre lang bei Air Berlin. Das Paar ist auch oft gemeinsam geflogen, sie saß dabei oft als Kapitänin auf dem linken Platz im Cockpit. „Wir haben viel gelacht an Bord. Mein Mann hat mich immer mit ‚meine Frau’ angesprochen, ich hingegen habe ihn immer meinen ‚Kollegen’ genannt”, erinnert sie sich zurück.

Stolze Fluggäste

Dass Amalia Moser heutzutage als Frau einen Flieger für Eurowings lenkt, sorge nach wie vor für Erstaunen. „Aber die Reaktionen sind immer positiv. Ich habe noch nie von einem Kollegen etwas Schlechtes gehört.” Ähnliches Feedback kommt auch von den Passagieren, berichtet sie. Auch von Männern bekäme sie oft ein „Daumen hoch”, wenn der Flug vorbei ist und sie ihre Gäste an der Cockpittür verabschiedet. Meistens seien es aber Frauen, die sie beglückwünschen und stolz sind, mit einer Frau geflogen zu sein.

Die 58-Jährige hat viele Facetten. Sie ist nicht nur Pilotin und Kapitänin, sondern auch Mutter, Coach, Speakerin und Buchautorin. Neben der Fliegerei hat sie Wirtschaftspsychologie studiert und sich während der Corona-Pandemie der Weiterbildung von Führungskräften in Unternehmen zugewandt – basierend auf einem Konzept aus der Fliegerei. Damals verließ sie für zwei Jahre das Cockpit, um sich als Coach selbstständig zu machen. „Doch ich habe alles vermisst: die Technik, die Dynamik. 9-to-5 war nichts für mich”, erklärt sie mit einem Lachen. Der erste Flug nach zwei Jahren fühlte sich an wie „nach Hause kommen.”

Mallorca ist ein Sechser im Lotto

Als sie das Angebot von Eurowings bekam, auf Mallorca stationiert zu werden, war es für Moser „wie ein Sechser im Lotto”. Sie klingt, als könne sie ihr Glück auch heute noch kaum fassen. „Manchmal bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich im Urlaub bin, oder wirklich hier lebe.” Zusammen mit ihrem pensionierten Mann wohnt sie auf einer Finca. „Die Lebensqualität auf Mallorca ist sehr hoch.”

Ihr Leben auf der Insel fühlt sich wie Urlaub an: Die 58-Jährige liebt es, auf Mallorca zu golfen und Motorrad zu fahren.

Während ihr Mann „glücklicher Rentner am Pool” ist, wie sie sagt, bleibt Amalia Moser in Bewegung. Denn wenn die Pilotin nicht gerade im Flieger sitzt, spielt sie Golf oder erkundet Mallorca auf ihrer Harley-Davidson. Ihren Motorradführerschein hat sie mit 50 Jahren gemacht und alle Prüfungen im ersten Versuch bestanden. Von Ruhestand keine Spur – stattdessen will sie bald Klavierspielen lernen.

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