Fußballerstligist RCD Mallorca hat sich am Montagabend (23.3.) von seinem Trainer Jagoba Arrasate getrennt. Die Entscheidung fiel nach einem Tag, an dem der Verein öffentlich noch Stabilität vermitteln wollte. Intern jedoch war die Lage längst angespannt. Auslöser war die 0:2-Niederlage bei Celta de Vigo vom vergangenen Wochenende, die das Insel-Team weiter in die Abstiegszone rutschen ließ.
Am späten Abend kam es zu einem Gespräch zwischen Sportdirektor Pablo Ortells und Arrasate. Dabei wurde dem Trainer die sofortige Trennung mitgeteilt. Die offizielle Begründung bleibt erwartbar nüchtern: Man wolle „eine neue Etappe einleiten“, um die sportliche Entwicklung zu korrigieren. Hinter dieser Formulierung steht die Einschätzung, dass die aktuelle Konstellation nicht mehr ausreicht, um den Klassenerhalt zu sichern.
Warum die Geduld des Vereins endete
Arrasate war mit einem langfristigen Auftrag verpflichtet worden. Ein Dreijahresvertrag sollte Kontinuität schaffen, die Mannschaft stabilisieren und schrittweise entwickeln. Tatsächlich gab es Phasen, in denen dieser Plan aufzugehen schien – insbesondere in der Rückrunde der Vorsaison. Doch die aktuelle Spielzeit verlief deutlich weniger konstant.
Die Mannschaft sammelte zu wenige Punkte und konnte Rückschläge nicht kompensieren. Nach mehreren Niederlagen in Folge verschärfte sich die Situation spürbar. Mit 24 Punkten steht Mallorca auf einem Abstiegsplatz, wenn auch nur knapp hinter den Nichtabstiegsrängen. Entscheidend für die Vereinsführung war offenbar weniger die tabellarische Momentaufnahme als der fehlende Trend zur Verbesserung.
Die Art und der Zeitpunkt der Entscheidung kamen für viele Beteiligte unerwartet. Noch am Wochenende war öffentlich kein unmittelbarer Handlungsdruck signalisiert worden. Auch innerhalb der Mannschaft wurde die Entlassung erst spät kommuniziert. Führungsspieler erfuhren am Abend telefonisch von der Entscheidung. Hinzu kommen Berichte über Unzufriedenheit auf Seiten des Trainers, insbesondere mit Blick auf die Kaderzusammenstellung. Arrasate hatte intern mehrfach angedeutet, dass die getätigten Transfers nicht vollständig seinen sportlichen Vorstellungen entsprachen. Solche Differenzen sind im Profifußball nicht ungewöhnlich, gewinnen jedoch an Bedeutung, wenn die Ergebnisse ausbleiben.
Ein Team ohne klare Linie
Auffällig war in den vergangenen Wochen vor allem die fehlende Konstanz im Spiel. Defensiv zeigte sich die Mannschaft anfällig in entscheidenden Phasen, offensiv fehlte es häufig an Durchschlagskraft. Gleichzeitig war keine klare taktische Entwicklung erkennbar, die auf eine nachhaltige Stabilisierung hingedeutet hätte. Arrasate suchte nach Lösungen, variierte Systeme und Personal, ohne dass sich daraus eine verlässliche Struktur ergab. Für die sportliche Leitung war dies ein zentrales Argument: Die Wahrscheinlichkeit, mit dem bestehenden Trainerteam die Trendwende zu schaffen, wurde als zu gering eingeschätzt.
Die Suche nach einem Nachfolger läuft unter Zeitdruck
Mit der Trennung beginnt für den Verein eine entscheidende Phase. Gesucht wird ein Trainer, der kurzfristig Ergebnisse liefern kann. Als Kandidat gilt unter anderem Luis García Plaza, der den Klub bereits in die Primera División geführt hat und mit den strukturellen Gegebenheiten vertraut ist.Weitere Optionen reichen von erfahrenen Trainern wie Quique Sánchez Flores bis hin zu konzeptionell arbeitenden Profilen wie Xavier García Pimienta. Auch interne oder vereinsnahe Lösungen wie Pep Lluís Martí werden diskutiert. Namen wie Javi Gracia stehen nach Mutmaßungen der MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“ ebenfalls im Raum.
Die Entscheidung wird nicht nur eine sportliche, sondern auch eine strategische sein: Geht es um kurzfristige Stabilisierung oder um eine strukturelle Neuausrichtung unter schwierigen Bedingungen? Am kommenden Spieltag trifft Mallorca zuhause auf Real Sociedad. Die Partie gewinnt durch die aktuelle Situation zusätzlich an Bedeutung, auch wenn sie für sich genommen noch keine Vorentscheidung im Abstiegskampf darstellt.