Im Gefängnis von Palma de Mallorca sorgt derzeit ein handfester Korruptionsskandal für Schlagzeilen. Nachdem bereits vor wenigen Tagen ein leitender Beamter wegen Bestechung festgenommen worden war, haben Ermittler nun einen zweiten Gefängnisbeamten sowie eine Frau aus dem Umfeld eines Häftlings verhaftet. Der Vorwurf: gezielte Begünstigung von Insassen gegen Geld und andere Vorteile. Die Ermittlungen der spanischen Nationalpolizei laufen auf Hochtouren – und könnten noch weitere Beteiligte ans Licht bringen.
Nach Angaben aus Justizkreisen stehen die beiden Beamten und die Angehörige eines Häftlings im Verdacht, Teil eines Systems von „Gefälligkeiten“ innerhalb der Haftanstalt gewesen zu sein. Luxusartikel, Sonderbehandlungen und interne Absprachen sollen gegen Bestechung ermöglicht worden sein. Zuständig für die Ermittlungen ist die Spezialeinheit gegen organisierte Kriminalität (UDYCO) in Zusammenarbeit mit der Strafvollzugsaufsicht.
Luxusartikel für Betrügerin – alter Fall rollt neu auf
Im Zentrum der Affäre steht ein Dienstleiter des Gefängnisses, der bereits im Sommer 2024 auffällig geworden war. Damals wurde er für 45 Tage vom Dienst suspendiert und ohne Gehalt freigestellt, weil er einer rumänischen Insassin verbotene Luxusartikel beschafft hatte. Die Frau saß wegen schweren Betrugs ein: Sie hatte unter anderem einen auf Mallorca lebenden wohlhabenden Deutschen um rund 400.000 Euro gebracht, indem sie ihm eine angebliche Scheidung und eine persönliche Notlage vorgespielt hatte.
Die Betrügerin gab sich zudem als Mitglied einer Millionärsfamilie aus und gewann so das Vertrauen mehrerer Opfer. Interne Untersuchungen ergaben später, dass sie im Gefängnis bevorzugt behandelt worden war – offenbar gegen Geldzahlungen. Nach Ablauf seiner Suspendierung kehrte der Beamte jedoch auf seinen Posten zurück. Genau das wurde ihm nun zum Verhängnis.
Denn laut Ermittlern setzte sich die mutmaßliche Korruption fort. Der Dienstleiter soll erneut Absprachen mit Häftlingen getroffen und sich von einem bekannten Straftäter bestechen lassen haben, der derzeit im Gefängnis an der Straße nach Sóller einsitzt. Am vergangenen Donnerstag wurde der Beamte schließlich festgenommen – und ausgerechnet in „sein“ eigenes Gefängnis eingeliefert, wo er zuvor Verantwortung trug.
Aufruhr im Gefängnis – Ermittler prüfen weitere Fälle
Die Verhaftung hat innerhalb der Haftanstalt für großes Aufsehen gesorgt. Justizbeamte und Polizisten erschienen in den vergangenen Tagen mehrfach im Gefängnis, führten Gespräche mit der Leitung und sammelten Informationen. Unter den Mitarbeitern herrscht Fassungslosigkeit. Einige sprechen von einem Einzelfall, andere sagen offen, die Entwicklung habe sich „abgezeichnet“.
Unstrittig ist jedoch: Der Schaden für das Ansehen des Gefängnisses von Palma ist erheblich. „Das ist ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der gesamten Einrichtung“, heißt es aus dem Umfeld der Justiz. Besonders brisant: Neben dem inhaftierten Dienstleiter wurde ein weiterer Beamter festgenommen, allerdings unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch eine Frau aus dem familiären Umfeld eines Häftlings steht wegen Bestechung unter Anklage.
Die Ermittler schließen nicht aus, dass das Netzwerk größer ist als bislang bekannt. Weitere Festnahmen seien möglich, heißt es aus Polizeikreisen. Ziel sei es nun, vollständig aufzuklären, wie weit das System der Gefälligkeiten reichte und welche Häftlinge davon profitierten.
Der nun inhaftierte Beamte war zudem bereits früher ins Visier der Behörden geraten. Zu Beginn des Fall um den ehemaligen mallorquinischen Nightlife-König Bartomeu Cursach (u.a. Mega Park) hatte ihn ein bekannter Drogenhändler angezeigt. Damals ging es um den Vorwurf, der Beamte habe ihn im Gefängnis unter Druck gesetzt, einen entlastenden Brief zu unterschreiben. Zu einer Verurteilung kam es damals nicht – doch der aktuelle Skandal wirft ein neues Licht auf die Vergangenheit.