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Umweltschützer: So brutal wird Mallorca mit Häusern zugebaut!

In nur drei von der Umweltgruppe Terraferida untersuchten Jahren entstanden sage und schreibe 846 Anwesen dieser Art auf der Insel. Und nicht nur das

Auf Mallorca wird gebaut wie wild- (Symbolbild) | Foto: Gemma Andreu

| Mallorca | |

Im Durchschnitt fünf neue Villen pro Woche – das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie der Umweltaktivistengruppe Terraferida über die Bebauung von ländlichem Grund auf Mallorca. Dazu analysierte der Geograf Mateu Vic rund ein Jahr lang Satellitenaufnahmen aus den Jahren 2021 bis 2024 von der Insel. Unlängst stellte das Kollektiv die Ergebnisse seiner Studie in Palma vor.

„Es handelt sich um große Luxusimmobilien mit Swimmingpools und großen Gärten, von denen viele für die Vermietung an Touristen bestimmt sind”, sagte der Sprecher von Terraferida, Jaume Adrover, über die 846 Villen, die in den drei untersuchten Jahren entstanden sind. Eine Villa, die die Gruppe zeigte, verfügte sogar über einen eigenen Golfplatz, was immer häufiger vorkomme und was das Kollektiv bei der Generaldirektion für Wasserressourcen der Regierung anzeigen will. Terraferida hat auch den Bau einer 1,6 Kilometer langen unbefestigten Straße entdeckt, die zu einer Wohnsiedlung in Cala Murada führt, sowie einige Villen in Gebieten des Tramuntana-Gebirges, die nicht zum Naturgebiet von besonderem Interesse (ANEI) gehören. „Wo eine Lücke ist, wird gebaut, und da die Bauherren so viel Geld haben, machen sie, was sie wollen”, sagte Adrover.

Zwischen 2021 und 2024 wurden der Studie zufolge auf Mallorca 546 Hektar landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Fläche umgewandelt. Der Großteil wurde für den Bau und die Erweiterung der bereits erwähnten Luxusimmobilien verwendet (57 Prozent), gefolgt von Photovoltaikanlagen (25 Prozent). Einschließlich der erschlossenen Fläche der Jahre 2015 bis 2021, die Terraferida in einer vorherigen Studie untersucht hatte, wurden laut dem Kollektiv in neun Jahren 1389 Hektar bebaut. Diese Menge entspricht einer Ausdehnung (15,69 Quadratkilometer), die größer ist als das Gemeindegebiet von Costitx. „Würde eine Bebauung dieser Größenordnung angekündigt, gäbe es eine enorme gesellschaftliche Reaktion, aber wenn sie verstreut erfolgt, wird ihre Auswirkung nicht wahrgenommen”, betonte Adrover. „Heute ist sich ein Großteil der Bevölkerung nicht bewusst, was vor sich geht.”

„Deshalb kommen wir darauf zurück, weil wir darauf Einfluss nehmen müssen”, fügte Geograf Mateu Vic hinzu. „Ich glaube, dass sich mehr Menschen dieser Auswirkungen bewusst werden können. Terraferida ist notwendig, um diese Analysen zu erstellen.” Die Gruppe hatte sich 2015 gegründet, stark soziale Medien genutzt und zu Beginn ihrer Aktivität eng mit der Bevölkerung zusammengearbeitet. Vor drei Jahren hatte sich das Kollektiv aufgelöst. Die Präsentation in der zurückliegenden Woche war gleichbedeutend mit ihrer Rückkehr in den Aktivismus.

Verheerende Konsequenzen der Urbanisierung

Dabei erläuterten Adrover und Vic auch die Konsequenzen der Urbanisierung: „Die Umwandlung der Randgebiete in Vororte wirkt sich auf das gesamte Territorium aus und stellt heute die größte Umweltbedrohung dar. Sie hat einen gentrifizierenden Effekt und hat zum Verschwinden von Tausenden von landwirtschaftlichen Betrieben und Flächen geführt, womit wir uns von einer Ernährungssouveränität entfernen. Wege werden asphaltiert, der Zugang zu historischen Pfaden wird blockiert, invasive Arten breiten sich aus und der Einsatz von Pestiziden vervielfacht sich. Das Grundwasser wird mit Abwässern verseucht und es kommt zu einem allgemeinen Anstieg der Wohn- und Verbraucherpreise.”

Aus diesen Gründen forderte Terraferida ein sofortiges Moratorium für Wohnimmobilien im ländlichen Raum sowie einen neuen Insel-Raumordnungsplan (PTI), der diese Flächen wirksam schützt und unter anderem landwirtschaftliche Nutzungen priorisiert. Darüber hinaus sprachen sich die Aktivisten für einen Sanierungsplan für Wohngebäude in den historischen Zentren der Dörfer Mallorcas mit sozialen Kriterien aus, der bei Bedarf die Schaffung neuer Arbeitsplätze ermöglicht. Als Lösungsmaßnahme schlug die Gruppe die Abschaffung der Ferienvermietung vor, die „das Interesse am Bau vieler dieser Häuser in ländlicher Umgebung verringern würde, denn genau dafür werden sie gebaut”, so Mateu Vic.

Am Folgetag der Präsentation meldete sich die Balearen-Regierung zu Wort und betonte, dass sie „keine einzige restriktive Entscheidung treffen” und „Privateigentum respektieren” werde. Sprecher Antoni Costa wies darauf hin, dass die Anträge für Einfamilienhäuser auf dem Land im Jahr 2025 um die Hälfte zurückgegangen seien.

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