Auch wenn sich der ersehnte Erwerb noch hinauszuzögern scheint: Der Inselrat von Mallorca hält an seinem Vorhaben fest, die historische Besitzung Santa Cirga bei Manacor zu erwerben. Das Objekt der Begierde ist das Geburtshaus des Sprachwissenschaftlers Mossèn Antoni Maria Alcover (1862-1932). Nach öffentlichem Druck aus der Stadt Manacor erklärte die Inselregierung am Donnerstag, dass das zuständige Finanzdezernat weiterhin an der "Vorbereitung eines Kaufangebots" arbeite.
Sowohl der Bürgermeister von Manacor, Miquel Oliver, als auch Vertreter der Associació d’Amics de la Institució Pública Antoni M. Alcover hatten den Inselrat aufgefordert, den angekündigten Ankauf "endlich umzusetzen". Daraufhin stellte die Inselverwaltung unter Präsident Llorenç Galmés klar, man habe das Projekt "keineswegs aufgegeben". Die Finanzabteilung verfolge weiterhin das Ziel, die Finca in öffentliches Eigentum zu überführen.
Derzeit erstellen Fachleute des Finanzressorts eine wirtschaftliche Bewertung der Liegenschaft. Parallel würden die kulturellen und denkmalpflegerischen Aspekte des Anwesens geprüft. "Sobald diese Berichte vorliegen, wird den Eigentümern ein Angebot unterbreitet", hieß es aus der Behörde. Finanzdezernent Rafel Bosch erklärte, man warte aktuell auf die Wertermittlung; zugleich würden die "Elemente von patrimonialem und kulturellem Interesse" untersucht. Beides sei Voraussetzung für einen möglichen Kauf.
Für den Kauf hat der Inselrat vorsorglich eine Million Euro aus Haushaltsüberschüssen reserviert. Ziel sei es, Santa Cirga künftig als öffentliches Kulturzentrum zu nutzen, das vornehmlich dem Leben und Werk Alcovers gewidmet sei.
Die Finca war im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem benachbarten Anwesen zum Verkauf angeboten worden, zu einem Gesamtpreis von 15 Millionen Euro. Eigentümer sind die Erben des Bankiers Juan March. Santa Cirga umfasst mehr als 200 Hektar und liegt an der Straße zwischen Manacor und Porto Cristo.
Die kulturpolitische Bedeutung des Anwesens ist unbestritten. Mossèn Antoni Maria Alcover gilt als eine der zentralen Figuren der mallorquinischen und katalanischen Kulturgeschichte. Als Initiator des Diccionari català-valencià-balear leistete er Pionierarbeit in der Erforschung der katalanischen Sprache. Zudem sammelte er unter dem Pseudonym Jordi des Racó hunderte mallorquinische Volkssagen. Eine öffentliche Nutzung seines Geburtshauses gilt daher als wichtiger Schritt zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes.