Mallorca kann auch Gangster-Epos. Und zwar eines mit Weltrang. Während anderswo in Spanien noch über Förderquoten und Streamingkrisen diskutiert wird, lässt Paramount+ im Norden der Insel schwere Geschütze auffahren: Für die zweite Staffel der Serie „MobLand“, so berichtet die spanische MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“ hat sich die Produktion einen Drehort ausgesucht, der selbst nach internationalen Maßstäben einschüchternd wirkt. Sa Fortalesa de Pollença, eine historische Festung auf einer Halbinsel zwischen Bucht und offenem Meer, dient als Kulisse für einen Mafia-Machtkampf – und als temporärer Arbeitsplatz für die Hollywood-Stars Tom Hardy, Ex-Bond Pierce Brosnan und Helen Mirren.
Dass hier gerade gedreht wird, ist kein Zufall, sondern eine Ansage. Wo früher Kanonen standen, posieren nun Kamerakräne. Wo Piraten abgewehrt wurden, werden heute Dialoge geschossen. La Fortalesa ist nicht nur eines der teuersten privaten Anwesen der Balearen, sondern auch ein Ort, der schon beim Betreten sagt: Hier wird nicht verhandelt, hier wird entschieden. Perfekt also für eine Serie, in der Konflikte selten ausdiskutiert, sondern meist final gelöst werden.
„MobLand“, 2025 bei Paramount+ gestartet, erzählt vom brutalen Bandenkrieg zweier irischer Mafiafamilien in London. Tom Hardy spielt den Strippenzieher Harry Da Souza, einen Mann, der Ordnung ins Chaos bringen soll – und dabei selbst immer tiefer darin versinkt. Pierce Brosnan gibt den Patriarchen Conrad Harrigan, einen Clanboss alter Schule, der Macht nicht erklärt, sondern lebt. Helen Mirren komplettiert das Trio als ebenso elegante wie gnadenlose Gegenspielerin. Dazu ein Soundtrack, der keine Gefangenen macht: The Prodigy, Nick Cave, The Clash – und im Vorspann Fontaines D.C. mit „Starburster“. Gewalt als Prinzip, nicht als Ausrutscher.
Dass diese Serie nun ausgerechnet auf Mallorca weitergedreht wird, wirkt wie ein bewusst gesetzter Kontrast. Keine Studiokulisse, kein austauschbarer Drehort. Sondern Mauern aus dem 17. Jahrhundert, gebaut 1628 als Verteidigungsanlage gegen Piraten, später Militärstützpunkt im Bürgerkrieg, heute Luxusresidenz zum Mieten mit Pools, Gärten, Tennisplätzen – und Hubschrauberlandeplatz. Wer hier landet, kommt nicht zufällig vorbei.
Eine Festung mit Serien-Erfahrung
Sa Fortalesa hat Übung im Umgang mit internationalem Starkult. Bereits „The Night Manager“ mit Tom Hiddleston und Hugh Laurie machte das Anwesen weltberühmt – und bewies, dass Mallorca mehr kann als hübscher Hintergrund zu sein. Später folgte Netflix’ „Turn Up Charlie“ mit Idris Elba. Nicht jede Produktion wurde ein Hit, aber jede hinterließ Spuren: in der Wahrnehmung der Insel und in der lokalen Branche.
Denn solche Drehs sind mehr als Glamour. Hotels, Transportfirmen, Caterer, Techniker, Komparsen – sie alle profitieren, wenn internationale Produktionen auf der Insel Station machen. Das Interesse ist entsprechend groß, auch wenn die Ankunft der Stars selbst mit maximaler Diskretion behandelt wird. Ob Brosnan, Mirren und Hardy schon vor Ort sind? Möglich. Bestätigt wird nichts. Sa Fortalesa bleibt, was sie immer war: abgeschottet.