Wenn Kulturen auf Mallorca aufeinanderstoßen, dann reibt man sich immer die Augen. Noch interessanter als ohnehin schon wird es in dieser Hinsicht, wenn Deutsche und Spanier involviert sind. Geschieht das auf eher kleinem Raum, stehen sich zwei vollkommen unterschiedliche Energien gegenüber, und man ist als Beobachter zuweilen belustigt, zuweilen aber auch baff bis verwirrt.
Wie das etwa dieser Tage im „Adults-only”-Hotel THB Felip am jüngst runderneuerten Uferboulevard von Porto Cristo geschieht. Hier treffen meist stille deutsche Touristen auf eher gesprächige und quirlige Kurzurlauber aus Palma und anderen Teilen der Insel, die die Winter-Sonderangebote (auf spanisch „gangas”) dieser ganzjährig geöffneten, schon über 100 Jahre alten Herberge nutzen.
Im übersichtlichen Spa sitzt man dann, woher auch immer man kommt, auf einem Haufen: Während die spanischsprachigen Besucher in Grüppchen im Pool hocken und laut schwatzen und ohne Handtuch in die Sauna oder ins türkische Bad finden, fallen Bundesbürger eher durch Schweigsamkeit bis Streitsucht auf. Wieso er denn kein Handtuch habe, raunzt ein deutscher Hotelgast in der Sauna einen jungen Spanier an, der sich dort aus dem Pool kommend einfach hinsetzte. Der Einheimische ignoriert den mitteleuropäischen Mallorca-Gast, der fortan einfach den Mund hält.
Unvereinbare Sphären
Der Kulturkampf nimmt im Speisesaal nochmal gehörig Fahrt auf: Sitzen die meist ruhigen Deutschen teils bereits um 19 Uhr meist kerzengerade an ihren Plätzen, bemerkt man die herbeieilenden Spanier mindestens anderthalb Stunden später bereits aus der Ferne am Geräuschpegel. Am Tisch ruft einer freudig aus: „ ¡Tío, qué buena está la palta, coño!”, („Hey Kumpel , wie gut schmeckt doch die Avocado, coño!)” . An mehreren Tischen sitzen derweil deutsche Paare, schauen sich bei Rotwein mit ab und an sogar deutlich heruntergezogenen Mundwinkeln in die Augen oder blicken aneinander vorbei. An weiteren Tischen befinden sich Alleinreisende, die ins Leere schauen. Wortlos und mit raumgreifenden Schritten holen sie sich die Speisen vom Buffet.
Das Aufeinandertreffen der Kulturen im Hotel verdeutlicht die riesige Distanz. Während sich die einen freuen, lachen, das Hier und Jetzt leben, sich viel Zeit nehmen, spulen die anderen meist wortlos und ohne sichtbare Regungen hochkonzentriert ihr Spa- und Speiseprogramm ab.
Und es passiert jedes Jahr dasselbe, zumal das Felip als eines der einzigen an der Ostküste der Insel ein ganzjährig betriebenes Spa aufbieten kann. Die winterliche Begegnungsstätte der Kulturen in Porto Cristo ist ein Nebeneinander von Sphären, die vollkommen unabhängig voneinander existieren und durchaus eine gewisse Unvereinbarkeit unter Beweis stellen.