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Halb Fisch, halb Ross: So päppelt das Palma Aquarium Seepferdchen auf

Seepferdchen sind eine seltene Spezies im Mittelmeer rund um Mallorca. Gerät einer der filigranen Gesellen in ein Fischernetz, wird er in das Palma Aquarium gebracht. MM besuchte die Räumlichkeiten

Ein Exemplar des langschnäuzigen Seepferdchens („Hippocampus guttulatus”) schwimmt in einem der 
Bassins im Aufzuchtbereich des Palma-Aquariums. 
Fotos: P. Lozano

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Wenn Debora Morrison mit der Hand fast zärtlich über die Bassins mit Seepferdchen streichelt, dann tut sie das voll und ganz mit dem Bewusstsein, eine Wohltäterin zu sein. Die Chefin der Stiftung „Palma Aquarium” beschäftigt sich seit vielen Jahren in den nicht öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten des unübersehbaren Meerestier-Refugiums nahe der Playa de Palma mit der Aufpäppelung der filigranen Wesen, die mit kaum sichtbaren Flossen elfengleich umherschwimmen.

„Wir bekommen immer mal wieder Exemplare von Fischern”, so die erfahrene Meeresspezialistin gegenüber MM, während Mitarbeiter in den funktionell gehaltenen Räumen emsig mit der Reinhaltung der vielen Becken befasst sind. „Sie sind so ungeheuer selten!”

Gelingt es, eine gewisse Zahl von Seepferdchen neu zu züchten und mit schmackhaften Gambas und Plankton zu mästen, wird die Aussetzungsaktion jedesmal wie ein Hochamt gefeiert. Wie zuletzt im Oktober: Damals wurden nach einem bis anderthalb Jahren mühe- und hingebungsvoller Aufzucht gleich 70 Exemplare vor der Küste der Gemeinde Calvià und nahe dem Urlauberort Colònia de Sant Jordi feierlich dem Meer überantwortet. Vor Mallorca kommen zwei Unterarten vor, nämlich die lang- und kurzschnäuzigen Kreaturen dieser putzig daherkommenden und zugleich irgendwie merkwürdigen Fischart, also „Hippocampus guttulatus” und „Hippocampus hippocampus”.

Wobei es eine Kunst für sich ist, besonders viele Seepferdchen zu züchten: Man benötigt dafür besonders hohe Bassins, denn diese befeuern die Aufzucht mit Nachdruck: „Für ihren Balztanz vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche brauchen sie eine längere Strecke”, weiß Debora Morrison. Denn sonst komme es nicht zur ersehnten Kopulation. Etwa vier bis fünf Wochen nach der Befruchtung der Eier gebiert erstaunlicherweise das Männchen dann etwa 100 bis maximal 300 äußerst zerbrechlich anmutende, stiftähnliche Jungtiere mit einer Durchschnittslänge von rund 1,6 Zentimetern.

In vielen Kulturen gelten Seepferdchen als Glücksbringer

Faszinierend beim Thema Seepferdchen ist zum einen, dass die grazilen Wesen ihr ganzes Leben lang monogam leben – eine nicht unbedingt sehr verbreitete Angewohnheit in der Natur. Zum anderen fällt auf, dass den Tieren eine magische Symbolik innewohnt: In vielen Kulturen gelten sie seit Jahrhunderten als Glücksbringer, in der griechischen Mythologie reitet niemand geringerer als der 
Meeresgott Poseidon auf einem Wagen, der von diesen Fischen gezogen wird. Zudem stehen Seepferdchen trotz ihrer Zerbrechlichkeit für Ausdauer und Stärke.

Und jenseits aller Symbolik sind die Tierchen auf praktische Weise nützlich: Laut der Expertin Debora Morrison reagieren die nett anzusehenden Kreaturen empfindlich auf Umweltveränderungen und sind daher eine wichtige Indikatorspezies für Bemühungen zum Schutz der Meere. Sie tragen zudem zur Erhaltung der Gesundheit der rund um Mallorca in größerer Zahl befindlichen Seegraswiesen bei.

Ungeachtet all der seit dem Jahr 2022 anhaltenden Bemühungen des Palma-Aquariums und der auf den Balearen heimischen March-Bank ist völlig unklar, ob sich der Bestand der geradezu elfenhaften Meeresgesellen seitdem signifikant erhöht hat. „Wir können das überhaupt nicht kontrollieren”, so Debora Morrison etwas traurig. Wie viele es derzeit rund um Mallorca genau gibt, sei ein ganz großes Rätsel.

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