Im Land des hochgelobten und erfolgreich erprobten Tikitaka hat es der Fußballnachwuchs zunehmend schwer. Auf Mallorca regeln oder untersagen immer mehr Schulen das Fußballspielen in den Pausen, um Konflikte zu vermeiden und den Schulhof für alle zugänglicher zu machen.
Nach Angaben mehrerer Schulleiter hätten sich in der Vergangenheit vor allem unter Jungen Rivalitäten aufgebaut, die nicht selten "mit Fäusten" ausgetragen worden seien. Joana Maria Mas, Leiterin der Grundschule CEIP Ses Rotes Velles und Vorsitzende der Schulleitervereinigung für Kindergärten und Grundschulen auf Mallorca, verweist auf ihre Erfahrung: "Seit mehreren Schuljahren ist Fußball bei uns nicht mehr erlaubt, und wir haben dadurch viele Probleme vermieden."
Grund für die zum Teil handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Unterrichtsstunden sei insbesondere die Rivalität unter örtlichen Vereinen gewesen. "Wenn die Jungs in unterschiedlichen Vereinen spielten, übertrug sich der Streit nicht selten auf den Schulhof", so Mas.
Auslöser einer neuen landesweiten Debatte war ein Vorschlag der Linkspartei Podemos auf der Nachbarinsel Ibiza, die Nutzung der Schulhöfe grundsätzlich neu zu ordnen, um mehr Teilhabe zu ermöglichen. In Teilen der Berichterstattung war jedoch schnell von einem generellen "Fußballverbot" die Rede. Tatsächlich setzen viele Schulen weniger auf Verbote als auf Regulierung: Fußball bleibt erlaubt, aber mit festen Zeiten und klaren Regeln. Ergänzend wird auf alternative Angebote wie Volleyball, Schach oder kreative Arbeitsgemeinschaften gesetzt.
Im Kern geht es nach Darstellung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" um mehr als nur um Sport. Die meisten Schulhöfe auf den Balearen bestehen aus betonierten Flächen mit Fußballtoren und Basketballkörben. Kritiker bemängeln, dieser Umstand begünstige einseitig das Fußballspiel – und damit meist die Jungen. Die Folge: Mädchen würden an den Rand gedrängt und verzichteten zumeist auf aktive Teilnahme.
Eine Schülerin aus Palma schildert gegenüber dem Lokalblatt rückblickend, sie und ihre Mitschülerinnen hätten die Pausen zumeist unter dem Vordach verbracht. "Weil die Jungs immer den Hof besetzt haben". Von einem generellen Verbot hält die 13-Jährige nicht viel, wohl aber für "klare Regeln". Das Problem seien weniger die Sportarten als tief verwurzelte Rollenbilder. "Deshalb gibt es auch beim Volleyball immer wieder Probleme."