Es ist ein Ort auf Mallorca, der sich sogar bis Korea und Japan herumgesprochen hat. Weil jahrelang damit Werbung für Urlaub auf der Insel gemacht wurde, wollen viele vor allem junge Fluggäste hauptsächlich das eine, wenn sie auf die Insel kommen: die kleine und perfekt rechteckige Caló d’es Moro nahe Cala Llombards sehen, die ihnen als hochromantischer Ort schlechthin verkauft wird, ja nachgerade als Symbol Mallorcas.
Und so kommen all diese Besucher seit etwa dem Jahr 2010, als die sozialen Netzwerke massiv aufkamen, zu Abertausenden, um vor allem im Sommer diese Bucht mit ihrem türkisblauen Wasser aufzusuchen, die sich im Südosten auf dem Gebiet der Gemeinde Santanyí befindet. Vorwiegend werden dort Selfies gemacht, dann fährt man mit dem Mietwagen, der sich auf einem Parkplatz in größerer Entfernung befindet, wieder weg.
All diese Menschen und Touristen benutzen in der Regel einen Weg, der auf dem etwa 40.000 Quadratmeter umfassenden Privatgrund eines alteingesessenen Deutschen verläuft. Der Mallorca-Resident Hans-Peter Oehm und seine Familie wohnen dort seit bereits 26 Jahren in einem alleinstehenden Haus. „Wir haben eine Wüste zum Paradies gemacht”, so der Architekt gegenüber MM. Kurz, bevor sie hier sesshaft wurden, war es ihnen gelungen, ein Hotelprojekt mit Minigolf und Tennisanlage in dieser naturbelassenen Gegend zu verhindern.
Die in der Regel alles andere als umweltbewussten heutigen Gäste – sage und schreibe rund 5000 seien es in der Hochsaison pro Tag – würden dort sehr viel Müll hinterlassen, so Oehm. Zumal sie mitunter dort in einer langen Schlange stundenlang darauf warteten, sich der Caló d’es Moro zu nähern. Seit Jahren räume man Abfälle und andere Rückstände inmitten der inzwischen etwa 20.000 dort gesetzten Pflanzen weg. Mit einer Stiftung tue man seit vielen Jahren das Menschenmögliche, um Reinigungsaktionen auch an der benachbarten Cala S’Almonia zu finanzieren.
Angesichts der immer stärker um sich greifenden Massifizierung gibt es in unregelmäßigen Abständen Medienberichte, in denen es heißt, die Oehms hätten jetzt die Nase gestrichen voll und würden den Zugang mit einem Zaun sperren wollen. So auch vor einigen Tagen wieder von „Bild” („der Strand gehört der Familie”) über „Express” („die deutsche Eigentümerfamilie Oehm, der das riesige Areal an der Bucht gehört, hat jetzt die Notbremse gezogen”) bis „Focus online”. So etwas wolle er aber nicht und könne es rechtlich gar nicht, dementierte Hans-Peter Oehm diese Meldungen gegenüber MM. „Es ist frustrierend für uns als Familie, solche Berichte lesen zu müssen.” Ständig werde Zwietracht gestreut. Die Behörden – also die Gemeinde Santanyí und das in Madrid beheimatete spanische Küstenschutzamt Costas – müssten die Angelegenheit regeln, so Oehm.
Falsche Medienberichte
Und hier tut sich tatsächlich etwas. „Eine vor etwa acht bis neun Monaten in Auftrag gegebene Studie der Balearen-Universität zu der Angelegenheit ist fertig und wird bald öffentlich vorgestellt”, verlautete aus der Gemeinde gegenüber MM. Die zentrale Frage sei: „Wer regelt die Bewegung der Menschen”? Dass hierbei nicht nur die deutschen Grundbesitzer und die Kommune, sondern auch die Costas-Behörde involviert seien – letztere verwaltet bekanntlich sämtliche Strände des Landes – verkompliziere alles noch erheblich mehr. Berichte in deutschen Medien, die der Familie unterstellt hätten, sie besitze die Caló d’es Moro, seien deswegen falsch, hieß es weiter. Kein Küstengebiet im Staate Spanien sei privat.
Die von markanten Felsen umgebene Caló d’es Moro ist für ihr kristallklares Wasser und den fast blendend hellen Sand bekannt. Die versteckte Lage, die natürliche Schönheit und eine permanente Präsenz in sozialen Netzwerken ziehen jedes Jahr so unendlich viele Besucher an – und dies, obwohl Sand oberhalb der Wasserlinie kaum vorhanden ist. Die Tausenden Besucher haben ihn in all den massifizierten Jahren einfach größtenteils abgetragen. Und das, obwohl der Zugang über steile Pfade und Treppen für manche eine Herausforderung darstellt.