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Sie betrieben wohl Europas größte illegale Schildkrötenzucht: Mallorca-Deutsche vor Gericht

Wegen Artenschutz-Verstößen und Geldwäsche im großen Stil fordert die Staatsanwaltschaft mehrjährige Haftstrafen für das Residenten-Paar

Ein Guardia Civil Beamter bei der Razzia auf der Finca der Deutschen bei Llucmajor | Foto: Guardia Civil Llucmajor

| | Mallorca | |

Vor dem Landgericht auf Mallorca hat am Montag, 19. Januar, ein spektakulärer Prozess begonnen, der seit Jahren für Aufsehen sorgt. Ein deutsches Ehepaar muss sich wegen mutmaßlichen Schmuggels, illegaler Zucht geschützter Schildkrötenarten und Geldwäsche verantworten. Der Fall reicht zurück bis ins Jahr 2018 – und könnte für die Angeklagten mit mehrjährigen Gefängnishaften enden.

Zum Auftakt beantragte die Verteidigung der beiden Deutschen, die auf einem Anwesen in Llucmajor lebten, die Nichtigerklärung zentraler Teile des Verfahrens. Konkret geht es um Durchsuchungen, Telefonüberwachungen sowie Gutachten und Autopsien der beschlagnahmten Tiere. Die Anwälte argumentieren, ihre Mandanten hätten in Deutschland eine Genehmigung für Tierzucht besessen und auf Mallorca mehrfach versucht, eine offizielle Erlaubnis zu erhalten. Zudem hätten sie die Behörden stets über ihre Tätigkeit informiert.

Die Staatsanwaltschaft weist diese Darstellung entschieden zurück. Nach ihrer Auffassung waren die Aktivitäten von Beginn an illegal, da sie geschützte Arten betrafen, deren Zucht und Handel strengen internationalen Regeln unterliegt. Keiner der Angeklagten habe über die notwendige Qualifikation oder Genehmigung zur Zucht und Vermarktung verfügt. Den Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass sich unter den Tieren zahlreiche geschützte Arten befanden – darunter ausgewachsene Exemplare, Jungtiere und Eier.

Über 1000 Schildkröten beschlagnahmt

Im Juni 2018 durchsuchten Beamte der Umweltpolizei Seprona gemeinsam mit Inspektoren das Anwesen in Llucmajor. Vorausgegangen war die Entdeckung einer Lieferung geschützter Schildkröten mit falschen Papieren am Flughafen von Palma. Was die Ermittler vorfanden, hatte industrielles Ausmaß: Reihen von Plastikbecken und Terrarien, Brutkästen für Eier, Kühlschränke für frisch geschlüpfte Jungtiere.

Zwischen Ende Juni und Mitte Juli wurden insgesamt 1063 Schildkröten beschlagnahmt. Darunter befanden sich Wasser-, Land- und Waldschildkröten sowie Galápagos-Arten. Der geschätzte wirtschaftliche Gesamtwert der Tiere, einschließlich der aus beschlagnahmten Eiern geschlüpften Exemplare, lag laut Anklage bei mehr als 545.000 Euro.

Die Tiere wurden in die Einrichtungen der Stiftung Natura Parc gebracht und dort unter gerichtlicher Aufsicht untergebracht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verursachte allein ihre Versorgung Kosten von über 187.000 Euro. Diese Ausgaben trug bislang der Staat – sie sollen nun im Rahmen der zivilrechtlichen Haftung von den Angeklagten zurückgefordert werden.

Weitere Angeklagte und Haftforderungen

Neben dem deutschen Paar ist auch der Betreiber eines auf Reptilien spezialisierten Zoogeschäfts in L’Hospitalet de Llobregat bei Barcelona angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, zahlreiche Schildkröten von den Hauptangeklagten erworben zu haben. In seinem Geschäft stellten die Ermittler 58 Exemplare sicher. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren.

Für das deutsche Ehepaar beantragt die Anklage jeweils fünfeinhalb Jahre Gefängnis wegen Schmuggels, Verstößen gegen den Tierschutz und Geldwäsche. Das Verfahren ist auf mehr als zwei Wochen angesetzt – fast ein Jahrzehnt nach der spektakulären Razzia in Llucmajor.

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