Die balearische Landesregierung will mit einem umfassenden Maßnahmenpaket den angespannten Wohnungsmarkt auf den Inseln entlasten. Wie Wohnungsbauminister José Luis Mateo am Mittwoch bekanntgab, befinden sich "derzeit 4889 Wohneinheiten in der Planungsphase". Damit nähere sich die Regierung ihrem erklärten Ziel von 7000 neuen staatlich geförderten Wohnungen, deren Baubeginn in die gegenwärtige Legislaturperiode fallen soll.
"Wir verstecken uns nicht vor dieser Herausforderung", sagte Mateo bei der Vorstellung der Zwischenbilanz. Die geplanten Mietwohnungen sollen je nach Lage und Ausstattung zwischen 491 und 1032 Euro monatlich kosten. Die Kaufpreise bezifferte Mateo mit 131.000 bis 275.000 Euro, bei Sozialwohnungen sollen die Preise um 30 Prozent niedriger liegen.
Das Maßnahmenpaket der Landesregierung umfasst nach Darstellung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" verschiedene Ansätze: Geschäftsräume können unbürokratischer in Wohnungen umgewandelt, bestehende Gebäude aufgestockt und ursprünglich für öffentliche Einrichtungen vorgesehene Flächen zum Wohnungsbau genutzt werden. All das mit dem übergeordneten Ziel, das Angebot an bezahlbarem Wohnraum möglichst schnell zu erhöhen. Die staatliche balearische Wohnungsbaugesellschaft IBAVI plant zudem 869 neue Einheiten in eigener Regie.
Die Maßnahmen, so der oberste Wohnungsbauer der Balearen, stießen bei den Gemeinden auf breite Unterstützung. 52 der 67 Inselkommunen beteiligten sich bereits an der Umsetzung. Konkret sei bisher der Bau von 1668 Wohnungen bei den Gemeinden beantragt worden. Weitere 2371 Einheiten seien im Programm Construir para alquilar (Bauen zum Vermieten) vorgesehen. Hierbei werden öffentliche Grundstücke an private Investoren vergeben.
Mateo räumte allerdings ein, dass die Preise auf Mallorca und den Nachbarinseln "noch immer hoch" seien. "Das Hauptproblem ist der akute Mangel an Angeboten", erklärte Mateo. Die aktuelle Situation sei das Ergebnis einer "mangelhaften Strategie" der vergangenen acht Jahre – damit schob Mateo die Hauptschuld an der Wohnungsmisere dem Fortschrittspakt zu. Mit dem neuen Ansatz wolle sein Ministerium nun das Angebot an bezahlbarem Wohnraum deutlich erhöhen.
Wie ernst es um die Lage auf dem Wohnungsmarkt steht, verdeutlichen aktuelle Zahlen. Nach Informationen des spanischen Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung erreichten die Preise für Wohnimmobilien auf den Balearen im vierten Quartal 2024 einen neuen Höchststand. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für freifinanzierte Wohnungen stieg binnen Jahresfrist demnach um 12,1 Prozent auf 3316,70 Euro. In manchen Ortschaften auf den Inseln stiegen die Preise um rund 20 Prozent. Und wo teuer verkauft wird, wird teuer vermietet.
Zum Vergleich: Spanienweit erhöhten sich die Immobilienpreise im selben Zeitraum um sieben Prozent auf durchschnittlich 1972,10 Euro pro Quadratmeter. Das Ministerium wies Befürchtungen über eine neue Immobilienblase dennoch zurück. Die aktuellen Schätzwerte lägen noch unter den Marktpreisen, was für eine "gesunde Kreditvergabe" und eine gewissen "Vorsicht" am Markt spreche.