Die umstrittenen Pläne für ein Munitionslager auf dem Luftwaffenstützpunkt Son Sant Joan bei Palma de Mallorca sind offenbar vorerst gestoppt. Nach Informationen der MM-Schwesterzeitung "Última Hora" stellte das spanische Verteidigungsministeriums das Projekt zurück und prüft Alternativstandorte – möglicherweise außerhalb der Insel.
Die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens (Volkspartei, PP) begrüßte den Kurswechsel. Sie sprach von einer "Korrektur" der ursprünglichen Pläne und bezeichnete die Suche nach einer Alternative als "gute Nachricht für alle". Zugleich betonte sie ihr "volles Verständnis" für die Sicherheitsbedürfnisse des Militärs. Die Regionalregierung sei über das Vorhaben nicht informiert worden, kritisierte Prohens am Donnerstag. Verteidigungsministerin Margarita Robles (Sozialdemokraten, PSOE) habe in einem "ungewöhnlichen Telefonat" erklärt, sie kenne das Projekt nicht im Detail und angedeutet, es könne womöglich nicht umgesetzt werden.
Das im vergangenen Dezember bekannt gewordene Vorhaben hatte in Politik und Bevölkerung erhebliche Spannungen ausgelöst. Besonders im nahegelegenen Ortsteil Sa Casa Blanca, weniger als einen Kilometer vom Stützpunkt entfernt, regte sich Widerstand. Auch mehrere Parteien reagierten erleichtert auf die nun bekannt gewordene Kehrtwende.
Der Abgeordnete Vicenç Vidal von der linksregionalen Partei Mès führte die Entwicklung auf den Druck der Bürger zurück. Unidas Podemos sprach von einer "Absurdität und einem politischen Fehler" und warnte vor einer generellen Aufrüstungspolitik. Der sozialistische PSIB erklärte, man habe die Eignung des Standorts in unmittelbarer Nähe zum Flughafen nicht nachvollziehen können. Die konservative PP hatte vor allem die "fehlende Information" kritisiert, sich in der Sache jedoch nicht grundsätzlich gegen das Projekt gestellt. Vox blieb bei einer neutralen Haltung und verwies auf die Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums.
Nach Angaben des Militärs sollte das Lager Raketen und Lenkbomben für Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen aufnehmen. Die maximale Kapazität von 75 Tonnen sei nicht ausgeschöpft worden, versicherte der Kommandant des Stützpunkts; gelagert werde "nur das Nötigste". Ein technischer Bericht hatte allerdings die ursprünglich vorgesehenen Sicherheitsabstände infrage gestellt.
Unabhängig vom mutmaßlichen Projektstopp hatte der spanische Ministerrat Son Sant Joan Anfang Dezember 2025 zu einem Bereich von nationalem Verteidigungsinteresse erklärt. Damit unterliegen künftige Änderungen der direkten Kontrolle Madrids. Ob das Munitionslager endgültig vom Tisch ist oder lediglich verlegt wird, bleibt offen.