Wer auf Mallorca ein festes Dach über dem Kopf, darf sich glücklich schätzen. Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace sollte es zugleich klimafreundlich sein. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion haben Aktivisten der Organisation am Freitag in der Inselhauptstadt Palma für "bezahlbaren und energieeffizienten Wohnraum" geworben.
Unter dem Motto Por un San Valentín Caliente – frei übersetzt: Für einen heißen Valentinstag – inszenierten Aktivisten mehrere Performances. Diese sollten Betrachter ein Gefühl dafür vermitteln, wie es sich anfühlt, in einer energieeffizienten W
ohnung zu leben. Nach realistischer Einschätzung von Greenpeace ist derartiges Wohnen auf Mallorca jedoch für viele "kaum realistisch": Der Wohnungsbestand sei überaltert, schlecht isoliert und für breite Teile der Bevölkerung "kaum noch erschwinglich".
Die Aktion auf Mallorca war Teil einer landesweiten Kampagne, die zeitgleich in 16 spanischen Städten über die Bühne ging. Ziel sei es, Wohnen als" soziales Grundrecht" stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Organisation fordert eine umfassende Sanierung des in die Jahre gekommenen Wohnungsbestands, um Wohnungen "komfortabler, sicherer und nachhaltiger" zu machen. Statt in großem Stil auf Neubau zu setzen, plädiert Greenpeace für die "energetische Modernisierung" vorhandener Gebäude. Dadurch ließen sich Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen deutlich senken.
Auf Mallorca rückten die Aktivisten insbesondere die "energetischen Mängel" vieler Häuser in den Mittelpunkt. Zugleich präsentierten sie ihren Vorschlag Tu llave de la vivienda digna – "Dein Schlüssel zu menschenwürdigem Wohnen". Das Konzept sieht nach Angaben der NGO gezielte öffentliche Förderprogramme für energetische Sanierungen vor.
María Prado, Kampagnenleiterin für Energie bei Greenpeace, verwies auf die klimapolitische Dimension des Themas. Der Gebäudesektor sei für rund 30 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs in Spanien verantwortlich. Ein schlecht gedämmter Wohnungsbestand verursache zudem etwa 15 Prozent der CO₂-Emissionen des Landes und verschärfe Energiemangel sowie soziale Ungleichheit. "Es ist grundlegend, dass die Behörden dringend Maßnahmen ergreifen, um würdigen Wohnraum für alle Menschen zu garantieren – nicht als Privileg, sondern als Grundrecht", sagte Prado.
Gerade auf Mallorca und in anderen spanischen Metropolen mit stark gestiegenen Immobilienpreisen gilt Wohnraum für viele als kaum noch bezahlbar. Vor diesem Hintergrund stellt Greenpeace die energetische Sanierung als doppelte Antwort dar: Sie soll sowohl das Klima schützen als auch die Wohnkosten langfristig senken. Nur woher die letztlich fehlenden Wohnungen kommen sollten, darauf hatten die Aktivsten am Freitag keine Antwort.