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Fliegen in Schlips und Kragen, Gratis-Essen an Bord: So luxuriös flogen Passagiere früher mit Lufthansa nach Mallorca

Die deutsche Airline wird 100. Eine Geschichte vom Wirtschaftswunder über Terror, Meilenjäger und Riesenjets bis zu einer großen Insel-Liebe

100 Jahre Lufthansa: Zeit für einen Rückblick auf die Mallorca-Geschichte der Airline | Foto: Archiv

| Mallorca |

Hundert Jahre Lufthansa – das sind nicht nur nüchterne Jubiläumsreden, goldene Logos und Hochglanzbroschüren. Es sind Geschichten von Aufbruch und Absturz, von Weltpolitik in 10.000 Metern Höhe und von Urlaubssehnsucht im Wirtschaftswunderland. Kaum ein Ort bündelt diese Gegensätze so eindrücklich wie Mallorca.

Die Ferieninsel war für die Kranich-Airline nie bloß ein Sonnenziel, sondern immer auch Projektionsfläche deutscher Träume, Ängste und Ambitionen: vom geschniegelt reisenden Bürgertum der frühen 1960er-Jahre über die dunkelste Stunde der Airline-Geschichte mit der Entführung der „Landshut“ bis hin zur medienwirksamen Landung des XXL-Airbus A380.

Auch heute ist Lufthansa auf Mallorca präsent – mit ganzjährigen Verbindungen, erhöhter Sommerfrequenz und einem dichten Netz über ihre Töchter Eurowings und Discover Airlines. Doch die Beziehung zwischen Airline und Insel reicht tiefer als aktuelle Flugpläne.

Wie bewegend, widersprüchlich und historisch aufgeladen diese Verbindung ist, hat MM-Vizechef Alexander Sepasgosarian bereits 2015 in einem viel beachteten Artikel aufgezeichnet. Unter dem Titel „Der Kranich und die Sonneninsel“ zeichnet er die Lufthansa-Geschichte auf Mallorca nach. Wir dokumentieren diesen Text im Folgenden in voller Länge.

"Der Kranich und die Sonneninsel"


Originalartikel aus MM 3/2015 von MM-Vize Alexander Sepasgosarian

Es war der 5. April 1963, als erstmals eine Maschine der Deutschen Lufthansa auf der Landebahn von Palmas Airport Son Sant Joan mallorquinischen Boden unter die ausgefahrenen Räder nahm. Die Insel war seit den 1950er Jahren ein begehrtes Sonnenziel für Urlauber aus dem gehobenen Bürgertum mit der entsprechenden Kaufkraft der Wirtschaftswunder-DM. Damals trugen die männlichen Passagiere alternativlos Anzug, Schlips und Kragen, sogar beim Flanieren in Palma und beim Abendessen in den Hotels wurde gediegenes Tuch präsentiert.

Von Condor, Neckermann und der Demokratisierung des Reisens

Es vorgemacht, dass Mallorca eine rentable Destination ist, hatte bereits die deutsche Fluggesellschaft Condor, die erstmals im Jahre 1956 auf der Insel gelandet war, damals noch am Flugplatz Son Bonet im Norden von Palma. 1960 wurde dann der heutige Airport Son Sant Joan in Betrieb genommen und der Tourismus im Laufe des kommenden Jahrzehnts auf breiter Basis demokratisiert. Nicht zu vergessen: Die erste vom deutschen Versandhandel Neckermann organisierte Pauschalreise auf die Insel, die letztlich den Grundstein für den späteren Massentourismus legte, fand ebenfalls im Frühjahr 1963 statt.

Der Jungfernflug der Lufthansa nach Mallorca erfolgte mit einer Maschine vom Typ Super Constellation. Sie brachte 50 Passagiere, mehrheitlich Journalisten aus Deutschland und Frankreich, nach Palma. In Nizza hatte der Flieger noch zwischenlanden müssen. Seit damals ist die Kranich-Linie mit ihrem stilisierten Vogellogo am Seitenruder stets auf Mallorca präsent gewesen, wenn auch mit einem stark schwankenden Marktanteil. In den 1980er Jahren war die Lufthansa der Platzhirsch unter den Carriern auf den Mallorca-Deutschland-Routen. Später verlagerte der Konzern Kapazitäten an die zeitweise zum Tochterunternehmen avancierte Condor.

Meilen, Marktanteile und die Rückkehr nach Palma

Um die Jahrtausendwende flog Lufthansa Mallorca nur noch ein- bis zweimal pro Woche an, dann setzte um 2006 eine Trendwende ein: Die Zahl der wöchentlichen Direktverbindungen stieg. Sie wurde zunächst auf 13, später 22 erhöht. Einer der Gründe: Die Vielflieger unter den Geschäftsleuten wollten ihre gesammelten Meilen auch für Urlaubsflüge nach Mallorca nutzen können.

Der Kranich war erstmals am 6. Januar 1926 in Berlin zum Erkennungszeichen der Fluggesellschaft „Deutsche Luft Hansa“ geworden. Damals hatte die Reichsregierung die beiden stark defizitären Vorgänger-Firmen Junkers Luftverkehr AG und Deutsche Aero Lloyd AG zur Fusion gedrängt. Die Schreibweise „Lufthansa“ in einem Wort wurde erst 1933 eingeführt. Das Unternehmen überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. Es wurde 1945 von den Siegermächten aufgelöst. Erst im Jahre 1955 wurde die heutige Lufthansa gegründet.

Entführung, Terror und ein Riesenflugzeug

In den mehr als 60 Jahren ihres Bestehens hat die neue Lufthansa in Zusammenhang mit Mallorca positive wie negative historische Vorkommnisse erlebt. Der tragischste Vorfall: die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 13. Oktober 1977 auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt. Vier palästinensische Terroristen kapern in der Luft das Flugzeug mit 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord, um inhaftierte RAF-Mitglieder in Deutschland freizupressen. Es kommt zu einem tagelangen Irrflug durch Europa, Arabien, Afrika. In Aden wird der Pilot Jürgen Schumann kaltblütig erschossen. Ein GSG-9-Kommando befreit die Geiseln schließlich am 18. Oktober, drei der vier Entführer werden getötet.

Ein ganz anderes Stück Luftfahrtgeschichte auf Mallorca schrieb Lufthansa im Jahre 2010 mit der Landung des größten Passagierflugzeugs der Welt. Der Airbus A380 beförderte auf dem Präsentationsflug 526 Fluggäste von Frankfurt nach Palma. Normalerweise kommt die Riesen-Maschine nur auf Fernstrecken wie etwa nach Johannesburg, Peking oder Tokio zum Einsatz. Mallorca wurde jedoch die Ehre zuteil, das erste Ziel in Spanien gewesen zu sein.

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