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VERBOT FÜR UNTER-16-JÄHRIGE

Blitzumfrage: Mallorca reagiert skeptisch auf Madrids radikale Social-Media-Pläne

Viele Befragte bezweifeln, ob die Regierung die auferlegten Einschränkungen gegenüber den Plattformbetreibern auch durchzusetzen weiß. Zustimmung kommt von Eltern und Experten.

Drei junge Menschen, die an der Umfrage in Palma teilnahmen | Foto: Ultima Hora

| Palma, Mallorca |

Viele junge Menschen auf Mallorca reagieren mit deutlicher Skepsis auf die Pläne der spanischen Regierung, Minderjährigen unter 16 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken zu verbieten. "Das ist doch eigentlich schon längst so geregelt", lautet ein häufig geäußerter Einwand. Altersgrenzen existierten in den Nutzungsbedingungen fast aller Plattformen, zumindest theoretisch. Denn: Kontrolliert werden sie fast nie. EBei vielen überwiegt der Eindruck, es handele sich weniger um eine neue Regelung als um eine politische Ankündigung mit unklarer Wirkung.

MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" führte dazu eine Blitzumfrage in Palma durch. Ein 24-jähriger Mallorquiner brachte dabei die verbreitete Haltung auf den Punkt: Entscheidend sei nicht, was auf dem Papier stehe, sondern "wie man das überhaupt durchsetzen will". Solange soziale Netzwerke selbst kaum überprüften, wer ihre Angebote nutze, bleibe ein Verbot wirkungslos. Auch andere junge Erwachsene äußerten Zweifel, ob Sanktionen tatsächlich greifen würden oder ob die Verantwortung erneut an die Nutzer abgeschoben werde.

Ausgangspunkt der Debatte ist ein Vorstoß von Ministerpräsident Pedro Sánchez, der am Vortag auf dem ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Regulierung digitaler Plattformen angekündigt hatte. Soziale Netzwerke hätten sich zu einer Art "gescheitertem Staat à la Wilder Westen" entwickelt, sagte Sánchez, in dem Gesetze ignoriert und Straftaten geduldet würden. Künftig sollen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken erhalten.

Digitale Plattformen sollen verpflichtet werden, wirksame Altersverifikationssysteme einzuführen. Die Regelung ist Teil eines Gesetzentwurfs zum Schutz von Minderjährigen im digitalen Raum, der derzeit im Parlament beraten wird. Darüber hinaus will die Regierung die Haftung der Plattformbetreiber verschärfen. Auch deren Führungskräfte sollen persönlich zur Verantwortung gezogen werden können, wenn Hassrede oder illegale Inhalte nicht entfernt werden. Damit würde Spanien über die bisherigen Vorgaben des europäischen Digital Services Act hinausgehen.

Unter Eltern fällt die Reaktion deutlich wohlwollender aus. Viele verweisen auf Cybermobbing, "toxische Inhalte" und eine zunehmend unkontrollierte Nutzung sozialer Netzwerke durch immer jüngere Kinder. Zugleich äußern sie Zweifel, ob politische Maßnahmen allein ausreichen. "Digitale Erziehung beginnt zu Hause", betonen mehrere Eltern, die das Verbot eher als Unterstützung denn als Ersatz elterlicher Verantwortung verstehen.

Unterstützung erhält der Vorstoß aus fachlicher Sicht. Die Bildungspsychologin Shannon De Jesús warnt vor "gravierenden Folgen" exzessiver Bildschirmnutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dazu zählten Abhängigkeit, Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen, soziale Isolation sowie ein sinkendes Selbstwertgefühl. Viele Jugendliche zögen digitale Kommunikation realen Begegnungen vor; idealisierte Inhalte in sozialen Netzwerken erschwerten zudem ein realistisches Selbstbild.

De Jesús bewertet die geplante Altersbeschränkung dennoch "positiv". Sie sei ein "erster Schritt", um die psychische Gesundheit junger Menschen zu schützen. Entscheidend seien jedoch klare Regeln, konsequente Kontrolle und die Einbindung der Familien.

Sánchez betonte, nationale Maßnahmen allein reichten nicht aus. Spanien arbeite daher laut Regierungschef Sánchez mit mehreren europäischen Staaten zusammen, um international stärker gegen "problematische Entwicklungen im digitalen Raum" vorzugehen. Ob aus der Ankündigung ein wirksames Instrument wird, bleibt jedoch nicht nur auf Mallorca vorerst offen.

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